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„Triplex 2013“ : Vier Tage Katastrophe im Dauer-Test

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tote und Vermisste nach Wirbelsturm: Eine internationale Koordinierungsübung mit 35 beteiligten Organisationen ging am Donnerstag zu Ende.

Das Szenario ist dramatisch: Ein heftiger Wirbelsturm zieht über das deutsch-dänische Grenzland. Eine Fläche von der Größe Schleswig-Holsteins ist betroffen. Zwischen Röm und Tingleff, Flensburg und Schleswig werden 100 000 Personen obdachlos, 5000 gelten als vermisst oder tot. An den Folgen der Naturkatastrophe leiden rund eine Million Menschen.

Eine Herkulesaufgabe für die eilig zusammengezogenen Hilfskräfte. 200 Teilnehmer aus 35 weltweit agierenden Organisationen trainierten von Montag bis Donnerstag den Ernstfall. „Triplex“ wird organisiert vom International Humanitarian Partnership (IHP), ist eine der größten internationalen Koordinierungsübungen und liefert wertvolle Erkenntnisse über den Hilfsbedarf der betroffenen Bevölkerung. „Die größte Herausforderung dabei ist die Kommunikation untereinander“, sagt Thomas Krimm vom Landesverband des Technischen Hilfswerks in Kiel. Das THW war für Deutschland mit 15 Kräften vertreten – weitere 50 arbeiten ehren- und hauptamtlich im Hintergrund. Erstes Fazit von Krimm: „Es hat überwiegend gut geklappt.“ Besonders die Zusammenarbeit mit den lokalen Einrichtungen habe hervorragend funktioniert.“ Der THW-Mann nennt in diesem Kontext Diako, Stadtwerke, Hafenbetrieb und Flugplatz. „Sie haben alle wunderbar mitgespielt.“

Doch zunächst kommen Teams der EU und Vereinten Nationen zum Einsatz. Sie prüfen die örtliche Lage, Anbindung an die Behörden, klären die Frage: Was müssen die einzelnen Mitgliedsstaaten beisteuern, um der Lage Herr zu werden?

Dann geht es ins Detail. Das Basis-Camp wird in Tingleff errichtet, 200 Hilfskräfte finden dort Platz. Auf dem THW-Gelände an der Lilienthalstraße stehen neben Fuhrpark und Verpflegungshalle gelbe Zelte mit Feldbetten und für Meetings bereit; Herzstück jedoch ist das mit Technik prall gefüllte Operationscenter, hier steht die lokale mit der nationalen Einsatzleitung kontinuierlich in Kontakt. Zwölf Arbeitsplätze auf engstem Raum, Schichtbetrieb.

Während der Stabsrahmenübung werden 250 Situationen simuliert. Was passiert, wenn die Telekommunikation zusammenbricht, wenn ein ganzes Team plötzlich von der Bildfläche verschwindet? Wenn es am letzten Tag einen schweren Unfall wegen Übermüdung gibt? Es geht darum, Verletzte und Obdachlose zu evakuieren, Flugplätze für den Transport von Mensch und Material ausfindig zu machen, den Zugang von Containern mit Hilfsmaterial über das Wasser zu ermöglichen. Aber auch darum, potenzielle Gefährdungen zu erkennen und ihnen wirksam zu begegnen. Marodierende Banden und Plünderer sind unterwegs, chemische Kampfstoffe rufen die Nato auf den Plan, es gilt Minen aus vergangenen bewaffneten Konflikten unschädlich zu machen. Alles fiktiv, versteht sich. „Doch wir haben durchaus einige Minen ganz real gesprengt“, sagt Thomas Krimm.

Die vier Tage nach der „Katastrophe“ haben ihre Spuren hinterlassen. Die Erschöpfung macht sich bei den Beteiligten mehr oder weniger bemerkbar. Gab es genügend Schlaf zwischen den Einsätzen? „Manchmal“, sagt der Mann vom THW, „manchmal habe ich die Augen zugemacht.“

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erstellt am 04.Okt.2013 | 07:30 Uhr

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