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Fridtjof-Nansen-Schule Flensburg : Von Puffbohnen und echten Erdtypen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schulgarten-Projekt: Schwarze Hände für Erdbeeren, Zwiebeln oder frische Gurken

Etwa 25 Zentimeter hoch sind die Buchsbäumchen. Sie sollen eines der vier Beet-Areale als kleine Hecke säumen: Fabian bemüht sich nach Kräften, die vorgezogenen Pflanzen in die ausgehobenen Löcher zu setzen. Das klappt auch ganz gut, doch so ganz gerade wird die Reihe nicht; das ist nicht wirklich schlimm, könnte auch jedem Erwachsenen passieren. Denn „da müssen wir beim nächsten Mal wohl eine Richtschnur setzen“, stellt Gaby Balzerowitz leicht amüsiert fest.

Zusammen mit Christoph Leibenath bildet sie das Klassenlehrerteam einer 5. Klasse der Fridtjof-Nansen-Schule, die zum Schuljahrsende noch einmal im eigenen Schulgarten werkelt. Zwei Unterrichtsstunden sind für das „Projektorientierte Lernen“ (POL) pro Woche im zweiten Halbjahr eingeplant, doch de facto sind die 24 Schülerinnen und Schüler viel länger im Quakenweg: Die großzügige Gartenfläche grenzt an das Gebiet von Villekula und bietet jede Menge Aktivitätsansätze. Sie wirkt eher naturnah, soll auch gar nicht dem Perfektionismus eines Schrebergartens aus Erwachsenenperspektive entsprechen.

Die Ziele sind ganz andere: „Zwar geht es auch um Gartenpflege, doch vorrangig ist das Arbeiten im Team. Unsere Schüler sollen lernen, sich selbst zu organisieren und dann in die Gruppe einzubringen“, erläutert Christoph Leibenath. Neben POL werden dabei auch andere Fertigkeiten wie mathematisches Messen, das exakte Beschreiben von Pflanzen sowie Gesprächsregeln berücksichtigt. Alles in freier Natur, gewissermaßen in einem „Grünen Klassenzimmer“.

Der Schwerpunkt liegt jedoch im pädagogisch angeleiteten Arbeiten im Garten. Zu Beginn testen die Klassenlehrer ihre Schüler auf entsprechende Neigungen: „Dann buddeln alle intensiv mit schwarzen Händen in der Erde statt mit Papier zu arbeiten, um herauszufinden, wer ein ‚Erdtyp‘ ist“, sagt Gaby Balzerowitz. Wem das nicht so liegt, der bastelt dann, beispielsweise Sitzelemente. Aktuell ist das auch angesagt, da die Klasse erstmals bei teils kräftigem Regen im Garten ist und in einem Unterstand zunächst vorgesägte Enten für das kleine Teichbiotop bemalt. Das haben andere, 7. Klassen angelegt, die auch einen eindrucksvollen Nistkastenbaum errichtet haben.

Die vier gesonderten Areale liegen etwas höher und werden unterschiedlich genutzt und entsprechend mit farbigen Fähnchen markiert. Eines davon ist ein klassischer Nutzgarten mit Tomaten, genussvoll abgeernteten Erdbeeren, Zwiebeln und mehr. Die Puffbohnen im Beet werden unten mit Jacobs-Muscheln gegen möglichen Fraß der gefürchteten Nacktschnecke abgeschirmt, Wirkung noch offen. Auch einen Kirschbaum haben die Schüler selbst gesetzt, der ihnen von einer Patenklasse geschenkt wurde. Johny sät hier gerade Rhabarbersamen aus.

Eine Zisterne gibt es auch: Ein blaues Kunststofffass, das zu drei Vierteln eingegraben ist und von so genannten „Wasserträgern“ gefüllt wird, beispielsweise von Nikita, der darin seine Aufgabe im Garten gefunden hat. Zusammen mit einem Mitschüler stellt er auch den Waschtisch auf, an dem schwarze Erdhände wieder sauber werden. Nadin und Marvin legen eine Flechtphase an einem Zaun aus Weidenzweigen ein. „Das ist nicht so spannend, aber anstrengend. Doch es ist schon eine tolle Aufgabe, besonders wenn das Ergebnis gut wird“, sagt Nadin. Auch die Umrandung für ein Hochbeet entsteht gerade, wobei die Erwachsenen mit Hand anlegen. Hier bringt sich Emy ganz intensiv ein, die sogar einen Akkuschrauber von zu Hause mitgebracht hat und größten Wert auf selbstständiges Arbeiten legt.

Im Kräuterbeet gedeihen zahlreiche Varianten, an denen die Kinder ihren Geruchssinn ausbilden. Die Blüten der Kapuzinerkresse finden sie nicht nur wegen der Farbe reizvoll: Sie haben gelernt, dass man sie auch essen kann – ein Wissen, das sicher so manch Erwachsener nicht hat. Das Arbeiten in Erde und mit Pflanzen ist Sanjays Ding nicht, er protokolliert die Arbeiten per Tablet. Auch die Eltern unterstützen das Projekt mit Pflanzenspenden. Oder sie übernehmen in den Sommerferien mit ihren Kindern jeweils einmal die Woche den wichtigen Gießdienst.

Das mehrstündige projektorientierte Lernen der elf- bis zwölfjährigen Fritjof-Nansen-Schüler endet mit einem „Abschluss-Reflexion“ genannten Resümee sowie einem gemeinsamen Essen, zu dem alle etwas mitbringen. Kleines kulinarisches Highlight ist dabei eine Gurke, deren Wachstum von Sandy liebevoll begleitet wurde und die sie gerade frisch geerntet hat – als besondere Belohnung für schulisches Lernen der etwas anderen Art.


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erstellt am 20.Jul.2017 | 07:42 Uhr

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