zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 13:23 Uhr

Vollendete Tatsachen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 14:12 Uhr

Ein Bereich, von dem man sich wünschte, er würde stante pede in einem Schwarzen Loch verschwinden, ist der um das Restaurant Bellevue. Er möge bitte von einer Zeitspirale oder Paralleldimension aufgesaugt werden oder sich schlicht in Luft auflösen. Denn dort sieht es etwas anders aus, als der klingende Name verspricht. Schlimme Ansicht statt schöner Aussicht. Zugeklebte Fenster, eingeworfene Scheiben in bester Lage, eine Wasserterrasse, die zusehends vor sich hingammelt. Touristen wenden sich in Grausen.

Dabei hätte alles anders werden können. Zunächst scheitern die Verhandlungen des wohlmeinenden Investors mit der Stadt. Obwohl reichlich Knüppel zwischen den Beinen, hofft dieser, noch zum 1. Juli den Betrieb eröffnen zu können. Doch Insider sprechen inzwischen aus, was viele denken: Das wird nichts! Die Immobilie ist in einem derart maroden Zustand, dass deren Herrichtung wohl den Rest der Saison in Anspruch nehmen würde.

Doch halt, gab es da nicht jemanden, der in die Bresche springen wollte? Jawohl! Die Betreiber des Beach Clubs boten an, die Terrasse kurzfristig zu bewirtschaften, um das Terrain in ein insgesamt besseres Licht zu rücken. Ehrenhaft, auch wenn wirtschaftliche Interessen nicht ganz auszuschließen sind. Doch der zukünftige Bettreiber soll dankend abgewunken haben. Und so blieb alles wie es ist.

Hätten sie es doch gehandhabt wie weiland Horst Bernsmann. Als die Stadt die eilig zusammengezimmerte Terrasse nicht genehmigen wollte, wandte der Gastronom sich schlitzohrig an das Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel – und war prompt erfolgreich. Den Zugang zur Wasserterrasse hätte die Stadt hoheitlich noch unterbinden können, doch schließlich regierte das Gewohnheitsrecht. Bernsmann hatte vollendete Tatsachen geschaffen. Bevor die Gäste springen mussten.

Das Blöde an kosmischen Staubsaugern vom Kaliber eines Paralleluniversums ist bekanntlich ihre Zielungenauigkeit. Es sollen schon mehrere große kosmische Objekte unauffindbar verloren gegangen sein, nur weil ein Paralleluniversum ein komplettes Planetensystem verschluckte, obwohl es doch nur an einer klitzekleinen lokalen Raum-Zeit-Abnormität in irgendeinem Verwaltungsschreibtisch interessiert war.

Sollten wir uns also am Montag nicht mehr sehen, weil uns der Planet abhanden gekommen ist, könnte es am Bellevue gelegen haben bzw. am Paralleluniversum. Vielleicht sollte man aus Gründen der kosmischen Sicherheit besser das Technische Betriebszentrum mit solchen Jobs betrauen, denn das TBZ hat die Fähigkeit bewiesen, derartige Aufträge mit chirurgischer Präzision auszuführen. Fragen Sie mal Uwe Appold. Der wird gerade vom TBZ aus der öffentlichen Wahrnehmung gestanzt. Gerade ist ihm ein sechs Meter hohes Denkmal mit Gasmotor abhanden gekommen, das am Klärwerk aufgestellt war. Erste Vermutungen, die Kunstschändung könne auf ein Paralleluniversum im Beutezug-Modus zurückzuführen sein, bestätigten sich nicht. Dann hätten ja auch das Klärwerk und Sonwik fehlen müssen. Die waren aber gestern noch da. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass das TBZ konsequent an der Beseitigung des künstlerischen Appold-Schaffens in dieser Stadt arbeitet. Zumindest scheinen weitere Wegnahmen in Vorbereitung, drei weiteren Objekten wurde bereits der Strom abgedreht. Wenn Appolds Werk überleben soll, muss man das TBZ verstärkt auf Out-of-Area-Missionen schicken. Irgendwo im All wird es doch eine Verwaltungsschublade mit einer Zeitabnormität geben. Andererseits. Wenn stattdessen dann das Paralleluniversum kommt. Irgendwie auch nicht gut, oder?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert