Mensch des Jahres: Margot Dietz-Wittstock : Von der Notaufnahme in die Katastrophengebiete der Welt

Die Flensburger Krankenschwester Margot Dietz-Wittstock half in Sumatra, Pakistan, Haiti und Kenia

Avatar_shz von
26. Oktober 2011, 05:04 Uhr

Flensburg | Margot Dietz-Wittstock (44) erinnert sich noch gut an den Abend vor dem Abflug zu ihrem ersten Auslandseinsatz. "Es ging mir richtig schlecht. Ich hatte Fieber. Und Angst." Es war das Jahr 2005, ein paar Wochen nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe in Südostasien. Das DRK sollte mit einem Team nach Sumatra fliegen, um dort eine medizinische Station aufzubauen. Plötzlich gab es Sicherheitsbedenken. Die damals 38-Jährige hatte jedoch einen Einsatz in Kriegs- und Krisengebieten ausgeschlossen. Sie wollte aber nicht kneifen, und durch Gespräche mit den erfahrenen DRK-Kollegen konnte sie den Knoten lösen.

Inzwischen gehört sie selbst zu den Erfahrenen. Die Krankenschwester aus der Diako, pflegerische Leiterin der Zentralen Notaufnahme, war 2006 mit dem DRK im Erdbebengebiet in Pakistan und Anfang 2010 in Haiti, wo ein schweres Erdbeben vor allem die Region der Hauptstadt Port-au-Prince zerstört hatte. Dort leitete sie später sogar die Rotkreuz-Gesundheitsstation.

Margot Dietz-Wittstock zog es schon früh in ferne Länder. "Ich wusste, dass ich beruflich etwas im Ausland machen wollte." Unter einem klassischen Helfersyndrom litt sie dagegen nicht, sondern nahm nach dem Abitur 1986 in Buchen/Odenwald erstmal ein Lehramtsstudium (Englisch/Geografie) an der Universität Kiel in Angriff. Doch schon nach dem zweiten Semester war klar: "Das ist es nicht." Stattdessen begann sie eine Ausbildung zur Krankenschwester am Kreiskrankenhaus Eckernförde. Der Lehre blieb sie jedoch treu: Bis heute gehören Unterrichten und Fortbilden zu ihren Tätigkeiten.

Auf Sumatra lag die Gesundheitsstation mitten im Dschungel und war nur per Hubschrauber zu erreichen. "Die Menschen kommen trotzdem, sobald sie erfahren, dass wir da sind. Dafür gehen sie stundenlang." Sie warten auch geduldig stundenlang auf ihre Behandlung - anders als gelegentlich in der Notaufnahme der Diako. "Da muss man sich böse Sachen anhören, wenn jemand eine halbe Stunde mit einer Schnittwunde warten muss." Bei ihren Auslandseinsätzen sei ihr immer wieder vor Augen geführt worden, "wie gut ich es hier habe" - wie zuletzt in Kenia, wo sie erst kürzlich mit einer Kollegin der Notaufnahme die von einer Dürre heimgesuchte Region um die Stadt Isiolo besucht hat. Da habe sie erlebt, "wie brutal schwer das Leben sein kann, wenn man in einem Verschlag von 2 mal 3 Metern mit einer achtköpfigen Familie haust und am Morgen noch nicht weiß, ob man seinen Kindern am Abend etwas zu essen geben kann." In Kenia unterstützten die beiden Diako-Schwestern "konfessionsübergreifend" ein Nahrungsmittelverteilungsprogramm der katholischen Malteser - im Resturlaub!

Margot Dietz-Wittstock, die früher Pilotin werden wollte, aber zu klein war, was sie nicht davon abhielt, Handball zu spielen, diese Frau mit dem dynamischen Kurzhaarschnitt, die vier Kinder zur Welt gebracht hat, strahlt mit jedem Wort und jeder Bewegung pure Energie und Power, aber auch viel Menschlichkeit aus. Und wenn sie erstmal ins Erzählen kommt, ist sie nur schwer zu bremsen. Wer mehr über ihren Haiti-Einsatz erfahren möchte, dem sei das Buch "Helden sind die, die bleiben" von Bettina Schaefer nahe gelegt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen