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Flensburger Tageblatt

22. August 2017 | 21:07 Uhr

Auf Der Flucht : Von Damaskus nach Medelby

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Schifffahrtsmuseum wird eine Ausstellung zum Thema „Bootsflüchtlinge“ gezeigt. 31 Tafeln stellen die gefährlichen Wege der Geflohenen dar.

Flensburg | Was müssen das für massive Ängste sein? Die Sorge um das eigene Leben und das von Angehörigen bringt in diesem Jahr besonders viele Menschen aus dem Mittelmeerraum und anderen Ländern dazu, ihre Heimat zu verlassen und ihre dortige Existenz aufzugeben. Nur um auf der Flucht übers Meer auf überfüllten „Seelenverkäufern“ weitere wahre Todesängste auszustehen – Schicksal ungewiss, viel zu häufig mit fatalem Ausgang. Insgesamt hochdramatische Situationen, die meist weit über die Vorstellungskraft saturierter Bürger eines Wirtschaftswohlstandslandes hinausgehen. Und doch sind sie längst mörderischer „Alltag“ am Rande Europas.

Engagierte Asyl-Aktivisten und Amnesty International haben zum Thema Bootsflüchtlinge eine gut recherchierte Wanderausstellung gestaltet, die jetzt im Flensburger Schifffahrtsmuseum eröffnet wurde. 31 Tafeln stellen in Bild und Text dar, warum und auf welchen Wegen Flüchtlinge sich zur afrikanischen Nordküste aufmachen, um von dort in überfüllten und oft seeuntauglichen Booten nach Europa überzusetzen. Aufgezeigt werden die Gefahren und Hindernisse dieser Tragödien, auch die europäische Abwehrhaltung, beispielsweise in Form der „Frontex“-Mission – und Menschenrechtsverletzungen als mögliche Folge der europäischen Asylpolitik werden ebenfalls angesprochen.

„Wir haben uns gefragt, was wir angesichts der Flüchtlingsproblematik tun können. Seefahrt ist schließlich unser Thema. Und mit dieser Ausstellung erfüllen wir unsere Aufgabe zur Information“, sagte Thomas Overdick, Leiter des Museums. Vor etwa 50 interessierten Besuchern eröffnete Inge Krämer, stellvertretende Stadtpräsidentin, Einblicke in die Aufnahmesituation an der Förde. Passend zum „Tag der Menschenrechte“ erläuterte auch Jan Petermann die vielen Aktivitäten des Vereins Flüchtlingshilfe mit Begegnungscafé, Deutschkursen und Betreuung von Flüchtlingskindern mit Behinderung. „Wir helfen allen, die bei uns angekommen sind“, betonte er. Ergänzt wird die Ausstellung „Bootsflüchtlinge“ durch Bilder von Firas Al-Jazzar, der selbst übers Mittelmeer fliehen musste. In einem kurzen Interview erzählte der frühere Hoteldirektor aus Damaskus, dass er zwischen die Fronten des Assad-Regimes und der Rebellen geraten sei und nur durch Flucht überleben konnte. Heute lebt er mit anderen Flüchtlingen in der Nähe von Medelby, betreut von Jens Hansen. Seine Familie, die er in seinem Land versteckt hat, hat er acht Monate lang nicht gesehen. Das Trauma seiner lebensgefährlichen Flucht hat er mit Malen aufgearbeitet, seinem Hobby auch schon zu Hause. Jetzt malt er Motive aus Damaskus, dem zerstörten Palmyra – und ein herzliches Dankeschön an Deutschland.

Die Ausstellung „Bootsflüchtlinge“ ist bis zum 3. Januar 2016 im Schifffahrtsmuseum zu sehen.

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erstellt am 13.Dez.2015 | 19:02 Uhr

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