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Kultur im Doppelpack : Von Axel zu Albert und wieder zurück

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kontrastprogramm im Deutschen Haus und in der Flens-Arena: TV-Star Prahl trat gegen Song-Legende Hammond an

Wenn Albert Hammond über den Holm geht, muss er lange warten, bis er erkannt wird. Axel Prahl hingegen würde gewiss nach kürzester Zeit angesprochen werden: „Hallo Herr Thiel, wie geht’s Prof. Börne?“ Ganz anders sieht die Sache im Radio aus. Läuft ein Song von Prahl, wäre eine wahrscheinliche Reaktion: „Wer singt da denn?“ Wird aber „It never rains in Southern California“ oder „Free Electric Band“ gespielt, dürfte der Anteil jener Hörer, die diese Songs nicht kennen, verschwindend gering sein. Nun traten beide Sänger am selben Abend in Flensburg auf, nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt – so nah, dass man es schaffen konnte, beide Konzerte zu hören.

Mit einem kraftvollen „Moinsen Flensburg!“ begrüßt der 54-jährige Prahl die rund 500 Zuhörer in der geschickt verkleinerten Flens-Arena. Mutig wagt er sich ganz allein, nur mit Gitarre, an einen Klassiker: Gershwins „Summertime“ klingt bei ihm natürlich männlich-herb, aber authentisch. Dann ruft er sein „Insel-Orchester“ auf die Bühne, eine neunköpfige Band mit drei Streichern, zwei Keyboardern, einem Bläser, dazu Gitarre, Bass, Drums.

Im Deutschen Haus stehen ab 20 Uhr genau halb so viele Musiker auf der Bühne. Albert Hammond, mittlerweile 70, ist nach 30-jähriger Bühnen-Abstinenz wieder live unterwegs. Später im Konzert erklärt er, warum er sich 1980 schlagartig zurückgezogen hat: Er wollte sich um seinen Sohn kümmern, nachdem er zuvor die beiden Töchter sträflich vernachlässigt hatte, weil er immer nur auf Tour war. Fortan schrieb Hammond Songs für berühmte Kollegen, die er jetzt selbst singt: „One Moment in Time“ nicht ganz so hoch wie Whitney Houston, „The Air that I breathe“ nicht ganz so schmalzig wie die Hollies, „When i need you“ nicht ganz so beseelt wie Leo Sayer. Mit großem Vergnügen erzählte der Amerikaner, der in Spanien aufwuchs, wie er Julio Iglesias seine Nummer „For all the Girls I loved before“ andiente und das berühmte Duo mit Willie Nelson einfädelte.

Axel Prahl hingegen macht es umgekehrt, singt Songs anderer Autoren und überrascht mit einer knackigen Version des Beatles-Klassikers „With a little Help from my Friends“. Wie die Musik zu einem alten Agentenfilm klingt seine Fassung des Schmachtfetzens „Du bist nicht allein“ von Roy Black. Sehr emotional, sehr überzeugend: Prahl singt Reiser, „Übers Meer“. Und betreibt musikalische Denkmalpflege: Niemand im Publikum kannte offenbar Gerhard Gundermann, den singenden Baggerfahrer aus dem Kombinat Schwarze Pumpe, den Rio Reiser des Ostens. Dessen Song „Vater“ atmete trotz des Westarrangements viel DDR-Flair.

Prahl, den einige noch aus Musicals wie „Linie 1“ und „Rocky Horror Show“ aus dem Landestheater kannten, beherrscht ganz locker die Rolle des derben Entertainers, frotzelt mit Bandleader Danny Dziuk und lässt den auch mal zwei durchaus hörbare eigene Songs singen, tauscht mit ihm die neuesten Salafisten-Witze aus, weil FDP-Witze nicht mehr funktionieren, lässt es ploppen und genießt den Abend.

Bei Albert Hammond sind mittlerweile alle dem Rausch der Nostalgie erlegen. „Mit dieser Musik sind wir groß geworden!“, schwärmt Ronald Verc, 50, aus Weding. Es wird getanzt und mitgesungen, brennende Feuerzeuge leuchten. Am Ende steht der ganze Saal, mit jedem bekannten Song – die besten zum Schluss – wächst der Jubel. Kein Zweifel: Seine Songs gehören in eine Liga mit denen eines Neil Diamond, der in Las Vegas vor Tausenden auftritt. Albert Hammond muss mit 400 in Flensburg vorliebnehmen.

Wer sich für Axel Prahl entschieden hat, musste sich nicht grämen: Der Sänger mit der kraftvollen Stimme wurde von spannungsgeladenen Arrangements des hochkarätig besetzten Orchesters durch zwei sehr unterhaltsame Stunden getragen.

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erstellt am 13.Sep.2014 | 10:07 Uhr

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