Märchenatelier in Steinbergkirche : Von der Kunst Märchen zu erzählen

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In seinem Märchenatelier hat Klaus Dörre (r.) in diesem Jahr zehn Erzähler ausgebildet. Beim zehnten Märchenfest zeigten sie, dass sie Kinder zu begeistern verstehen.
In seinem Märchenatelier hat Klaus Dörre (r.) in diesem Jahr zehn Erzähler ausgebildet. Beim zehnten Märchenfest zeigten sie, dass sie Kinder zu begeistern verstehen.

Acht Frauen und zwei Menschen hat Märchenerzähler Klaus Dorrie in seine Geheimnisse eingeweiht – wie sie andere mit Geschichten erfreuen können.

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06. Dezember 2018, 16:57 Uhr

Steinbergkirche | „Märchen sind für Kinder und Erwachsene gleichermaßen faszinierend“, sind sich jene acht Frauen und zwei Männer, die in den zurückliegenden Monaten an den Wochenenden bei Klaus Dörre das Erzählen gelernt haben, einig. Nun haben sie ihr Zertifikat als Märchenerzähler in der Tasche. Das zehnte Märchenfest im „Grundstein“-Atelier für Erzählkunst in Neukirchen stand ganz im Zeichen dessen, was sie alle gelernt haben. Aufmerksame Zuhörer waren zwei Dutzend Kinder. Deren gebanntes Lauschen war für die frischgebackenen Erzähler ein Indiz, dass „wir es richtig machen“.

Zufrieden ist auch der 71-jährige Klaus Dörre, der in seiner Erzählwerkstatt Männer und Frauen ausbildet. Er sagt: „Aus unseren inneren Bildern können wir frei erzählen – ohne Auswendiglernen, Blackouts, ohne den Faden zu verlieren.“ Ob Geschichten, Märchen, Vorträge, Erlebnisse: „Die Bilder, die wir in uns haben, führen uns sicher und authentisch durch unsere Geschichte.“ Da können ihm die Erzähl-Azubis nur beipflichten. Sie haben für sich das freie Erzählen entdeckt.

Eine, die jetzt zu den Erzählern gehört, ist Marianne Manthey aus Steinbergkirche. Die 69-jährige Rentnerin hatte zuvor immer wieder Märchenabende besucht und für sich entschieden, dass sie die Kunst des Märchenerzählens auch beherrschen will. Sie ist als Sterbebegleiterin tätig und weiß, dass das Erzählen auch am Sterbebett wichtig ist: „In das Leben eintauchen, sich erinnern, seinen Frieden finden.“ Das Bedürfnis danach erlebe sie immer wieder bei sterbenden Menschen. Dass sie dazu beitragen könne, sei für sie sehr befriedigend. Was sie sehr beschäftigt, ist das Märchen „Die weiße Taube“ der Brüder Grimm in seiner Urfassung von 1812. In den neueren Ausgaben erscheint dieses Märchen nicht mehr.

Zu denen, die jetzt ihr Prüfung ablegten und das Erzähl-Zertifikat erhielten, gehört auch Volker Schulz aus Hamburg. Der 57-jährige Geophysiker hat seinen Kindern stets vorgelesen. Seitdem er Märchen erzählt, sei die Nähe zueinander noch gewachsen, berichtet er. Es gehe nicht ums Auswendiglernen, sondern um innere Bilder, die er beschreibt.

Auch Christine Blum von der Insel Föhr hat sich das Erzählen zueigen gemacht. Die 74-jährige Heilpraktikerin ist begeistert von dem, was Klaus Dörre ihr beigebracht hat und wie er es getan hat. Sie habe gelernt, Stimme und Stimmungen zu kultivieren. Für sei seien Märchen, wie sie hinzufügt, berührende Spiegelbilder des Lebens. Die Ausbildung habe ihre Sprachsicherheit verbessert und das weiß sie zu schätzen.

All das hört Ausbilder Klaus Dörre, natürlich gerne. Er freut sich darüber, dass er miterleben konnte, wie seine „Azubis“ zunehmend spannender erzählen, ihre Zuhörer mehr und mehr anrühren und begeistern und „uns die Zeit vergessen lassen“.

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