zur Navigation springen

Running Dinner in Flensburg : Von Lasagne bis Tiramisu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine neue Idee erobert Flensburg: „Rudi rockt“ – gut speisen bei verschiedenen privaten Gastgebern.

Flensburg | Christian macht gerade eine Ausbildung zum Wasserschutzpolizisten und war vorher mit der Bundeswehr in Afghanistan. Johannes wird Zimmermann und lebt im Sommer in seinem umgebauten Transporter, um morgens vor der Arbeit schnell noch Surfen zu gehen. Leonie und Ria sind im ersten Semester ihres Masterstudiums International Management Studies und haben sich gerade erst angefreundet.

All diese unterschiedlichen Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten habe ich vorgestern an einem Abend kennen gelernt. Und zwar in drei verschiedenen Küchen bei drei unterschiedlichen Gängen. Denn genauso funktioniert „Rudi rockt“. Rudi steht für „Running Dinner“: Es bilden sich Zweierteams, denen jeweils Vorspeise, Hauptspeise oder Nachspeise zugelost werden. Seinen eigenen Gang kocht das Team zu Hause, dabei sind zwei andere Teams zu Gast. Für die beiden anderen Gänge werden einem die Gastgeber zugelost. Ich habe mich zusammen mit meinem Freund im Internet angemeldet, am Freitag kam dann meine Laufroute für Sonnabend, quer durch Flensburg.

Und das ist in diesem Fall wirklich wörtlich zu nehmen: Für die Vorspeise geht es am um 17.30 Uhr von meiner Mürwiker Wohnung ganz auf die andere Seite der Förde, weit in die Nordstadt hinein. Hier wohnt Anne, für Rudi rockt hat sie sich mit Louisa zusammen getan. Die beiden studieren in Flensburg Pädagogik und servieren mit Feta überbackenes mediterranes Gemüse. Im kleinen, gemütlichen Esszimmer sitzen wir zu sechst mit Wasserschutzpolizist Christian und Referendarin Nicole zusammen und kommen bei Essen und Trinken schnell ins Gespräch; es geht um Berufe und wie jeder dazu gekommen ist, bei Rudi rockt mitzumachen. „Wir haben in der Mensa die Flyer gesehen und wollten unbedingt dabei sein“, erzählt Louisa. Nicole nimmt schon zum vierten Mal teil, hat sogar schon einmal für die Band bei der Abschlussparty im Volksbad gekocht. „Aber das mache ich nicht noch einmal – da lernt man nicht so viele Leute kennen.“

Menschen kennenlernen ist für die meisten der Hauptgrund mitzumachen. Am Ende eines solchen Abends hat man zwölf neue Gesichter gesehen, kennt zwölf neue Lebensentwürfe – und hat in zwei neue Wohnungen hineingeschaut. Viele der über 220 Teilnehmer sind Studenten, die meisten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Rudi rockt wird von der Flensburger Viva-con-Agua-Gruppe organisiert, einem Hamburger Verein, der sich für die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern einsetzt. An den Verein fließen auch die Einnahmen aus der Abschlussparty.

Irgendwann kommen wir auf Christians Zeit in Afghanistan zu sprechen und, obwohl wir uns alle kaum kennen, wird es plötzlich ein sehr tiefgründiges, ernstes Gespräch. Ich bin mit dem Hauptgang an der Reihe und muss noch die vorbereitete Lasagne in den Ofen schieben. Plötzlich wird alles etwas hektisch, und während wir mit dem Auto die Förde umrunden, schaue ich ständig auf die Uhr. Zum Glück schaffen wir es noch und ich kann wieder ganz entspannt die beiden Studentinnen Lea und Ria, Zimmermann Johannes und Schiffsbauer Andy begrüßen. Bei Sekt und Bier erzählen die beiden jungen Männer, dass sie die Vorspeise in Johannes umgebautem Transporter serviert haben. „Es war vielleicht ein bisschen eng, aber allen hat es total gut gefallen“, berichtet Andy. Die beiden haben sich beim Surfen kennen gelernt, Johannes lebt den ganzen Sommer über in seinem Transporter, hat ihn als Zimmermann selber ausgebaut. „Das ist viel praktischer“, sagt er, „sonst müsste ich von meinen Eltern zur Berufsschule nach Flensburg pendeln. So stelle ich meinen Bus einfach irgendwo in die Stadt und bin sofort da. Und wenn ich arbeite, stehe ich am Strand und kann vor der Arbeit nochmal schnell surfen gehen.“

Zum Nachtisch müssen wir alle in die Innenstadt und Johannes und Andy nehmen uns alle vier in Andys Bulli mit zum Volksbad. In einer Wohngemeinschaft hat Zahnärztin Lena für uns Tiramisu gemacht. Ein schöner Abschluss eines spannenden Abends mit vier neuen Lebensgeschichten.


www.rudirockt.de


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen