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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 13:39 Uhr

Von Köttbullar und CIA-Informationen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schwedische Lehrer nehmen in Flensburg an einem Workshop über den Einsatz von Tablet-PCs teil

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 16:58 Uhr

„Was ist typisch schwedisch?“, fragt Malgorzata Wesolowska auf Englisch und hält ihrer Kollegin Nina Pettersson das iPad mit laufender Kamera vor die Nase. Die Antwort dürfte der Mathematiklehrerin Pettersson eigentlich keine Schwierigkeiten bereiten – schließlich ist sie selber Schwedin. Und sie muss auch nicht lange überlegen: „Köttbullar, die kleinen Fleischbällchen, sind typisch schwedisch“, erklärt Pettersson und lächelt in die kleine Kamera, die auf der Rückseite des Tablets angebracht ist.

Im iPad-Workshop in den Schulungsräumen der Auguste-Viktoria-Schule (AVS) geht es heute aber weniger um schwedische Spezialitäten. Vielmehr will Michael Engelbrecht von der Fachhochschule Westküste sieben Gästen aus Schweden – in erster Linie Lehrer aus der Stadt Linköping – neue Möglichkeiten zeigen, wie sie den Tablet-Computer im Unterricht einsetzen können. „Wenn iPads an Schulen eingesetzt werden, dann oft nur als Suchmaschinen fürs Internet“, erklärt Engelbrecht. „Dabei gibt es so viel mehr Möglichkeiten.“

Eine Möglichkeit ist die Nutzung der besagten Kamera, mit deren Hilfe die Schüler sich ohne eine teure Kameraausrüstung gegenseitig filmen oder auch Experten interviewen können. Aber es geht noch viel mehr: „Bislang haben Schüler nur mit Schulbüchern gearbeitet, aber das ist mit den Tablet-PCs eigentlich nicht mehr nötig“, sagt Engelbrecht, „heute können die Schüler mit derselben Technik arbeiten, die sie in ihrer Freizeit benutzen – und dabei ihre Medienkompetenz erhöhen.“ Auf dem Tablet könnten die Schüler beispielsweise klassische Literatur lesen und Fremdworte per Fingerdruck sofort nachschlagen. Oder statt in einem Atlas Informationen über Schweden nachzuschlagen direkt über das Tablet auf die Internetseite der CIA zuzugreifen. Engelbrecht: „Bei dem Wort CIA lachen immer erst einmal alle – kaum jemand weiß, dass das CIA Factbook die detailliertesten Informationen über alle Länder der Welt bereitstellt.“

Da sind auch die Schweden etwas verblüfft. Allerdings zeigt sich schnell, dass Engelbrecht in Punkto iPad-Nutzung im Unterricht den Schweden nur wenig vormachen kann. Lehrerin Nina Pettersson etwa nutzt das iPad, um mit den Kindern die Buchstaben zu üben oder kleine Filme zu drehen. In ihrer Heimat Linköping arbeitet man gerade daran, die Grundschulen, die hier bis zur neunten Klasse geht, flächendeckend mit Tablet-PCs auszurüsten. „Derzeit haben wir in Linköping bereits 7000 Stück“, erklärt Pettersson. Da ist die schwedische Stadt Flensburg weit voraus, wo es erst eine einzige iPad-Klasse gibt, die in Kooperation mit dem sh:z entstanden ist.

Trotzdem: Die schwedischen Lehrer schätzen es, bei Engelbrecht einen neuen Zugang zur Nutzung der Tablets zu erlernen. Genau das ist schließlich der Grund für ihren Besuch in Deutschland: Sie nehmen an einem Austauschprogramm mit dem Schulamt Flensburg teil, bei dem deutsche und schwedische Lehrer das jeweils andere Schulsystem kennen lernen und sich über neue Konzepte austauschen. „Es ist immer gut, gegenseitig von einander zu lernen und zu sehen, wie andere Länder die Dinge handhaben“, sagt Malgorzata Wesolowska von der Universität Linköping. „Das lässt die Welt zusammenrücken.“

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