Plattdeutsches Theater : „Vom Applaus kann ich gar nicht genug bekommen“

Urgestein der NDB: Bernhard Petersen mit seinem typischen Lächeln.
Urgestein der NDB: Bernhard Petersen mit seinem typischen Lächeln.

Bernhard Petersen (76) feiert sein 40-jähriges Jubiläum bei der Niederdeutschen Bühne. Er ist eines von den beliebten und bekannten Flensburger Gesichtern und wird schon mal auf der Straße angesprochen.

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28. Mai 2015, 14:30 Uhr

Flensburg | Bernhard Petersen ist eines von den beliebten und bekannten Flensburger Gesichtern und wird schon mal auf der Straße angesprochen. „Sind Sie nicht Herr Petersen von der NDB“? heißt es dann. Oder beim Pförtner des Stadttheaters wartet nach der Premiere ein Strauß Blumen. „Theater ist mein Lebenselixier“, bekennt der 76-Jährige mit seinem urtypischen, zurückhaltend verschmitzten Lächeln. Sein 40-jähriges Bühnenjubiläum bestreitet der Flensburger Volksschauspieler zurzeit in der Rolle des Tagelöhners Julle in Jens Exlers Schwank „Dat Dokterbook“, der von Horst Arenthold inszenierten letzten Produktion der Spielzeit bei der Niederdeutschen Bühne. 113 Rollen in 40 Jahren, teils sechs Rollen in einer Saison, hat Petersen mit seiner Leidenschaft für das Theater bewältigt. Sie haben ihn zu einem Zugpferd der hiesigen Bühne werden lassen.

„Bernhard Petersen bringt ein Talent ein, das geprägt ist von Originalität und glaubwürdiger, mitreißender Wirkung“, betont Bühnenleiter Rolf Petersen. Petersen werde gern mit Henry Vahl (Ohnsorg Theater) verglichen. Aber: „Wo Vahl sich auf vorgegebene Komik noch mal so richtig draufsetzt, wie es im Fachjargon heißt, verliert Petersen nicht eine Sekunde den komödiantischen Geschmack. Die Gier nach dem letztmöglichen Brüller ist ihm fremd“, lautet das große Lob. Vielleicht habe das etwas damit zu tun, dass Plattdeutsch die eigentliche Muttersprache des gebürtigen Kleinwiehers sei: Als Mittel zu dummem Gelächter sei ihm Plattdeutsch zu schade. „Theater spielen bereitet mir Freude, und ich merke, dass ich Freude weitergebe“, sagt Petersen. „Vom Applaus kann ich gar nicht genug bekommen“, grinst er verschmitzt: „Das ist der Lohn der Arbeit, da bin ich schon eine kleine Rampensau“.

Irmgard und Fritz Wempner, die damals ein Laienspielseminar des Kulturkreises Großenwiehe in Lindewitt hielten, entdeckten Petersens Talent, gaben ihm eine eigentlich Fritz Wempner zugedachte Rolle in „Max und Moritz“, in der er 1974 erstmals auf der Bühne des Stadttheaters stand. „Man kannte die NDB von den Überlandfahrten. Wempner, Hans Jensen, Mariechen Eichhorn, Renate Delfs, das waren Götter für mich. Zu denen habe ich hochgeguckt“, bekennt Petersen. Seitdem ist für ihn die NDB wie eine Familie geworden: „Da fühlt man sich zu Hause; die Proben machen Spaß, es wird viel gelacht“. Die NDB werde professionell geführt, habe wunderbare Berufsregisseure. „Es erfüllt mich schon ein bisschen mit Stolz, dass man bei dieser Bühne spielen darf“, meint Petersen, dessen zweite große Leidenschaft das Wandern ist. Neben der vielen Probenarbeit wandert er über 5000 Kilometer im Jahr, „fünf Tage in der Woche“, ist 21 Mal den Heerweg von Schleswig nach Viborg gewandert. Petersen ist Vorsitzender der Wanderfreunde Lindewitt, auch Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kleinwiehe.




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