Volle Kirche und Szenenapplaus bei Filmpremiere in Toestrup

Die Kirche in Toestrup mit Baugerüst, davor: Regisseur Lars Jessen, Renate Delfs und Peter Heinrich Brix (v.l.)
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Die Kirche in Toestrup mit Baugerüst, davor: Regisseur Lars Jessen, Renate Delfs und Peter Heinrich Brix (v.l.)

Regisseur Lars Jessen und Hauptdarsteller Peter Heinrich Brix kamen am Sonnabend zur Premiere des ZDF-Films "Butter bei die Fische" in die Toestruper Kirche - genau dorthin, wo der Film im vergangenen Jahr gedreht wurde.

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06. Juli 2009, 11:37 Uhr

Toestrup | Mit diesem Andrang hatte keiner in Toestrup gerechnet: Schon 45 Minuten vor Einlass, eineinhalb Stunden vor Filmbeginn, zog sich eine lange Schlange aus Wartenden bis zur Friedhofspforte. Die Premiere des ZDF-Films "Butter bei die Fische" in dem kleinen Gotteshaus, zu der sich einige Stars angesagt hatten, lockte die Massen. Da die St.-Johannes-Kirche aber nur 180 Sitzplätze bietet, wurde eine zweite Leinwand im Gemeindehaus aufgestellt - um dem Andrang mit über 300 Gästen einigermaßen gerecht zu werden.

Was im Film noch Fiktion war, ist mittlerweile Realität geworden: Das Dach der Toestruper Kirche muss repariert werden. Deshalb freute sich Pastorin Sender, dass das ZDF der Premiere zustimmte und zudem erlaubte, Spenden für die noch ausstehenden 50 000 Euro für die Dachsanierung zu sammeln.

In der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche herrschte eine familiäre Stimmung, mitten im Publikum saßen der Hamburger Regisseur Lars Jessen ("Dorfpunks") und die Schauspieler Renate Delfs und Peter Heinrich Brix. Und obwohl es nicht ungewöhnlich ist, dass ein Fernsehfilm vor der Ausstrahlung einem Publikum gezeigt wird, war die Premiere in einer Kirche etwas Besonders. "Für uns Fernsehleute ist es interessant zu sehen, wie der Film ankommt", erzählte ZDF-Redakteur Daniel Blum, "Normalerweise bekommen wir am nächsten Tag die Quoten, hier aber erleben wir, ob die Lacher funktionieren." Als Redakteur ist Blum dafür verantwortlich, dass die Produktionskosten von eineinhalb Millionen Euro gut investiert sind. "Wir werden diesen Film zur Prime-Time als Fernseh-Film der Woche zeigen, ich hoffe auf drei bis fünf Millionen Zuschauer", sagte Blum.

In Jessens Film"Butter bei die Fische" spielt Lokalmatador Brix den Pastor Petersen, der zum einen versucht, drei Bauern Partnerinnen zu vermitteln, und zum anderen dringend Geld für die Sanierung seiner Kirche braucht. Die arbeitslose Petra (Ulrike Kriener) bringt schließlich aus dem Ruhrgebiet drei Freundinnen mit ins Dorf. Auch sie hofft auf die Vermittlungsprovision.

Mit humorvoller Überzeichnung präsentiert Jessen ein Angeliter Dorf mit allen Bestandteilen für eine "leichte Komödie", wie das ZDF mitteilt: mundfaule Landwirte, ein vorlautes Mädchen, dazu Trecker und Motorräder in Rapsfeldern. Drehbauchautor Georg Weber schrieb die Komödie Kriener und Brix auf den Leib, doch die eigentlichen Stars des Abends sind in den Nebenrollen zu finden. Bauer Heinrich wird von Bjarne Mädel gespielt, der überzeugend den Typen des weltentrückten Landwirtes verkörpert, der noch bei "Tante Borste" (Renate Delfs) wohnt. Der drohende Kirchenabriss gibt der Komödie zudem ein ernstes Fundament mit Aussage: Dorfkirchen sind seit Generationen Mittelpunkt des ländlichen Lebens - und deshalb äußerst notwendig.

Das Publikum lachte Tränen und kommentierte den Film mit Szenenapplaus und Zwischenrufen. Mit Ovationen wurden die Schauspieler und der Regisseur geehrt. In einer Talk-Runde sagte Jessen über seinen Hang zu norddeutschen Filmen: "Man sollte die Geschichten erzählen, die man kennt."

Carola Bergk aus Eckerförde fand die Figuren treffend charakterisiert. Aber in diesem Punkt gab es geteilte Meinungen: Andere fanden es nicht lustig, dass die Bauern etwas trottelig daher kommen. Aber vielleicht ist es gerade das, was Jessen meinte, als er sagte: "Das ist oft eine Frage der Selbstwahrnehmung." Im November wird der Film an einem Montag um 20.15 Uhr gesendet.

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