Von den Tücken des Alterns

Der Überfall wird geprobt: Dinah Hinz,  Diana Körner und  Uta Stammer (von rechts nach links) strapazieren die Lachmuskeln der Zuschauer.
Der Überfall wird geprobt: Dinah Hinz, Diana Körner und Uta Stammer (von rechts nach links) strapazieren die Lachmuskeln der Zuschauer.

„Jetzt oder nie – Zeit ist Geld“: Gut besuchtes Bürgerhaus bei tiefgründiger Komödie um ein betagtes Damen-Trio

shz.de von
28. Oktober 2013, 15:58 Uhr

Viel Publikum hatte sich am Sonnabend in Harrislee eingefunden, um den ungewöhnlichen und aberwitzigen Banküberfall der drei um die 80-jährigen Freundinnen Carla (Dinah Hinz), Lilli (Diana Körner) und Meta (Uta Stammer) auf der Bühne zu erleben. Mit dem Stück „Jetzt oder nie – Zeit ist Geld“ in der Theaterfassung und Regie von Michael Bogdanov nach den Motiven des Drehbuchs von Lars Büchel und Ruth Toma waren die Hamburger Kammerspiele im Bürgerhaus zu Gast.

In schneller Folge kurzer, turbulenter, teils makaberer Sequenzen, untermalt mit eingeblendeten Fotos und Filmen, erlebten die Zuschauer bekannte und hervorragende Schauspieler: Martin Pawlowsky, Burkhard Heim, Johann Christof Wehrs, Frank Richartz, Elena Meißner.

Im Gegensatz zur dem Jugend- und Schönheitswahn verfallenen heutigen Welt konfrontiert diese Handlung mit vielen bitter unbequemen Facetten des Alterns. Witzige Bilder reizen wohl zwischendurch zum Lachen: Kreativ schmuggelt das betagte Damen-Trio geklaute Schnapsflaschen und Zigaretten ins Alterheim, um sie zugunsten der Kreuzfahrtkasse zu verhökern.

Herrlich ist das unprofessionelle Proben des Überfalls. Oder wenn im wichtigsten Moment das Gebiss unauffindbar ist und man „lof muff“. Dann greift kurzfristig aufatmende Komödienstimmung um sich. Doch das Lachen bleibt im Halse stecken. Das Wechselbad der miterlebten Emotionen taucht den Abend in eine merkbar gebrochene Fröhlichkeit. Zu sehr ist die Beschränktheit des Alters allgegenwärtig. Zu traurig stimmen die entwürdigenden Szenen im Altersheim, wo unbarmherzig die „Schwester“ (Herbert Schöberl) regiert. In diesem Schatten erscheint auch das vordergründig Lustige deplatziert. „Geld allein genügt nicht, man muss auch Zeit haben, es auszugeben“, sagt Clara. In der abgespeckten Version des Kohlenschleppers wird der Traum der Reise wahr. Doch nicht mehr für sie.


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