zur Navigation springen

Landgericht Flensburg : Vierjähriger allein gelassen – Polizei fühlt sich nicht zuständig

vom

Der Fall nimmt kuriose Züge an: Einer Mutter wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Doch sie kommt nicht zum Prozess. Jetzt soll sie verhaftet werden. Doch die Polizei ist sich uneins.

Flensburg | Zwei Tage versuchte die erste Große Strafkammer am Landgericht Flensburg die Hauptverhandlung gegen eine Frau zu beginnen, die ihren vierjährigen Sohn über Wochen alleingelassen haben soll. Am Dienstag ist der Prozess nun zunächst gescheitert.

Die Angeklagte, die mittlerweile in Herzogenrath bei Aachen lebt, war erneut nicht zur Hauptverhandlung erschienen. Ohne sie kann nicht verhandelt werden. Da die Frau bereits am Montag fehlte, wurde am Montagvormittag eine sogenannte Verfügung angeordnet und die Polizei in Aachen informiert, damit diese die Frau nach Flensburg bringt. Diese habe sich jedoch nicht zuständig gefühlt, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag sichtlich konsterniert.

Daraufhin hat die Staatsanwältin auf Bitten der Kammer bei der Polizei in Flensburg angerufen. Diese hat dann mit den Kollegen in Aachen einen Kompromiss vereinbart: Eine Übergabe der Angeklagten in Münster. Dies hätte aber nicht zeitnah erfolgen können. Die Polizei in Aachen sei am Montag zunächst nicht einmal nach Herzogenrath gefahren, um nachzusehen, ob die Frau überhaupt an ihrem gemeldeten Wohnsitz sei, sagte der Vorsitzende Richter. Angesetzt waren eigentlich Verhandlungstage von Montag bis Mittwoch dieser Woche. Nach hinten verschoben werden hätten sie wegen anderer Termine der Beteiligten nicht.

Gegen die Angeklagte wird nun Haftbefehl erlassen. Auch ihr Pflichtverteidiger hat die Frau seinen Angaben zufolge seit Monaten nicht mehr gesehen. Offensichtlich gehe es nicht anders, die Frau müsse wohl in Haft genommen werden, sagte der Vorsitzende Richter. „Ich gehe davon aus, dass sich die Polizei in Aachen zumindest für Haftbefehle zuständig fühlt.“ „Ich finde es extrem ärgerlich“ sagte die Staatsanwältin nach der Verhandlung. Der Fall liege eh schon lange zurück. Jetzt dauert es noch einmal fast ein halbes Jahr, bis es zu einer Hauptverhandlung kommt. Ein erneuter Prozess wird wegen anderer Termine der Beteiligten voraussichtlich erst Anfang Mai 2016 stattfinden können.

Die jetzt 38 Jahre alte Frau ist wegen versuchten Totschlags an ihrem Sohn angeklagt. Sie soll im August und September 2012 in Flensburg ihr Kind rund drei Wochen lang in der abgeschlossenen Wohnung alleingelassen haben. Der Junge aß während der Zeit, was er in der Wohnung fand, und trank Leitungswasser. Der Junge wurde gerettet, weil er Termine bei einer Logopädin versäumt hatte. Diese hatte nach dem Rechten gesehen und den Jungen in der verschlossenen Wohnung entdeckt.

 

zur Startseite

von
erstellt am 08.Dez.2015 | 12:34 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert