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Ostseeschule Flensburg : Vom Klassenraum auf die Planke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ostseeschule wartet auf Zulassung ihres Schiffes „Providentia“, das Schüler und Lehrer in zweijähriger Arbeit restauriert haben.

Das ganze Kollegium der Ostseeschule ist an Deck. Ausreichend Wind ist vorhanden. Nach zwei Jahren schweißtreibender Arbeit können nun endlich die Segel für einen Kurztrip gesetzt werden. Schüler, Lehrer und viele Unterstützer haben das Schiff „Providentia“ gemeinsam restauriert.

Das Projekt Providentia ist eine beispielhafte Gemeinschaftsidee von Kapitän Kees van den Bos und Schulleiter Ulrich Dehn. Seit 2012 arbeiten Lehrer und Schüler eng zusammen und profitieren voneinander. Neue junge Sichtweisen vermischen sich mit altbewährten Erfahrungen.

Ein Bekannter hatte Dehn einen Tipp gegeben, dass das Schiff einen neuen Besitzer sucht. Dehn verfügt über das pädagogische Fachwissen und van den Bos hat das seemännische Know-how. Da war die Idee geboren, ein Schiff für die Schule anzuschaffen.

„Unser Projekt soll mehr sein, als ab und zu eine Klassenfahrt. Die Schüler sollen das Schiff in Fahrt halten. Es soll zum Segeln genutzt werden, und wir wollen helfen, dafür zu sorgen, dass das Schiff seinen Unterhalt selbst verdient. Dabei hoffen wir auf zahlreiche Gäste“, sagt Dehn. Zurzeit finanzieren 30 Sponsoren noch das gesamte Projekt. Sieben weitere Mentoren sind Paten.

Bis jetzt hat die Restaurierung des Schulschiffs 60 000 Euro an Materialkosten verbraucht. Damit es fertig wird müssen allerdings noch mal 20 000 bis 30 000 Euro investiert werden.

Bis das Schiff sich selbst trägt, wird aber noch etwas Zeit verstreichen. Die Schüler kommen mit der Restaurierung gut voran. Der gesamte Rumpf wurde von innen nach außen saniert und das Holz des Schiffes gedrechselt und behandelt. Trotzdem gibt es unter Deck jede Menge zu tun: „Uns fehlt noch die Zulassung. Dafür müssen wir aber schon noch zehn bis zwölf Monate an Arbeit investieren“, erzählt Dehn.

Verantwortung wird bei der Ostseeschule groß geschrieben. Die Sieben- bis Neuntklässler konnten sich zwischen drei verschiedenen sogenannten Verantwortungsgruppen entscheiden, zu denen auch das Schiffsprojekt gehörte. Es gab aber auch das Schülercafé, bei dem die Jugendlichen Brötchen und Crêpes an ihre Mitschüler verkauften oder das Angebot des Unterrichtsassistenten. Dort helfen Schüler anderen Klassenkameraden beim Lernen.

„Ich hab mich für das Schiff entschieden“, sagt der 15-jährige Milo Baier. Er geht in die neunte Klasse und war von Anfang an dabei. „Ich freue mich am meisten auf das Segeln, aber cool finde ich auch, dass ich jetzt Tauwerk takeln kann.“ Tauwerk takeln ist das Zusammennähen der Seile an der Unterseite, damit sie sich nicht mehr auffädeln.

Die Schüler sollen Teamarbeit lernen, sich Wissen aneignen und selbstbewusst werden. Dabei bekommen sie Unterstützung von Lehrern, ehrenamtlichen Mitarbeitern und Fachkräften wie Bootsbauern, Segelmachern und Maschinisten. Sie helfen ihnen im Umgang mit Werkzeugen oder beim Bearbeiten von verschiedenen Holzarten. Jeden Vormittag arbeitet eine Schülergruppe drei Stunden am Schiff. Insgesamt sind es fünf verschiedene Gruppen, die sich abwechseln.

Kapitän van den Bos ist seit 30 Jahren auf See. „Ich bin es gewöhnt mit Jugendlichen zu arbeiten. Das war nicht neu. Besonders gut gefällt mir aber, dass ich ein ganzes Jahr mit den gleichen Kindern zu tun habe, da lernt man sie richtig kennen.“

Das Schiff ist 119 Jahre alt und wurde in Finkenwerder gebaut. Die Schüler führen das Werk von Matthias Betzold fort, der das Schiff 1993 gekauft und auf eigenem Kiel nach Hamburg überführt hat. Dort hat er große Teile restauriert.
Dehn lobt seine Schüler auch für ihren Einsatz: „Es ist erfreulich, wie toll die Jugendlichen durchgehalten haben. Ich bin beeindruckt, dass wir alles so gut geschafft haben.“

Für das Schuljahr 2015/2016 ist der erste große Törn geplant. Mit der Ausrüstung für Navigation, Kommunikation, Sicherheit und Brandschutz, die bald kommen soll, steht der Zulassung und der langen Reise nichts mehr im Weg.









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