Niederdeutsche Bühne Flensburg : Von der Suche nach etwas Glück

Second-hand im Souterrain: Berta (Margarita Rebenstorf) und Pauline (Sonja Weber) betreiben den Laden „Plünn“.
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Second-hand im Souterrain: Berta (Margarita Rebenstorf) und Pauline (Sonja Weber) betreiben den Laden „Plünn“.

Philosophische Fragen und emotionaler Tritt auf die Bremse beim neuen NDB-Stück „Plünnenball“

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27. März 2018, 08:27 Uhr

Reicht die Illusion vom Glück, um glücklich zu sein? Kann vielleicht der Traum ebenso so viel wert sein wie seine Erfüllung? Wenn die Wahrheit für das echte Glück nicht taugt, will der Mensch dann betrogen sein? Ganz schön zu knacken hatte mancher Zuschauer an der eigentlich tief philosophischen Thematik der Konrad-Hansen-Komödie „Plünnenball“, die am Sonntag im Stadttheater bei der Flensburger Niederdeutschen Bühne Premiere hatte.

Lebendig setzt Regisseur Klaus Esch den Stoff in Szene. Die Schauspieler spielen spürbar engagiert und nuancenreich, die Kostüme (Barbara Büsch) und Tanzeinlagen (Petra und Lorenz Drews) sind Hingucker. Norbert Drossel schuf das Bühnenbild der einstigen Souterrain-Küche inklusive Fensterblick auf die Beine der auf Freier wartenden „Bordsteinschwalbe“ Uschi (Christin Kolbeck). Hier betreiben Berta (Margarita Rebenstorf) und Pauline (Sonja Weber) „Plünn“, ihren nicht gerade boomenden Second-Hand-Laden und Kostümverleih, treffen Tresorknacker Herrmann (Sven Misch), der windige „Reisende in Sachen Souvenirs“ Max (Jürgen Bethge), Paulines Sohn und vermeintlicher Assistenzarzt Heinz-Werner (Carsten Henningsen) aufeinander. Die illusionären Lebensgeschichten und unerreichten Sehnsüchte der Akteure verwischen die Konturen zwischen Schein und Sein. Dies gipfelt in der Figur des betrügerischen, von Bethge unglaublich gespielten Luft-Verkäufers, der seinen willfährigen „Opfern“ mit Fläschchen der Marke Sylt die Erinnerung an ersehnte Meeresfrische, mit Costa Smeralda den gefühlten sonnigen Süden verkauft.
Natürlich durchschaut der Zuschauer die Schein- und Traumwelten, Hochstapelei, Lug und Betrug. Für die Menschen im Stück mögen sie Kraftquelle sein, um wenigstens kurzzeitig (auch eigennützig) „glücklich“ zu sein.

Doch was kommt dann? Das Erkennen der Wahrheit wird für viele im Publikum zum gefühlten Tritt auf die emotionale Bremse. Alles bleibt gebrochen. Eine Reifung der Personen, vielleicht das Beschränken auf tatsächliche, kleinere Freuden, geschieht nicht. Doch ihre Hoffnung auf ein bisschen Glück in der Zukunft bleibt.

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