Von der Hauptschule zur Fachkraft

Teilhabe mal zwei: Kathrin Kuhrt lässt sich zur Altenpflegerin ausbilden und schätzt die Dankbarkeit und Geschichten von Menschen wie Renate Oertel (rechts).
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Teilhabe mal zwei: Kathrin Kuhrt lässt sich zur Altenpflegerin ausbilden und schätzt die Dankbarkeit und Geschichten von Menschen wie Renate Oertel (rechts).

Kathrin Kuhrt nimmt den schnellstmöglichen Weg von der Altenpflegehelferin in die Altenpflege

shz.de von
29. Mai 2015, 18:59 Uhr

Der frühe Verlust ihrer Mutter, die aus Dänemark stammte, sei für sie ein Grund dafür gewesen, in die Pflege zu gehen, resümiert Kathrin Kuhrt. Nun, da sie die zwölfmonatige Ausbildung zur Altenpflegehelferin (mit Eins) abgeschlossen hat, weiß die 32-Jährige, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Das sah nach ihrem Besuch des deutschen Internats in Tingleff nicht unbedingt danach aus. Als ihre vierjährige Tochter und ihr neunjähriger Sohn in den Kindergarten beziehungsweise zur Schule kamen, konnte sie an sich denken und beschloss: „Ich möchte auch meinen Weg gehen.“ Nach beruflichen Ausflügen unter anderem in die Gastronomie bewarb sie sich schließlich beim Ökumenischen Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen (Öbiz) und erfuhr, dass sie „nur mit Hauptschulabschluss“, wie sie selbst sagt, „sogar“ examinierte Fachkraft werden kann.

Seit April lässt sich Kathrin Kuhrt zur Altenpflegerin ausbilden im Dansk Alderdoms- og Plejehjem, dem dänischen Senioren- und Pflegeheim in der Nerongsallee. Kuhrt wird dafür nur noch zwei statt drei Jahre brauchen. Die Verkürzung sei kein Automatismus, erklärt Angela Diekmann, Geschäftsführerin im Öbiz, sondern geschehe auf Antrag beim Landesamt für soziale Dienste. Voraussetzung ist die abgeschlossene Ausbildung in der Altenpflegehilfe. Diese sei nach Landesrecht geordnet. Diekmann beschreibt sie als „fundiert“ mit 700 Stunden theoretischen Unterrichts und rund 900 Stunden praktischer Ausbildung, immer im Wechsel nach mindestens vier Wochen. „In Flensburg steigt der Bedarf an Altenpflegehelfern“, sagt Angela Diekmann, und nicht nur dort. Deshalb komme ab Oktober mit Husum (Theodor-Schäfer-Weg 14) ein weiterer Ausbildungsort hinzu. Die Nachfrage der Einrichtungen nach Mitarbeitern mit dreijähriger Ausbildung habe mit der Fachkräfte-Quote zu tun, weiß die Öbiz-Chefin. Denn mindestens die Hälfte der Angestellten müsse eine Ausbildung von drei Jahren vorweisen.

Das neue Angebot in Husum werde auch mit dem Ziel eingeführt, mehr examinierte Altenpfleger hervorzubringen. Diekmann kennt die Statistik der letzten drei Jahre und berichtet, dass zwischen einem Viertel und der Hälfte der Altenpflegehelfer schließlich in die Altenpflege gewechselt seien.

Gerade das erste Jahr in der Altenpflegehilfe habe sie einen Schritt weiter gebracht, sagt Kathrin Kuhrt im Rückblick. Sie habe viel über Anatomie gelernt, die Klasse habe Sanitätshäuser besucht, und auch ein Sterbeseminar stand auf dem Stundenplan. Und es sei ein guter Einstieg, um zu schauen, ob der Beruf einem liege. Sie bedauert, dass sich nicht mehr Menschen für die Altenpflege entscheiden. Wenn Angehörige ihr sagen, „schön, dass Du da warst“, empfinde sie eine große Dankbarkeit. Auch dafür, an den Geschichten der Menschen teilhaben zu dürfen. Die junge Mutter betrachtet es in ihrem Beruf als ihre Aufgabe, jemandem, der auf erfülltes Leben zurückblickt, „so zu begleiten, dass er in Ruhe gehen kann“. Denn das Sterben sei Teil des Lebens. Langfristig nach dem Abschluss als Altenpflegerin plant Kathrin Kuhrt die Fortsetzung ihrer Ausbildung in der Palliativ-Versorgung. „Wenn ich das in zwei Jahren mache, bin ich meinem Ziel etwas näher.“

Kontakt: Ökumenisches Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen (Öbiz), Norderallee 14, 24939 Flensburg, Telefon 0461-3182170, info@oebiz.de, www.oebiz.de

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