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Kunstförderung : Von der Grog-Runde zum Angelner Kunstverein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bürger aus Angeln wollten die Kunst in ihrer Region fördern und verhalfen dem Heimatmaler Theo Jensen-Husby zum Durchbruch

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2014 | 14:21 Uhr

Heinz Jensen aus Hodderup treibt ein leidenschaftliches Interesse an: Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische Werk seines Großonkels, des Malers Theo Jensen-Husby (1888 bis 1970), zu erforschen, zu sichten und zu katalogisieren. Allein im Familienbesitz befinden sich an die hundert Bilder. „Durch die Idee, das Lebenswerk meines Großonkels zu erfassen, bin ich auf viele interessante und spannende Geschichten gestoßen“, erzählt Jensen. Ein Artikel im Tageblatt vor zwei Jahren habe Spuren zu weiteren Bildern von Theo Jensen-Husby und den Besitzern aufgezeigt.

Im Rahmen dieser Recherche meldete sich der inzwischen verstorbene Landwirt Lorenz Hansen aus Lutzhöft bei Heinz Jensen und überreichte ihm die schriftlich festgehaltenen Lebenserinnerungen seines Großvaters, der ebenfalls Lorenz Hansen hieß und Bauer in Lutzhöft war.

Diese Aufzeichnungen berichten von einem zu Beginn der 1920-er Jahre gegründeten Stammtisch in der Gaststätte Husbyries, dem auch der Maler Jensen-Husby angehörte, zu dem 1922 parallel auch der Angler Kunstverein entstand. „Wir wussten von Stammtisch und Kunstverein, aber jetzt haben wir spannende zusätzliche Informationen erhalten“, freut sich das Ehepaar Heinz und Anne Jensen. Die Mitglieder des Stammtisches kamen aus Lutzhöft, Markerup, Ausacker, Husby und Hodderup.
Treibende Kraft war der aus Kiel kommende Husbyer Arzt Dr. Hans Wree mit Angler Wurzeln. In den persönlichen Erinnerungen Hansens heißt es: „Wir trafen uns alle vierzehn Tage in Husbyries abends, es wurden anregende Gespräche geführt über alle möglichen Themen und einige oder mehrere Grogs getrunken, zumeist gingen wir gegen Mitternacht solide nach Hause. Bemerken möchte ich noch, dass wir ab und zu zum Schluss einen Eierpfannkuchen aßen, wozu wir die Eier von zu Hause mitbrachten, nicht immer zur Freude unserer Frauen. Dieselben nahmen auch hin und wieder an unseren Abenden teil“. Hansen schreibt auch: „Kunstmaler Jensen fertigte von uns Skizzen an“.
So kommt es, dass heute im stattlichen Anwesen der Jensens in Hodderup, dem einstigen Hof des Großvaters von Anne Jensen, seit 400 Jahren im Familienbesitz, eine sprechende Bleistiftzeichnung eben dieses Großvaters Wilhelm Juhl hängt, der wie alle „Honoratioren des Kirchspiels“ dem Angler Kunstverein angehörte. Gezeichnet von Heinz Jensens Großonkel Theo Jensen-Husby.
Wie lange der Kunstverein bestand, ist nicht sicher. Der Stammtisch existierte bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. „Er war Grundstein für viele Aktionen. Die haben sich unheimlich gut verstandenen. Und sie haben den Künstler Theo Jensen-Husby bewusst gefördert, vor allem in der schweren Zeit nach dem 1. Weltkrieg“, berichten Jensens. So gab es ein großes Fest mit einstudiertem Singspiel und Tombola mit angekauften Jensen-Husby-Bildern. Man erwarb Werke des Malers, beauftragte Wandmalereien in Privathäusern. Noch heute lassen sich etwa im Hodderuper Haus der Familie Jensen die mit jahreszeitlichen Motiven bemalten Türen bewundern. „Mein Großvater wusste zu erzählen, facettenreich und mit viel Humor, wir Enkelkinder genossen es, zuzuhören. Er hatte sehr viel Sinn für Schönheit“, erinnert sich Anne Jensen. Belegt ist: Großvater Wilhelm Juhl ließ seinen Freund und Maler bis heute erhaltene Skizzen anfertigen, nach denen der Autodidakt und leidenschaftliche Schnitzer vom Tischler gearbeitete Eichentruhen, den Leinenschrank, Stühle, als Meisterstück die mächtige Standuhr für das Inventar seines damals neu erbauten Hauses verzierte. In hohen Ehren hält die Familie dies doppelte Erbe von Großvaters Schnitzer-Kunstwerken nach Großonkels Entwürfen.

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