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Ärger mit der Telekom : Von der Außenwelt abgeschnitten

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Sturmtief „Christian“ legte im Oktober Anna Angelovs Telefon-Anschluss lahm. Trotz zahlreicher Nachfragen brauchte die Telekom über ein Vierteljahr bis zur Reparatur. Seit Montag kann die 89-Jährige nun endlich wieder telefonieren.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Seit „Christian“, jenem Orkan, der am 28. Oktober vergangenen Jahres wütete, war die 89-jährige Anna Angelov von der Außenwelt abgeschnitten. Ihr Telefon war tot, denn in der Allee, die zum Haus führt, hatten fallende Äste die Leitungen beschädigt. Die gebürtige Pfälzerin, die sich 1970 mit ihrem Mann, einem vor 17 Jahren verstorbenen Bildhauer, auf einem abseits gelegenen, ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb in Kronsgaard niederließ, konnte nicht telefonieren, der Kontakt zu anderen Menschen verstummte regelrecht.

Erst seit Montagnachmittag, nach fast dreieinhalb Monaten, kann Anna Angelov wieder telefonieren. Dass die Behebung des Schadens derart lange dauerte, kann sie nicht verstehen. Auch ihr ehemaliger Nachbar, der 75-jährige Wilhelm Möller, der täglich bei ihr reinschaut und einmal in der Woche für sie einkauft, und Kronsgaards Bürgermeister Hans-Walter Jens haben kein Verständnis dafür, dass die Telekom erst nach mehreren Monaten die Reparatur vornahm. Mehrfach haben sie mit dem Unternehmen telefoniert, Druck gemacht, doch eine lange Zeit ohne den gewünschten Erfolg. Die Aussage, dass man sich „die Sache anschaue“, habe ihn auf die Palme gebracht, sagt der Bürgermeister. „Ich dachte nur: Nicht schauen, sondern handeln. Das ganze Hin und Her hat mich gallig gemacht.“

Wilhelm Möller sagt, er habe noch am Abend des Orkans bei der Störungsstelle angerufen und den Schaden gemeldet. Ihm sei zugesagt worden, dass dieser schnellstmöglich behoben werde. Doch es geschah nichts. Also habe er immer wieder angerufen. In den zurückliegenden Wochen seien, wie er sagt, drei Telekom-Mitarbeiter vor Ort gewesen. Zu hören bekam er stets, dass ihnen das alles leid tue. Doch alle sagten, sie könnten nichts tun, das müssten andere machen. Jede Woche habe er ein Mal bei der Telekom angerufen und sich beschwert. „Da wurde ich auch schon mal laut.“ Schließlich schaltete sich der Bürgermeister ein: „Von da an riefen wir umschichtig an.“ Der Schaden werde behoben, lautete immer wieder die Antwort. Eines Tages dann, ganz am Anfang, ist laut Möller etwas gemacht worden, das Telefon funktionierte – aber nur zwei Stunden lang, dann war es wieder tot. Dessen ungeachtet wurden vom Konto von Anna Angelov jeden Monat 22 Euro Telefon-Grundgebühr abgerufen. Die Bitte Möllers, die Telekom möge ihr zumindest ein Handy zur Verfügung stellen, war vergebens. Zum Glück bekam Anna Angelov eines von einer Freundin. Zu der ganzen Misere kam noch hinzu, dass der Hausnotruf, mit dem im Falle des Falles schnell Hilfe gerufen werden kann, nicht funktionierte, da er mit dem Telefon verbunden ist. Der schriftlichen Aufforderung, sich telefonisch bei der Telekom zu melden, konnte die 89-Jährige auch nicht nachkommen: „Wie denn, ohne Telefon?“ Mittlerweile ist Wilhelm Möller zu ihrem „Telefonkontakt-Mann“ geworden. Bürgermeister Hans-Walter Jens weist darauf hin, dass Bürger einen Anspruch darauf haben, telefonieren zu können und telefonisch erreichbar zu sein.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Telekom-Technik in Kiel erklärte ein Mitarbeiter am Montag, dass sich noch am selben Tag um den Fall von Anna Angelov gekümmert werde. Und er sagte auch, dass eine solche Verzögerung „nicht akzeptabel“ sei, er sich entschuldige. Die Situation sei die folgende: Besagter Anschluss wird über eine oberirdische Leitung versorgt. Diese wurde bei Orkan „Christian“ durch einen umgestürzten Baum zerrissen. Bedingt durch die sehr starken Verwüstungen, die der Orkan im nördlichen Schleswig-Holstein verursacht habe, verzögere sich die Entstörung. Aufgrund des Anrufes aus Kronsgaard gleich nach dem Schaden sei die Störung vorrangig bearbeitet worden, doch habe sich die Reparatur im Nachhinein als nicht ausreichend beziehungsweise nicht dauerhaft herausgestellt. Vorgestern, als Techniker wieder vor Ort waren, zeigte sich, dass die oberirdische Leitung nicht nur zerrissen, sondern auf der gesamten Länge durch den umstürzenden Baum arg gedehnt worden war, so dass es mehrere Schadstellen gab, die zu Wackelkontakten führten.

Am Montag wurde die Leitung nochmals eingehend geprüft und schließlich repariert. Gegen 17 Uhr meldete sich Anna Angelov bei Bürgermeister Hans-Walter Jens und Wilhelm Möller – per Telefon, überglücklich und mit den Worten: „Ich kann wieder telefonieren.“

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