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Flensburger Hafen : Von der Hafenspitze zum Harniskai: Ostufer kommt auf den Prüfstand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

OB und Politik sind sich weitgehend einig: Das gesamte Ostufer wird gründlich untersucht, die Bürger werden beteiligt, erst dann wird geplant.

Flensburg | Das „Bellevue“ verfällt, die Silos stehen weitgehend leer, die Bahngleise sind zugewachsen, an der Harniskaispitze hat sich die „Luftschlossfabrik“ etabliert. All das ist der Flensburger Hafen am Ostufer. Die kleine Idylle des Fischereihafens, die Wohn- und Bürohäuser des Werftkontors, die Werft für klassische Yachten, die frisch sanierte Kaimauer am Ballastkai: Auch das ist der Ostufer-Hafen. Die Aufzählung könnte fortgesetzt werden. Flensburgs Küstenstreifen zwischen Hafen- und Harniskaispitze ist in Nutzung, Zustand und Perspektive äußerst heterogen. Deshalb will die Stadt ihn jetzt von Grund auf durchleuchten, untersuchen und überplanen.

Dieser neue Grundsatzbeschluss bedeutet jedoch keinesfalls, das alle bisher angedachten Planungen damit hinfällig sind. Für das „Bellevue“ sind die Weichen gestellt (wir berichteten), und für die Silos am Ballastkai wird es sicherlich – wenn auch erst in einigen Jahren – eine vollständig neue Nutzung geben. Nicht Planungschef Peter Schroeders, sondern Oberbürgermeister Simon Faber stellte das Projekt am Dienstag im Umwelt- und Planungsausschuss vor. Er sprach von einem „kleinen Paradigmenwechsel“ in der städtischen Hafenpolitik und einer „ganzheitlichen Betrachtung“. Mit den aktuellen Entwicklungen – Aufgabe der Silo-Nutzung, Heimfall der Harniskaispitze, Ende einiger langfristiger Erbpachtverträge – habe die Stadt „eine Chance, die sich so schnell nicht wieder ergibt“. Für die Grundsatzdiskussion solle man sich Zeit nehmen und sowohl den noch nicht aktiven Masterplan Hafen als auch andere Beschlüsse einbeziehen.

Wenn die Ratsversammlung den Beschluss des Planungsausschusses am 26. März bestätigt, werden sogenannte „vorbereitende Untersuchungen“ nach Paragraf 141 Baugesetzbuch eingeleitet. Diese sind erforderlich, um festzustellen, ob man den gesamten Bereich oder Teile davon als Sanierungsgebiet festlegt. Dann würden hier besondere Bestimmungen gelten und man könnte Gelder aus der Städtebauförderung in Anspruch nehmen. Entsprechend ist die Gesellschaft für Stadterneuerung federführend. Deren Geschäftsführer Helmut Pagel hat bereits ein erstes Treffen mit den Akteuren der „Luftschlossfabrik“ hinter sich. Um deren Zukunft entspann sich im Planungsausschuss eine fast schon emotionale Diskussion. Vehement widersprachen Vertreter der Grünen und der Linken dem Passus, der eine Räumung des Geländes an der äußersten Harniskaispitze vorsieht. „Es gibt keine Notwendigkeit der Räumung“, betonte Ratsherr Stefan Thomsen. Diese Forderung sei „kleinbürgerlich und kleinkariert“. Die Präsenz vor Ort sei Teil der Existenz der „Luftschlossfabrik“, so Frank Hamann (Linke). Die Aktivitäten dort seien „eine Bereicherung für das soziokulturelle Leben der Stadt“, insistierte Pelle Hansen (Grüne).

„Wir haben uns mit der Option der Legalisierung befasst“, erklärte OB Faber, „sie ist leider nicht zielführend“. So sei das Wohnen derzeit nicht erlaubt, ergänzte Justiziar Lars Jessen. Derzeit wohnen einige Menschen in mobilen Behausungen auf dem Gelände. Helmut Pagel erklärte, dass es schwierig sei, Verträge mit den Akteuren zu machen, weil es „eine sehe heterogene Gruppe“ sei. Am Ende gab es eine deutliche Mehrheit für den von Faber vorgeschlagenen Weg, während Grüne und Linke mit Nein stimmten.

Ob mit dem Grundsatzbeschluss auch Veränderungen für die Hafenspitze kommen, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Das Projekt Ballastkai – möglicher Abriss der Silos, möglicher Neubau für Wohnen, Gewerbe, Kultur, Gastronomie – ist auf dem Weg. Die hierfür vorgesehene „Gläserne Akte“ soll für das gesamte Projekt Hafen-Ostufer angelegt werden, sodass der Bürger sich laufend auf den neuesten Stand bringen lassen kann.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 16:00 Uhr

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