Urlaubsregion Flensburg : Vom Fjord zur Förde und zurück

Wechselt von Flensburg Fjord Tourismus (FFT) zum Fördetourismus: Gorm Casper. Am Begriff Fjord will er nun doch festhalten.
Wechselt von Flensburg Fjord Tourismus (FFT) zum Fördetourismus: Gorm Casper. Am Begriff Fjord will er nun doch festhalten.

Im Januar nimmt die kommunale Tourismusagentur Flensburger Förde ihre Arbeit auf – und ist vor dem Start auf der Suche nach ihrem Markenkern.

shz.de von
29. Dezember 2014, 15:00 Uhr

Mit Beginn des neuen Jahres wird „Taff“, die lokale Tourismusorganisation von Flensburg, Glücksburg, Harrislee und dem Amt Landballig, ihre Arbeit aufnehmen. Mit dem künftigen Geschäftsführer der Taff (Tourismusagentur Flensburger Förde), Gorm Casper, sprach unser Redaktionsmitglied Juliane Kahlke.

Belasten die Überlegungen Flensburgs, die gemeinsame Wirtschaftsförderung Wireg von Stadt und Kreis zu verlassen, den Start von Taff?

Nein, überhaupt nicht.

Tatsächlich nicht? Die Kommunen warnen vor Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Flensburg, auch beim Tourismus.

Das Problem sehe ich wirklich nicht.

Sind Sie bei den Vorbereitungen der Taff im Zeitplan?

Ja, es ist alles im Zeitplan. Das Team ackert, die Schulungen laufen. Das läuft ja alles parallel zum Tagesgeschäft der FFT (Flensburg Fjord Tourismus).

Wofür schulen sie Ihre Mitarbeiter?

Künftig werden wir gemein- und marktwirtschaftlich abrechnen. FFT hat bisher mit öffentlichen Mitteln gearbeitet. Taff wird als LTO* Dienstleistungen des öffentlichen Interesses, wie die Tourist-Informationen, anbieten, aber mit dem Verkauf von Souvenirs oder Reisen marktwirtschaftlich arbeiten. Dafür müssen wir Umsatzsteuer abführen. Ich habe eine Buchhaltungs- und Controllingkraft eingestellt, die die Mitarbeiter schult.

Wie viele Mitarbeiter wird Taff haben?

In der Hauptsaison werden es 21 sein. Von ihnen arbeiten 17 in Flensburg, vier in der Tourist-Information Glücksburg. Alle, die im Tourismus arbeiten, müssen rotieren und die Standorte kennen.

Werden Langballig und Harrislee künftig personell betreut werden?

In Langballig bleibt weiterhin die Mitarbeiterin im Bürgerbüro zuständig, die von ihren Kolleginnen unterstützt wird. Harrislee wird wie gehabt von Flensburg aus betreut. In Wassersleben möchte ich voraussichtlich eine digitale Tourist-Info am Strand installieren. Wer will, könnte dort über uns elektronisch buchen.

Mit welchem Buchungssystem arbeiten Sie künftig?

Mit Feratel Deskline. Das System ist verbreitet, die FFT arbeitet bereits damit, und es hat Schnittstellen zu anderen Programmen.

Der bisherige Vermarkter in Glücksburg, GLC, will Unterkünfte vermitteln. Ist er ein Wettbewerber?

Die Zimmervermittlung von GLC ist eine Herausforderung, aber da gibt es mehrere Wettbewerber in der Region.

Stimmt es, dass Sie mit der Tourist-Info Glücksburg, die im Rathaus eingerichtet wird, wieder ins Schloss, an den bisherigen Standort, möchten?

Auf lange Sicht, ja, wenn GLC die Räume freigeben würde. Dort kommen die Touristen hin. Vor allem außerhalb der Saison die Bustouristen. Es ist natürlich richtig: Am Schinderdam sind wir barrierefrei.

Welche Ziele haben Sie Taff gesetzt?

Ich finde es wichtig, eine Marke zu schaffen, hinter der sich alle Beteiligten versammeln können und die alle gerne kommunizieren. So wird das Wort Ostsee darin vorkommen. Die Marke könnte heißen Flensburg Fjord Ostsee, so in der Art. Den Fjord behalten wir nun doch bei, dazu hat mir das Marketing geraten. Vorbehaltlich natürlich der Zustimmung des Aufsichtsrats. Wir haben bereits acht Jahre lang in die Marke investiert. Für den Fjord sprechen drei Gründe: Der Flensburg-Fjord verspricht Nähe zu Dänemark, die Küstenlandschaft Förde und eine Ostseelage außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns.

