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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 21:10 Uhr

Schnee : Vier Tage ohne Post - "ein Unding!"

vom

In Flensburg und Glücksburg blieb dieser Tage so mancher Briefkasten leer. Die Zusteller sind an ihrer Belastungsgrenze, müssen Touren abbrechen.

shz.de von
erstellt am 03.Feb.2010 | 11:35 Uhr

Flensburg | Die Post kommt . . . aber wann? Die Zusteller gehen förmlich auf dem Zahnfleisch. Seit Tagen schon. Gestern war es am schlimmsten. "Die Situation ist völlig chaotisch", berichtet ein Bote, der im Innenstadtbereich tätig ist: Er schiebt Überstunden en masse. "Zwei Stunden mehr als üblich muss man täglich ran - und das mit vollem Körpereinsatz."

Maximal 10 Stunden und 45 Minuten dürfen die Frauen und Männer in den blau-gelben Jacken täglich arbeiten, Pause inklusive. "Seit Sonnabend brechen sie die Zustellung aber häufig ab", erläutert Jörg Koens, Pressesprecher der Post in Hamburg. So wie ein frustrierter Bote auf der Ostseite der Stadt, mit dem Fahrrad unterwegs. Er trägt nicht nur Briefe aus, sondern auch sein Herz auf der Zunge: "Beschissen ist es!", flucht er. "Ich hab in fünf Minuten Schluss und noch die Hälfte der Tour vor mir - ich hör jetzt aber auf."

Helmut Schumann wartete vier Tage lang auf dringend benötigte Schreiben. Der ehemalige Stadtrat wohnt im Fruerlundhof, bekommt im Regelfall täglich Post. Seit Donnerstag jedoch herrschte im Briefkasten gähnende Leere. "Ein Unding, ein unhaltbarer Zustand", schimpft Schumann, der sich schon mehrfach beschwert hat. Am Service-Telefon wurden die Probleme nicht nur mit den Witterungsbedingungen, sondern auch mit Personalmangel begründet.
Zustände wie seit Jahren nicht
Dem aber widerspricht Jörg Koens. "Alle sind an Bord." Aber wenn nicht geräumt sei und immer wieder neuer Schnee falle, kämen die Zusteller an ihre Belastungsgrenze. Er versichert, bis zum Montag sei alles zugestellt worden, was liegen geblieben sei. Man beginne morgens jeweils dort, wo am Vortag abgebrochen worden sei. "Diese Zustände haben wir seit Jahren nicht gehabt, im Augenblick ist es die Hölle."

In Glücksburg ist die Situation buchstäblich festgefahren. Fahrzeuge der Post stecken im Schnee. Und so wartet man am Dethleffsenweg, am Bremsberg oder auch in Bockholmwik vergeblich auf Briefe, die nicht kommen wollen.

Doch auch aus anderen Teilen Flensburgs wird Ebbe im Briefkasten vermeldet - seit Tagen schon. Beschwerden werden zum Beispiel laut in der Freyastraße, der Backensmühle oder am Schwarzen Weg. Auf der Westlichen Höhe scheint die Zustellung dagegen bis dato recht ordentlich zu klappen.

Dennoch machen die Postboten die Erfahrung, dass die Bevölkerung selbst dann kein Verständnis zeigt, wenn Zustellungen pünktlich ankommen. "Die Leute beschweren sich dann über nasse Briefe", sagt einer.

Bei Helmut Schumann hat es gestern doch noch geklappt. Auf einen Schlag erhielt er 18 Briefe (die er sogleich gelesen hat), fünf Zeitschriften (die er abonniert hat) und acht Kataloge (die er gleich wieder weggeschmissen hat). Fürs Erste ist der Ex-Politiker besänftigt. Doch das kann sich schnell ändern. Denn Postsprecher Koens kündigt für die nächsten Tage weiterhin "massive Verspätungen" an.

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