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Flensburger Tageblatt

20. August 2017 | 02:56 Uhr

50 Jahre : Vom Nordermarkt zum Holländerhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was 1964 mit zwölf Beschäftigten begann, ist heute ein hochprofessionelles Unternehmen – und immer noch beschützende Wohn- und Werkstatt.

Am 4. September 1964 wird die erste beschützende Werkstatt Schleswig-Holsteins am Nordermarkt gegründet – der spätere Holländerhof. Noch im gleichen Jahr zieht sie auf das Gelände der Hofanlage nach Adelbylund um, die dem Haus den Namen gibt. Die zwölf Beschäftigten sollen schon im ersten Jahr nicht nur zum Arbeiten auf den Hof kommen, sondern auch gefördert werden. Geistig Behinderte können Lesen und Schreiben lernen oder schon vorhandene Vorkenntnisse ausbauen, Sprachbehinderte erhalten Sprachheilunterricht - 1964 sind dies neue Wege. Nach den Sommerferien feiert die Einrichtung ihr 50-jähriges Bestehen – Grund für das Tageblatt, das Haus aus mehreren Perspektiven vorzustellen.

Mit dieser falschen Vorstellung räumt Hans-Nico Nissen gleich zu Beginn auf: In der Geschichte des Holländerhofs spielt kein einziger Niederländer eine wichtige Rolle. Vielmehr war es der Hof einer Familie Holländer gewesen, ein Angeliter Dreiseit-Gehöft, auf dem die Werkstätten seinerzeit noch außerhalb der Flensburger Stadtgrenze arbeiteten. Im Foyer des heutigen Haupthauses zeigt Werkstattleiter Nissen gerne das dort abgebildete historische Gehöft, das in den 80er Jahren zu klein geworden war für ein großes modernes Unternehmen und dem Abrissbagger zum Opfer fiel. Dafür hat ein anderes historisches Gebäude auf dem weitläufigen Gelände am Ende der Adelbyer Straße überlebt: Nissen erzählt, dass das Haus Adelby früher ein Ausflugslokal der Flensburger gewesen sei – das Pendant der Marienhölzung auf der Westseite.

Heute ist der Holländerhof nicht nur große Wohn- und Werkstatt, sondern auch einer der bedeutenden Arbeitgeber dieser Stadt. Jeweils fast 100 Beschäftigte sind in den Werkstätten sowie in den Wohnstätten betreuend tätig. In den neun Arbeitsbereichen der Werkstatt arbeiten insgesamt 365 Menschen mit Behinderung, einige wenige davon bereits seit Ende der 60er Jahre. Die Wohnstätte bietet 142 Menschen mit Behinderung ein Zuhause. Neben der vollstätionären Wohnstätte gibt es weitere rund 25 Menschen, die in unterschiedlicher Stundenzahl pro Woche ambulant unterstützt werden. „Es gibt auch Menschen, die ganz selbstständig ohne jede Betreuung wohnen und dann hierher zum Arbeiten kommen“, sagt Holländerhof-Chefin Maria Rönnau. Sie ist besonders stolz auf die neue Tagesförderstätte, in der der Holländerhof 20 Menschen mit einer schwerer Behinderung betreut. „Der respektvolle Umgang ist hier sehr stark spürbar“, sagt Rönnau und berichtet, dass längst nicht mehr jeder Bewohner mit Behinderung hier geduzt werde. „Menschen mit einer geistigen Behinderung erleben ganz selten, dass sie wie erwachsene Menschen behandelt werden“, sagt Rönnau.

Wie professionell hier im Holländerhof gearbeitet wird, lässt sich am schnellsten in den Werkstätten erkennen – ob in der digitalen Archivierung, in der Wäscherei, der Metallbearbeitung oder auch in der Elektromontage, wo geistig Behinderte selbstständig Einzelteile montieren oder ganze Schaltschränke zusammenschrauben. Zu den Verkaufsschlagern des Holländerhofs im Jubiläumsjahr zählt der sogenannte Ergo-Tisch, ein stufenlos höhenverstellbarer Tisch, an dem man sitzend wie stehend arbeiten kann.

 

 

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