Von Marschall nach Schrepperie

In Schrepperie ist für  Peter Schramm (links), Peter Braasch und Helmut Boger (rechts) die Welt noch in Ordnung. Das freut Bürgermeister Hans-Jürgen Schwager (3. von links).   Foto: hjk
In Schrepperie ist für Peter Schramm (links), Peter Braasch und Helmut Boger (rechts) die Welt noch in Ordnung. Das freut Bürgermeister Hans-Jürgen Schwager (3. von links). Foto: hjk

Vierter Teil der Sommerserie "In Angeln unterwegs": Es gibt ein kleines Nahversorgungszentrum und häufig postalische Verwirrung

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18. August 2011, 05:39 Uhr

Stoltebüll | Den Einheimischen sind diese Ortsnamen vertraut, den Auswärtigen geben sie Rätsel auf: Affegünt, Baggelan oder Düstnishy klingen exotisch. Manche Leute wohnen in Morgenstern, in Knappersfeld oder gar im "Paradies". Zum Leidwesen der heutigen Heimatforscher haben die Altvorderen ihr Wissen darüber nur selten und dann ziemlich lückenhaft überliefert. Unsere Zeitung war "In Angeln unterwegs", um so manches Rätsel zu lösen.

Nein, ein Feldmarschall wie Blücher ist in der Geschichte der Landgemeinde Stoltebüll niemals aufgetaucht. Auch der Marschall-Plan hat hier keinen Einfluss genommen. Wie aber kommt es dazu, dass eine Häusergruppe an der Kreisstraße 108 den Ortsnamen "Marschall" trägt? Eine Erklärung dafür liefert Dorfchronist Johannes Thiesen aus Spannbrück: Dieses Wort sei eine Art Verballhornung von Marstall, ein aus dem Althochdeutschen stammender Begriff, der sich aus "Mähre" (Pferd) und Stall zusammensetzt. Das macht Sinn: In Marschall, wo heutzutage nur drei ältere Wohnhäuser stehen, in denen insgesamt acht Personen leben, wurden laut Überlieferung in früheren Zeiten rassige Pferde für die umliegenden Angelner Güter Rundhof und Drült gezüchtet.

Auf einer von tiefen Schlaglöchern heimgesuchten Fahrbahn geht es drei Kilometer weiter via Gulde mit seinem Abzweiger zum Stoltebüller Thingplatz nach Schrepperie. Der Name wird in der Chronik von "kleiner Kratt" (Wald) hergeleitet.

Aus Schrepperie, dessen Areal in grauer Vorzeit unbewohnt in einem tiefen Wald lag, ist ein richtiges, in sich geschlossenes Dorf geworden. Stoltebülls Bürgermeister Hans-Jürgen Schwager trifft gleich am Ortseingang drei alteingesessene Bürger: Helmut Boger, der Senior, kann über Schrepperie am meisten erzählen. Er und seine Nachbarn Peter Schramm und Peter Braasch sagen namens aller 90 Einheimischen unisono: "Mit der Gemeindepolitik sind wir wirklich zufrieden." Und das, obwohl kein einziger von ihnen derzeit ein Mandat im Gemeinderat inne hat.

Dennoch gibt es in Schrepperie ein Problem, das bislang nicht gelöst werden konnte: eine postalische Verirrung. Von den 22 Gebäuden in diesem Ortsteil gehört etwa ein Viertel zur Nachbargemeinde Esgrus. "Manche Briefe kommen bei uns gar nicht an", berichtet Peter Schramm. Schuld daran sind zwei unterschiedliche Postleitzahlen: 24409 für Stoltebüll, 24402 für Esgrus. Obwohl Schrepperie offiziell zu Stoltebüll gehört, kennt die Deutsche Post AG offensichtlich nur die Esgruser Postleitzahl. Steht auf den Briefen und Paketen die 24409 vor Schrepperie, gilt die Sendung sozusagen als "unzustellbar". Bürgermeister Schwager: "Es ist sogar schon vorgekommen, dass manche Bürger die amtlichen Wahlbenachrichtigungen nicht erhielten und deshalb auch nicht zur Abgabe ihre Stimme kamen."

Schrepperie besitzt den Luxus zweier Bushaltestellen, die nur 50 Meter voneinander entfernt liegen. Die Alte Kappelner Landstraße (L 25) durchläuft den kleinen Ort zwischen Esgrus und Oersberg. Hier ist die Welt noch in Ordnung, abgesehen vom postalischen Manko. In der Ortsmitte liegt der einzige Gewerbebetrieb, das Autohaus Petersen. Der inzwischen verstorbene Schmied Johannes Petersen war Gründer dieses Unternehmens, das nach der "Pferdezeit" in den 1970er Jahren entstand. Ute Petersen, seine Schwiegertochter, hat miterlebt, wie nach und nach die moderne Zeit in den Betrieb einzog. 2004 verkaufte ihr Ehemann Jürgen Petersen das Autohaus an Gerd Berendsen aus Stausmark und Volker Frahm aus Schleswig. Ute Petersen weist den Besucher noch auf eine Trumpfkarte hin: ein kleines Nahversorgungszentrum für Schrepperie und Umgebung.

Obwohl die Alte Kappelner Landstraße, einst Hauptverbindungsachse zwischen Flensburg und Kappeln, durch den Bau der Nordstraße (B 199) in eine Nebenrolle gedrängt wurde, betonen Petersen und Frahm übereinstimmend: "Wir können keine Nachteile für unseren Standort erkennen."

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