zur Navigation springen

Forum Theater Flensburg : Virtuoses englisches Boulevard-Theater

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Die bessere Hälfte“ von Alan Ayckbourn wird noch vier Mal in der Theaterschule aufgeführt

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 10:31 Uhr

Es ist eine klassische englische Boulevard-Komödie, die sich das Forum-Theater da ausgesucht hat. „How the other half loves“, so der Originaltitel des 1969 von Alan Ayckbourn veröffentlichten Stücks, wird bis heute in England und den USA aufgeführt: Dass es fast 50 Jahre alt ist, merkt man vor allem am Fehlen der Smartphones. Dass es auch heute noch funktioniert, zeigten die sechs Akteure bei der Premiere am Sonnabend in der Theaterschule.

Es beginnt etwas schleppend, um sich dann zum Ende hin enorm zu steigern – ein probates dramaturgisches Rezept des Boulevards. Ayckbourn spielt in seinem Erfolgsstück, dessen deutscher Titel „Die bessere Hälfte“ etwas brav und fad anmutet, virtuos mit Raum und Zeit. Das Stück spielt ausschließlich in den beiden Wohnzimmern der Ehepaare Foster und Philips, die – farblich gekennzeichnet – beide auf der Bühne zu finden sind. Um es dem Zuschauer leichter zu machen, agieren die jeweiligen Paare in den Farben ihres Mobiliars, während das später auftauchende dritte Paar namens Featherstone in Schwarz-weiß spielt.

Highlight ist das doppelte Dinner, bei dem die Featherstones, auf Drehstühlen sitzend, mal bei den Fosters, dann wieder bei den Philips’ essen und reden – zeitweise im Sekundentakt wechselnd. Klasse!

Die Handlung ist ebenso einfach wie absurd und boulevardesk. Der prollige Bob Foster, absolut glaubwürdig von Thomas Boelk verkörpert, hat eine Affäre mit der Frau seines Chefs Frank Foster – ein herrlich durchgeknallter Typ aus der Schublade zerstreuter Professor. Margarita Rebenstorf gibt der Figur der Fiona Foster etwas leicht Dekadentes und sehr Englisches aus der Ecke Upper Class.

Ewgenij Hovratov hat seinen großen Moment, als er fast ausrastet, Bob Philips ein blaues Auge haut, und plötzlich auf Russisch weiter flucht – ob geplant oder spontan, spielt keine Rolle. Einfach herrlich! Gabriele Baufeld nimmt man das schüchterne Mauerblümchen Mary total ab, während Marlis Dittmer-Bodin virtuos die gestresste, betrogene Middle-Class-Hausfrau gibt.

Einen richtig guten Job hat Regisseur Klaus Esch gemacht, der sein Ensemble zu einer tollen Leistung gebracht hat. Termine: 18. und 19. November, 20. und 21. Januar

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen