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Industriemuseum Kupfermühle : Von der Kupfersucht und ihren Folgen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Privatsammlung von Gisela und Bodo Daetz wird bis Ende Januar in der großen Halle des Industriemuseums ausgestellt

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2017 | 07:23 Uhr

Auf Anhieb haben Bodo und Gisela Daetz all die besonderen und spannenden Geschichten parat, die sich um die Fülle der wunderbaren, über Jahrzehnte mit Liebe und Engagement zusammengetragenen Schätze ihrer Kupfermühler Privatsammlung ranken. Im November wurde der Initiator der Rettung historischer Kupfermühler Bausubstanz, im Januar wird seine Frau neunzig Jahre alt. Auf Initiative Svend Lykke Schmidts, des ehrenamtlichen Geschäftsführers im Industriemuseum Kupfermühle, und „aus Anlass der 90. Geburtstage der Museumsgründer Gisela und Bodo Daetz wird als Ergänzung zu deren bereits ausgestellten Exponaten der Gisela-und-Bodo-Daetz-Stiftung und des Fördervereins die Privatsammlung des Ehepaares bis Ende Januar in der großen Museumshalle präsentiert“, erklärt Susanne Rudloff, wissenschaftliche Leiterin des Industriemuseums Kupfermühle. Zusätzlich erzählt eine Bilderreihe die Geschichte vom Werdegang des Museums von der Privatsammlung im Hause Daetz bis zum heutigen Museum.

Spiegelblank geputztes Messing und Kupfer blitzt und blinkt in eigens für diese Ausstellung aufgestellten Vitrinen. Kessel, Stövchen, Leuchter: „Sie stammen alle aus Kupfermühle; fast alle haben den Kupfermühler Stempel CKMF für „Crusauer Kupfer- und Messingfabrik“ und das Monogramm des damals regierenden dänischen Königs, erklärt Gisela Daetz mit ansteckender Begeisterung. Habe ein Kessel keinen Stempel, so hätten ihn die Arbeiter für den Eigenbedarf hergestellt.

Zwei Messingleuchter erinnern Gisela Daetz an eine kleine Anekdote: Eigentlich auf der Fahrt ins Krankenhaus, um ihren Mann nach einer Blinddarm-Operation abzuholen, entdeckte sie im Schaufenster eines Antiquitätenhändlers in der Toosbüystraße das Leuchterpaar. Natürlich wurde angehalten. Tatsächlich, beide Leuchter hatten den Kupfermühler Stempel und wurden erworben. Angesichts dieses Erfolges sei Bodo Daetz mit dem langen Warten schnell versöhnt gewesen.

„Ich stand vor der Schule in Wassersleben, da kam ein Plünnenmann vorbei, mit dem ich dann schnackte“, berichtet Bodo Daetz, ehemaliger Leiter der dänischen Schule, die Geschichte eines alten Kupferkessels, der heute ebenfalls in einer der Vitrinen blitzt. Damals hatte ihn der „Plünnenmann“ dabei und verkaufte ihn an Daetz. Das Blankputzen dieses ersten Kessels „bewirkte, dass ich die Krankheit Kupfersucht bekam“, sagt Daetz schelmisch. Der Anfang der Sammlung war gemacht.

Ausgestellt wird auch das einstige historische Herz der Turmuhr, die das Kupfermühler Turmhaus bis heute schmückt. Damals war die Uhr noch in Richtung Fabrik angebracht und zeigte den Arbeitern weithin sichtbar die Zeit an: „Das war eine Sensation“. Das aufwändige Bornholmer Uhrwerk von 1847 mit der Signatur H.P. Ipsen hatte drei Werke für Uhrzeit, Stunden- und Viertelstundenschlag. Mit Hilfe einer langen Leiter musste allwöchentlich über ein Zahnrad das Fünfzig-Kilo-Gewicht hochgekurbelt werden. „Das war ziemlich anstrengend. Das machte die Mieterin, die oben im Turm wohnte“, erzählt Daetz. Klar, schlank musste sie sein, um durch die kleine Öffnung nach oben zu passen. Heute hat ein elektrisches Innenleben das alte, ausgestellte Werk abgelöst.

Der mit Kupfermühle-Motiv versehene Tabletttisch, Zeichnungen und Gemälde, das Foto vom Besuch der dänischen Königinmutter Ingrid in Kupfermühle… zu erzählen haben die Daetzens viel. Jede Geschichte, jedes Exponat berichtet von ihrer großen Leidenschaft für Fabrik und Ort.




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