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Abschlussprüfung in den Bergen : Von Flensburg in die Alpen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Luftschüler Max Benscheidt erfüllt sich einen Jugendtraum und meistert seinen Prüfungsflug ins Hochgebirge.

Flensburg | Wo fliegende Schleswig-Holsteiner sich auskennen, wird es für Max Benscheidt schwierig. „Irgendwie fehlen mir hier die vertrauten Berge zur Orientierung“, sagt der 25 Jahre alte Schweizer, der zur Zeit in Flensburg-Schäferhaus seine Ausbildung zum Privatpiloten macht. Bereits seit Herbst vergangenen Jahres ist er dabei; bald will er seine Prüfung ablegen. Seinen Kindheitstraum hat er sich eigentlich jetzt schon erfüllt: Von Flensburg in die Alpen und kreuz und quer durch die Berglandschaften.

„Fliegen wollte ich schon immer, eigentlich sogar Airline-Pilot werden“, sagt Benscheidt, doch leider habe es nicht geklappt, bei der Fülle der Bewerber durchzukommen, bedauert er. Deshalb hat er erst einmal Schiffsmechaniker gelernt, ist zur See gefahren, und hat jetzt einige Semester an der Fachhochschule Nautik studiert. Sein späteres Ziel: Wirtschaftsingenieur. Doch die Fliegerei hat ihn nicht losgelassen. „Dann habe ich gesehen, dass der Flugschein in Flensburg etwa ein Drittel weniger kostet, als ich zu Hause in St. Gallen dafür zahlen müsste.“ Auch deshalb hat er zum Studium schnell die Ausbildung in der Flugschule des Luftsportvereins in Schäferhaus drangehängt.

Vergangenen Herbst und Winter, wenn das Wetter für Hobbyflieger oft zu schlecht ist, lernten die Schüler das Funken, büffelten Aerodynamik, Navigation, Motorenkunde, Meteorologie und Verhaltensregeln. Benscheidt hat sich beeilt: Funkprüfung in deutsch und englisch bereits im Februar in Bremen, Theorieprüfung im Juni in Kiel – und dann der erste Alleinflug nach vielen Flugstunden. „Ich wusste ja, dass es irgendwann kommt“, so Benscheidt, war am Anfang aber doch überrascht, als sein Lehrer Dieter Malina fragte, „na, fühlst du dich gut? Dann schaue ich mir deine nächsten Platzrunden vom Gartenstuhl aus an.“ Nach vorgeschriebenen drei Mal Landen und Durchstarten folgte dann der rustikale Ritterschlag: sich nach alter Fliegertradition den Hintern versohlen lassen. Das kommt noch aus der Doppeldecker-Ära, als man das Fliegergefühl im „Hosenboden“ wähnte und kräftig festklopfen wollte.

Die wahre Herausforderung kam erst vergangene Woche. Um den Privatpilotenschein zu erwerben, muss ein Schüler nicht nur zehn Flugstunden allein absolvieren, sondern sollte – so strebt es die Flugschule bei ihren Flugschülern an – gemeinsam mit dem Lehrer eine größere Langstrecken-Aufgabe bewältigen. Für den Schweizer war schnell klar, dass er in die Berge will, dort wo er demnächst auch wieder zu Hause sein wird. So ging es mit Dieter Malina, selbst Österreicher mit großer Gebirgsflugerfahrung, einmal quer durch Deutschland und schließlich in der FlensAir-Schulmaschine ins Hochgebirge. Zwischen Innsbruck und Osttirol musste Benscheidt ohne den aus dem Flachland gewohnten Horizont auskommen, lernen, die Thermik zu bedenken, um nicht in Abwinde zu geraten. Und es galt, auch mal Flugplätze anzusteuern, die so hoch liegen, dass die aus Flensburg gewohnte Motorleistung wegen Höhenluft nicht mehr zur Verfügung steht. Nach diesen 2500 Streckenkilometern in nur vier Tagen, mit 20 Landungen auf 16 Flugplätzen fühlt sich Max Benscheidt jetzt richtig fit für die praktische Abschlussprüfung über Flensburg. Zu Hause in der Schweiz durfte er auf seinem Ausbildungsflug übrigens nicht landen, weil sie EU-Ausland ist. „Nur von oben habe ich einmal bis nach St. Gallen geschaut.“


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erstellt am 31.Aug.2015 | 13:45 Uhr

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