Wer ist das Marketing?

Das ist der Marketingbeirat von Taff, der den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung berät. In ihm sind alle tourismusnahen Branchen der Region vertreten, sogar der Tourismus Apenrade und das Grüne Binnenland.

Kommen wir zurück zu den Zielen. Ist die Markenentwicklung das erste?

Das erste ist: Im Januar soll Taff laufen. Das zweite: Die Saison läuft erfolgreich an. Doch wir brauchen die Marke. Die gehört zum Leitbild. Das müssen wir gemeinsam entwickeln und auch eine Strategie. Wir müssen unsere Zielgruppen kennen und wissen, wie wir sie ansprechen. Gerade für die Nebensaison ist Dänemark unser Markt. Dort ist Flensburg beliebt und bekannt. Für Flensburg bearbeiten wir den Städtetourismus, ansonsten bearbeiten wir primär den Bädertourismus.

Woher kennen Sie die Zielgruppen?

Unsere Strategie ist eng angelehnt an die Tourismusstrategie des Landes, eben aus allgemeinen Untersuchungen. Wir wollen künftig Mystery-Shopping betreiben, also Handel, Gastronomie und Hotellerie testen. Wir prüfen die Anbieter, denn der Service muss stimmen. Anhand der Erkenntnisse wollen wir Dienstleister schulen. Das beste Marketing ist die gute Geschichte, die zu Hause erzählt wird.

Was wollen Sie für Langballig und Harrislee tun?

In Langballig bringen wir uns weiterhin beim Landmarkt Unewatt ein und bewerben das Landschaftsmuseum Unewatt, überhaupt die Veranstaltungen am Ort. Natürlich auch den schönen Naturstrand und die Schifffahrt, damit man in Dänemark wieder aussteigen kann. In Harrislee wollen wir mit den Grenzhändlern beim Marketing kooperieren. Das Interreg-Va-Programm fördert touristische Projekte. Das Konferenz-Hotel, das Museum Kupfermühle sind von Bedeutung. Das Gebiet eignet sich zum Radfahren und Segeln.

Sie haben sich viel vorgenommen...

Es geht darum, dass ich in touristischen Themen Ansprechpartner für alle bin. Ich bin ja schon gefragt worden, ob ich nicht Kurdirektor der Region werden möchte.

Und, wollen Sie?

Na ja, Kurdirektor ist ein Begriff, der eher an eine Behörde erinnert. Das wollen wir gerade nicht sein. Ich will, dass Taff als Tourismusagentur als Dienstleister wahrgenommen wird. Wir sind Vermittler, Vermarkter, Veranstalter und Berater für touristische Belange in der ganzen Region.

Welches Budget haben Sie dafür jährlich zur Verfügung?

1,4 Millionen Euro inklusive 100.000 Euro von Flensburg für Städtetourismus.

Reichen die 1,4 Millionen Euro?

Damit kann ich erst einmal zufrieden sein. Wir haben sehr konservativ, sehr defensiv kalkuliert, den Rahmen an Erlösen und Kosten wie bei FFT vorgegeben. Aber ich bin erlösorientiert.

Was heißt das?

Wir müssen innovative Produkte mit gewissen Margen entwickeln.

An welche Gewinne denken Sie?

Zweistellig muss der Prozentsatz schon sein.

Was müssen die Vermieter künftig für die Vermittlung bezahlen?

Wir werden 12 Prozent Provision plus einen monatlichen Beitrag nehmen. Der liegt für die kleinen Vermieter mit bis zu acht Betten bei 4,90 im Monat.

Das ist teurer als bisher...

Der Hinweis im Unterkunftsverzeichnis wird inklusive Telefonnummer und Vermieter-Link sein. Die wurden bisher extra berechnet.

Und was wird aus dem Flensburg Fjord Tourismus?

Die Gesellschaft wird am 1. Januar 2015 aufgelöst, was bis Ende 2015 dauern wird, um alle Ansprüche abzugelten.
 


* Lokale Tourismusorganisation

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