Glücksburg : Von einer Straße und ihren Bewohnern

Berthold Hamer  vor dem Plakat zu seinem Buch.
Berthold Hamer vor dem Plakat zu seinem Buch.

Berthold Hamer hat seinen sechsten Band zur Schlossallee in Glücksburg herausgegeben – mit Anekdoten und Geschichten auf 240 Seiten.

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20. November 2017, 13:28 Uhr

Aus verkehrstechnischer Sicht ist die Schlossallee eine der wichtigsten Straßen in Glücksburg. Über eine Länge von 420 Metern bildet sie zwischen Wassermühle und Postplatz gewissermaßen das Entrée der Stadt. Dass an ihr interessante Menschen leben und gelebt haben, hat man geahnt. Nun gibt es dieses Wissen schwarz auf weiß und mit vielen Fotos angereichert (Mit Hilfe von Fotograf Winfried Lühr-Tanck, neuerdings Leipzig). Berthold Hamer, 73, pensionierter Hotelkaufmann und von der Stadt vor zwei Jahren zum „Stadtschreiber“ ernannt, hat seinen 6. Straßenband herausgegeben: „Schlossallee. Große Straße bis Ruhetal. Ihre Häuser und Bewohner“. Am passenden Ort, der Alten Turnhalle unweit der Schlossallee, stellte er das 240-Seiten-Werk vor. Etwa 150 Zuhörer, darunter Prinzessin Elisabeth zu Ysenburg Büdingen, erfuhren, dass in einer Wohnung über der Turnhalle der Kieler Handball-Profi Gerd Welz aufwuchs.

Unter den Gästen war Klaus Groth. Der Mann mit dem Namen des bekannten niederdeutschen Dichters ist ein großer Akteur der Berliner Baubranche geworden. Von 1962 – 65 wohnte er in der Schlossallee 2, einem stattlichen Eckhaus von 1907. Damals war er Stadtinspektor von Glücksburg. Später steuerte er von Kiel aus Großbauprojekte in Glücksburg wie das Haus des Kurgastes, das Wellenbad und das Intermar. Eine Zeit lang war er der Chef von Berthold Hamer.

Ein wichtiges Gebäude am Beginn der Schlossallee steht nicht mehr. Das Hotel Ruhetal wurde 2001 abgerissen, die Parkresidenz erbaut. Der frühere Junior-Chef Jochen Ewert tat sich durch Organisation großer Events hervor. So spielte Jazz-Legende Fats Domino 1987 für eine Gage von 55 000 Mark vor 1100 Zuschauern in der Rudehalle.

Bei der Villa von Marco Hahn stand Hamer vor verschlossener Tür, obwohl er mit London korrespondierte. Der Stadtschreiber revanchierte sich mit einem traurigen Lied auf dem Akkordeon. Offen hingegen standen ihm die Türen von 25 anderen Häusern, zum Beispiel vom ehemaligen Prinzenpalais, Baujahr 1872. Seit 1906 ist es im im Besitz der Familie Ottens. Elke von Hassel, eine Tochter des Hauses und politisch und sozial engagierte Glücksburgerin, schrieb das Vorwort zu Hamers neuem Buch.

Auch die Geschichte der früheren Wassermühle reicht weit zurück. Auf Betreiben der Mönche war die Mühle, die heute Wohnungen beherbergt, gebaut worden. Der Rüder See, auch Mühlenteich genannt, wurde als Stausee angelegt, von hier ließ man das Wasser in den Schlossteich ab. Mit dem Gebäude verwurzelt ist Familie Kistrup. Müller Carl Trompe Kistrup wurde 1937 von den Nazis, die er ablehnte, vertrieben.

Viele Anekdoten hat Hamer erfahren, so von Glücksburgs DLRG-Vorsitzendem Horst Petersen, Haus Nr. 5. Hier war von Dieben das Ruderboot entwendet worden, um die Figur des Evangelisten Lukas aus der Schlosskapelle zu stehlen. Eine interessante Autowerkstatt mit vielen Oldtimer-Treckern liegt an der Schlossallee und auch ein Schriftsteller lebte hier einst. Heinar Schilling, Sohn eines bedeutenden Professors der Dresdner Kunstakademie, wollte nach Kriegsende „Herzoglicher Archivar und Bibliothekar“ im Schloss werden. In Wirklichkeit versank er im Alkoholismus und wurde von der Wohlfahrt versorgt.

Bürgermeisterin Kristina Franke kommentierte anschließend die aktuelle Situation der Schlossallee. Für den Zustand der Gebäude-Nummer 6 aufwärts schäme sie sich, manche Neubauten finde sie fragwürdig. Trotz einer fehlenden Gestaltungssatzung hofft sie auf schöne Neubauten an Nummer 54 (frühere dänische Jugend- und Freizeiteinrichtung). Bezüglich der Hahn-Villa verwies sie auf den Termin einer Zwangsversteigerung (morgen, 10 Uhr, Amtsgericht Flensburg). Der Zuschlag unterhalb des Verkehrswertes von rund 4,2 Millionen Euro sei nun möglich, so Franke.

>Das Buch ist für 12 Euro im Rathaus, Bürgerbüro und der VR Bank erhältlich.


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