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Orpheus-Theater : Vier Saitenkünstler auf einen Streich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Gitarristen loten die ganze Bandbreite des Gitarrenspiels aus

Als die ersten Töne von „Jessica“ erklingen, weiß man, wohin die Reise geht. Die vier Flensburger Gitarreros bearbeiten ihre Instrumente nach allen Regeln der Kunst, bestechen durch traumwandlerisches Zusammenspiel und sind im ausverkauften Orpheus-Theater bereit, ihr Bestes zu geben. Der Klassiker der Allman Brothers Band gerät zum perfekten Einstieg in einen „vielsaitigen“ Abend und ist gleichzeitig eine Reverenz an den mit dem Motorrad so tragisch verunglückten, unvergessenen Gitarristen Duane Allman.

Die Lehrer der Musikschule Bandland haben auf Initiative des Jazz-Gitarristen Matthias Schmidt ein Programm entwickelt, in dem sie ihre individuellen Vorlieben einbringen und ausleben können. Als alte Hasen der Musikszene sind sie flink an den Gitarren und verfügen über ein beeindruckendes Repertoire.

Für die leisen Tönen verantwortlich: der klassisch ausgebildete Martin Deters, der nach einer getragenen Baden-Powell-Komposition ein anspruchsvolles Rondo von Agustín Barrios heiter-fließend interpretiert. Frank Grube übernimmt mit dem extra für seine Takamine arrangierten Klassiker „A Whiter Shade of Pale“ von Procol Harum und überzeugt später mit virtuosen Techniken auf der Flamenco-Gitarre. Matthias Schmidt nutzt einfallsreich die Freiheiten der jazzigen Improvisation, etwa bei der relativ unbekannten Beatles-Nummer „Julia“. Bent Wolff überzeugt mit perfektem Rocksound ohne Schnörkel und gibt eine kleine Reminiszenz an die Band „Spirit of Santana“, in der er die Solo-Gitarre meisterte wie Carlos leibhaftig.

Wenn sie einander die Bälle zuwerfen, sind sie unschlagbar. Frank und Martin, die beiden Gründer der jetzt seit 25 Jahren bestehenden Musikschule, sind kongenial aufeinander eingespielt, glänzen im musikalischen Zwiegespräch mit humoristischen Einlagen. Matthias brilliert mit rasenden Läufen im Solo auf dem schnellen „Mediterranian Sundance“ der Virtuosen Paco De Lucia, John McLaughlin und Al Di Meola. Und Bent Wolff beweist ein Händchen für den Sound des rockigen Herzschlages.

Zwölf halbakustische und elektrische Gitarren kommen an diesem Abend zum Einsatz, und unauffällig wechselt der E-Bass zwischen den Musikern. „Uns war es wichtig“, sagt Frank Grube, „die ganze stilistische Bandbreite des Gitarrenspiels zu präsentieren.“ Kein Zweifel, das ist gelungen.

Höhepunkt für viele Besucher: „While my Guitar gently weeps“, hier kann Bent Wolff final an der E-Gitarre glänzen. Und als die „Fab Four“ mit einem ironischen Augenzwinkern ein letztes Stück von Peter Green anspielen, zum langsam groovenden „Albatros“ weißer Trockennebel auf die Bühne fließt, dreht die Stimmung im Publikum auf Hochtouren. Mehr als Maximaltemperatur geht nicht – und nun wartet man gespannt auf das nächste Mal, dann vielleicht mit den Sängerinnen des „Bandland“?




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