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Workshop : Visionen für einen Premium-Parkplatz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie könnte eine von Autos freigeräumte Fläche an der Schiffbrücke alternativ genutzt werden? Großes Interesse am Workshop im Rathaus

Die Resonanz war beachtlich. Wenn an einem schönen Freitagabend etwa 80 Bürger den Weg ins Rathaus finden, statt die letzten Sommertage zu genießen, ist das ein klares Indiz dafür, dass die Flensburger ein vitales Interesse an politischen Entscheidungsprozessen haben. An Beteiligung und Transparenz, Stichwort Partizipation. Und in diesem Punkt, das wurde schnell klar, fühlen die Flensburger sich arg vernachlässigt.

Im Rahmen eines öffentlichen Workshops wollte die Stadt herausfinden, welche Ideen die Einwohner für eine alternative Nutzung des Parkplatzes an der Schiffbrücke haben – und präsentierte dabei eigene Visionen als Diskussionsgrundlage. Da ging es um Nutzungen als begehbarer Bücherschrank, Konzertsaal, Flussbad (wie an der Spree), Drive-in-Kino, grünes Fitness-Studio, als Stadtpark für Vorlesewettbewerbe oder maritime Spielstationen, multifunktioneller Freiraum und vieles mehr.

Flensburgs Chefplaner Peter Schroeders versuchte, das „experimentelle Planungsprojekt“ mit einführenden Worten auf den richtigen Kurs zu bringen. Man möge „frei denken“, appellierte er, und die Veranstaltung nicht auf die Frage reduzieren, ob die Autos nun verschwinden sollten – oder eben nicht. Gleichwohl machte er klar, dass es ein Widerspruch in sich sei, eine 1a-Lage mit kleinteiliger, gestaffelter Bebauung mit Autos zuzustellen.

Genau diese Frage aber wollten besonders Anlieger nicht ausblenden. „Wir brauchen diese Plätze“, rief etwa die Inhaberin von „Fahnen Fischer“ in die Runde. „Wir wohnen und arbeiten hier seit 1985. Unsere Existenz steht auf dem Spiel.“ Den Workshop empfinde sie als eine Art Tarnung für irgendwann vollendete Tatsachen. „Und dann sind die Autos weg.“ Mit dieser Einschätzung befinde sie sich in bester Gesellschaft der Betreiber von „Piet Henningsen“ und „Hansens Brauerei“.

Ein Gast konfrontierte die Chefin der eingebundenen Stadtforschungsagentur Orange Edge, Stefanie Bremer, mit dem Vorwurf: „Sie wissen doch gar nicht, was da unten läuft.“ Die Parkplätze an der Schiffbrücke seien ständig mehr als ausgebucht, so dass viele Touristen und Kunden wieder umkehren müssten. Ein Nachbar ergänzte: „Attraktivität heißt auch, Autos abstellen zu können.“ Nur so könnten Geschäftsleute auch Umsätze generieren. Jemand befand, andere Parkplätze belasteten städtebaulich wesentlich mehr, und mehrfach wurde angesprochen, man möge sich lieber um die vernachlässigte Hafenspitze kümmern.

Eine Zuhörerin wurde konkret: „Können Sie definitiv eine Wohnbebauung auf der Fläche ausschließen“, war die Frage an Peter Schroeders. Als dieser antwortete, man könne hier doch keine „hochbauliche Aktivität entfalten“, gab es Gelächter im Publikum.

Claudia Takla Zehrfeld, Leiterin der Stadt- und Landschaftsplanung, betonte noch einmal, man wolle die Flensburger stärker einbinden, frühzeitig informieren, offen und fair diskutieren. Und schließlich zeigte sich der weit überwiegende Teil der Gäste aufgeschlossen, als Stefanie Bremer zum intensiven Dialog in vier Kleingruppen bat. Dort nahm das Team Anregungen, Wünsche, Zweifel und Kritik in Empfang. „Die Erkenntnisse werden von uns derzeit ausgewertet“, sagt Stefanie Bremer gestern auf Nachfrage. Sie habe den Eindruck gewonnen, dass lediglich ein Viertel der Workshop-Teilnehmer zu den Skeptikern zählte. „Der Rest steht dem Aktionswochenende, an dem der öffentliche Raum mit Lebenslust gefüllt werden soll, positiv gegenüber.“ Vom 19. bis 21. September nämlich werden 40 der 137 Parkplätze am Schiffbrückenkai gesperrt. Ob Franz-Dieter Weiß, Inhaber von Hansens Brauerei, sich das antun wird? „Eine Baustelle ist noch nicht fertig“, grollte er, „da wird schon die nächste aufgemacht.“

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erstellt am 08.Sep.2014 | 08:20 Uhr

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