Hasselberg : Vor Grönland kam der Angriff

Heinz Taubert ist heute der älteste Bürger Hasselbergs.
Heinz Taubert ist heute der älteste Bürger Hasselbergs.

Heinz Taubert aus Gundelsby hat vor 75 Jahren als einer von 26 Soldaten den Torpedobeschuss einer U-Boot-Flotte überlebt.

shz.de von
14. Februar 2018, 12:54 Uhr

Er ist der Tag seiner Wiedergeburt, der 17. Oktober 1943. Zumindest erinnert sich Heinz Taubert (94) in diesem Sinne daran. An jenem Tag vor 75 Jahren wurde er von den US-Amerikanern vor Grönland aus dem Atlantik gefischt. Er ist einer von 26 Überlebenden einer U-Boot-Flotte, die 1943 durch Torpedo-Beschuss versenkt wurde. Bei dem Unglück starben mehr als 200 U-Boot-Fahrer.

Heinz Taubert, der nach der Schulzeit eine dreijährige Ausbildung als Reichsbahngehilfe machte, wollte 1941 unbedingt U-Boot-Fahrer werden – wie einer seiner sieben Brüder. Doch der Vater war dagegen. Da die beiden Jungen noch nicht 21 Jahre alt waren, durften sie keine Verträge unterschreiben. Der Vater wollte nicht unterschreiben, und so fälschten sie dessen Unterschrift, um zur Reichsmarine zu kommen.

Die Grundausbildung fand in den Niederlanden statt, wo Heinz Taubert mit den Bordwaffen, der Signaltechnik und dem Navigieren vertraut gemacht wurde. Diese Lehrgänge absolvierte er auf der „Wilhelm Gustloff“ – jenem Schiff, das im Januar 1945 mit über 10 000 Menschen an Bord von einem russischen U-Boot in der Ostsee durch Torpedo-Beschuss versenkt wurde. Im März 1942 kam er auf das in Bremen erbaute U-Boot „841“ , auf dem er bis zuletzt blieb, obwohl er „fürchterlich seekrank“ war. Am
17. Oktober 1943 wurde das U-Boot mit acht weiteren Booten zu einem Geleitzug abkommandiert. Die Flottille sollte in Richtung Amerika auslaufen. Vor Grönland endete die Fahrt. Die U-Boote wurden von US-amerikanischen Schiffen angegriffen und sieben von ihnen versenkt. Neben Heinz Taubert überlebten 25 weitere Soldaten den Angriff. Der 94-Jährige erinnert sich noch genau an den Tag: „Nur mit einer Rettungsweste abgesichert schwammen wir im kalten Wasser. Auf uns wurde geschossen. Doch dann wurden wir aus dem Wasser gefischt und waren Kriegsgefangene“, erzählt er über seine glückliche Rettung.

Ein Lazarett-Schiff brachte ihn nach Washington zum Verhör. Danach blieb er zunächst in den USA – in Arizona und Mississippi, wo er als Baumwollpflücker arbeitete. Danach ging er nach New York und kam von dort über London am 15. August 1947 nach Hause. Drei Jahre später wurde er Beamter des Bundesgrenzschutzes für die Bereiche Verwaltung und Fortbildung. 1983 ging er in den Ruhestand.

Nach Gundelsby ist er vor 26 Jahren gezogen, wo er sich nach eigener Aussage sehr wohl fühlt. Seit dem Tod seiner ersten und zweiten Ehefrau lebt der älteste Einwohner Hasselbergs allein. Ganz allein ist er aber trotzdem nicht, denn er hat eine große Familie: drei Töchter, einen Sohn, elf Enkel und neun Urenkel. Wer ihn sieht, schätzt den 94-Jährigen auf Mitte 60. „Ich koche noch für mich, wasche meine Wäsche selbst und bügle sie auch“, erzählt er. „Ich bin ein Hausmann.“ Für seine Fitness tut er auch etwas: „Ich bin täglich drei bis vier Stunden im Garten.“

Wenn Heinz Taubert auf sein ereignisreiches und bewegtes Leben zurückblickt, bereut er fast nichts. Auf die Frage, was er gerne anders gemacht hätte, antwortet er: „Ich hätte alles genau so wieder gemacht. Allerdings hätte ich mich mehr um die Familie gekümmert.“ Am schönsten in den vergangenen Jahren fand er, dass „wir so lange Frieden gehabt haben“. Er würde alles dafür tun, um den Frieden zu erhalten.


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