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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 09:00 Uhr

150 Jahre : Vom Kriegslazarett zum Krankenhaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Malteser St.-Franziskus-Hospital entstand in den Wirren des deutsch-dänischen Krieges – es war eigentlich gar nicht geplant.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Es war am 11. Februar 1864, als König Wilhelm I. von Preußen die Aachener Ordensmutter Franziska Schervier um Hilfe für die verwundeten Soldaten des seit einer Woche wütenden Krieges bat. Die Preußen schätzten die Kriegszeit auf wenige Monate, als die Franziskanerinnen in die Lazarette von Rendsburg bis Flensburg geschickt wurden. Wilhelm I. persönlich soll die Malteser beauftragt haben, die Verwundetenversorgung im hohen Norden zu organisieren. Obwohl die Ordensmutter anfangs skeptisch gewesen sein soll, machten sich elf Schwestern des Franziskanerordens in jenen Februartagen des Jahres 1864 auf den Weg, von drei Malteser Rittern begleitet – einem Ritterorden, der übrigens seit dem ersten Kreuzzug im 11. Jahrhundert besteht. Königin Augusta soll Franziska Schervier schließlich vom Sinn der Mission überzeugt haben.

Sie arbeiteten sich von Rendsburg, wo sie am 17. Februar eingetroffen waren, weiter Richtung Norden voran. Anfangs halfen sie in den Lazaretten auf Schloss Gottorf, Rendsburg, Oeversee, Glücksburg, Augustenburg und Flensburg. „Es war überhaupt nicht geplant, dass die Ordensschwestern über das Kriegsende hinaus bleiben“, erklärt Klaus Deitmaring, Geschäftsführer des Malteser-Krankenhauses, zu den Anfängen der katholischen Klinik in der protestantischen Diaspora. Am Montag, 17 Uhr, wird Deitmaring im St. Franziskus über die Gründerjahre berichten.

Den Chronisten zufolge wäre der Einsatz der Aachener Franziskanerinnen im Norden Schleswig-Holsteins nicht so erfolgreich gewesen, wenn nicht die Genossenschaft der Malteser-Ritter von Beginn an tatkräftig in den Lazaretten mitgeholfen hätte. Der fünf Jahre zuvor gegründeten „Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser-Devotions-Ritter“, kurz Malteser, bot dieser Krieg zum ersten Mal in einem großen Rahmen die Möglichkeit, sich in der Verwundetenhilfe zu engagieren. Die erste Brücke von den Malteser Rittern zu den Franziskanerinnen soll Reichsgraf Spee geschlagen haben. Er begleitete die kleine Reisegruppe auf ihrer 650 Kilometer langen Bahnfahrt der vierten Klasse nach Flensburg. In dem zum Lazarett umgewandelten Haus des Bürgervereins (heute Borgerforeningen) und im Ständehaus (heutige Baustelle Karstadt-Parkhaus) nahmen sie ab April die Krankenpflege in die Hand. Später im Herbst 1864 bezogen sie ein Haus an der Norderstraße – von wo aus sie die ambulante Pflege Kranker und Hilfsbedürftiger organisierten. Flensburg zählte noch keine 20 000 Einwohner – das Malteser-Krankenhaus war geboren.

„Ein Grund für die Akzeptanz der katholischen Krankenpflege im protestantischen Flensburg hat maßgeblich daran gelegen, dass mit den Franziskanerinnen erstmals professionelle Krankenpflege ins Land kam“, berichtet Deitmaring, der sich intensiv mit der Historie der Ritter und Ordensfrauen beschäftigt hat. Das erste Patientenbuch weist ganz am Anfang folgenden Eintrag auf: ’Alles zu höchsten Ehre Gottes und zum Heile der leidenden Schwestern und Brüdern‘. „In diesem Geist nahmen die Ordensschwestern und die ersten Malteser Ritter nach Beendigung des Krieges ihren selbstlosen Krankendienst 1864 in Flensburg auf und legten so das Fundament für das auch nach 150 Jahren weiterhin freigemeinnützige Malteser Krankenhaus St.-Franziskus-Hospital“, sagt Deitmaring. Bereits im Jahr nach dem Krieg stiftete ein dankbarer Flensburger Bürger rund 700 Taler, womit ein dreigeschossiges Backsteingebäude an der Marienstraße 25 erworben werden konnte – das erste echte Krankenhaus mit 24 Betten öffnete. Elf Jahre später stockte der erste Malteser-Kommissar Siegfried von Hobe-Gelting das Krankenhaus um zwei Etagen auf.

Das Haus Marienstraße steht bis heute. Das Malteser Krankenhaus St.-Franziskus-Hospital indes zog 1902 an die Dorotheenstraße – dorthin, wo sich der Klinikkomplex mit heute 750 Mitarbeitern bis zur Waldstraße erstreckt.

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