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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 03:53 Uhr

Von Kitsch bis Klasse

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nils Landgren und Rolf Becks Chorakademie gastierten im Deutschen Haus

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 19:30 Uhr

„Siehste, das ist Flensburg“, mag Rolf Beck gedacht haben, als er auf die Bühne kam. Viele leere Reihen im Saal, vielleicht 400 Zuschauer im Deutschen Haus. Als SHMF-Intendant hatte er zuletzt nur noch Justus Frantz zugetraut, den großen Saal zu füllen. Beck kam nun als Leiter der Lübecker Chorakademie, die er vom Festival geerbt hat. „Die ist ja offenbar nicht mehr gewollt“, grollte er leise in seiner ansonsten sehr freundlichen Begrüßung.

Eine spannende Begegnung im Advent durfte das Publikum erwarten. Die 17 jungen Sänger trafen auf Nils Landgrens Ensemble „New Eyes on Baroque“, das sich Klassiker aus der Bach- und Händel-Ära mit jazzigen Ausdrucksformen nähert. Da beginnt das unvermeidliche Air aus der 3. Ouvertüre mit einem Bass-Solo der famosen Eva Kruse, der Schleswig-Holsteinerin im schwedischen Ensemble. Ob es eine gute Idee ist, die Hauptmelodie dieses sehr abgenutzten Bach-Evergreens vom Chor mit dem Text „Mmmmhh“ singen zu lassen, müssen Beck und Landgren entscheiden; hier sind sie dem Reiz des Kitsches erlegen.

Aber vielleicht muss man auf die bekannten Stücke zurück greifen, um Erfolg zu haben. Das berühmte „Halleluja“ aus Händels Messias kann man natürlich von einem Kammerchor und einer Jazzband interpretieren und es wie einen Gospel klingen lassen – aber muss man das? Hingegen klang die Arie „Lascia chio pianga“ aus Händels Oper „Rinaldo“ fast, als hätte der Komponist es für diese Besetzung geschrieben. Wunderbar die Stimme der Sopranistin Jeanette Köhn, auch in „Quia in respexit“ aus dem Magnificat! Das gilt auch für die Interpretation von „Maria durch ein Dornwald ging“ durch die Chorakademie. Von hauchzart bis kraftvoll steigerte sich der Chor im schönsten aller Weihnachtslieder. Beck hebt einzelne Passagen der Chorsätze immer wieder durch Soloeinschübe hervor; das Vokalensemble präsentierte sich als Gruppe von 17 Solisten aus fast ebenso vielen Ländern. Nils Landgren ließ es sich nicht nehmen, die Sänger alle einzeln vorzustellen.

Wer wegen des Mannes mit der roten Posaune gekommen war, hätte vielleicht gern mehr Jazz gehabt. Hin und wieder wurde etwas improvisiert, und selbst in diesen kurzen Passagen blitzte die große Klasse des populären Schweden durch. Doch sowohl Landgren als auch der Saxophonist Jonas Knutsson ordneten sich dem klassischen Konzept unter. Das erfuhr seine nahezu perfekte Umsetzung in einem Arrangement des aus Flensburg stammenden Musikers Wolf Kerschek.

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