Geburten in der Neujahrs-Nacht : Vier Neujahrsbabys: Turbulente Nacht in der Flensburger Diako

Guckt noch etwas mürrisch: Neujahrsbaby Zoé Amelie mit ihren Eltern René und Yvonne Stäcker aus Handewitt.
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Guckt noch etwas mürrisch: Neujahrsbaby Zoé Amelie mit ihren Eltern René und Yvonne Stäcker aus Handewitt.

Volles Programm in der Flensburger Diako: Drei Entbindungen in vier Stunden – und eine Sturzgeburt vor dem Krankenhauseingang.

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02. Januar 2015, 08:30 Uhr

Es war ein Wettlauf mit der Zeit. Gleich drei winzige Kandidaten wetteiferten in der Nacht zum 1. Januar um den Titel „Erstes Baby des Jahres“. Nur vier Stunden lagen zwischen den Geburten. Das Rennen machte schließlich die kleine Zoé Amelie, die um 1.40 Uhr das Licht der Welt erblickte. Danach wurde es hektisch in der Diako. Eine Mutter schaffte es nicht mehr rechtzeitig in den Kreißsaal. Sie entband auf dem Vordersitz ihres Autos – ihr kleiner Sohn hat die turbulenten Minuten gut überstanden.

Keine besonderen Vorkommnisse – the same procedure as every year. Der Jahreswechsel beginnt für Christiane Zink wie immer. Sie verbringt mit ihrem Freund Silvester in ihrer Wohnung in Satrup. Feiert nicht zu feste, denn sie ist im neunten Monat schwanger, am 17. Januar soll ihr Kind zur Welt kommen. Doch es hat gänzlich anderes im Sinn. Als die 28-Jährige sich zur Nachtruhe begeben will, wird sie plötzlich von heftigen Bauchkrämpfen heimgesucht. Die Vorwehen?, schießt es ihr durch den Kopf. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. „Die Schmerzen wurden unerträglich“, erinnert sie sich. Plötzlich platzt die Fruchtblase. Panik kommt auf.

Christiane Zink alarmiert ihre Mutter. Zu dritt rasen sie mit dem Auto nach Flensburg. 24 Kilometer, die nicht enden wollen. „Bestimmt sind wir viel zu schnell gefahren, aber das war egal“, sagt die Satruperin, die vollends in Panik gerät, als sie spürt, wie das kleine Köpfchen nach draußen drängt. Endlich sind sie am Ziel, parken direkt vor dem Eingang zur Frauen- und Kinderklinik am Marienhölzungsweg. Eine Krankenschwester eilt herbei. Doch gerade, als Christiane Zink sich aus dem Auto quält, passiert es. Es geht blitzschnell. Das Kind wird auf dem Vordersitz des Autos geboren. „Irgendjemand hat es aufgefangen“, sagt die junge Mutter. Genau weiß sie es nicht mehr. Ihr Wahrnehmung ist von Angst und Schmerzen benebelt.

Christiane Zink liegt nun auf der Station im 5. Stock. Entspannung sieht anders aus, doch die Erleichterung ist groß. Ihr kleiner Junge schläft friedlich. Alles was ihm fehlt, ist ein Name. „Ich dachte ja“, sagt seine Mutter, „ich hätte noch genügend Zeit.“

Wesentlich besinnlicher ging es bei René (35) und Yvonne Stäcker (28) zu. Ihre Zoé Amelie schaffte eine Punktlandung. Und das nach einer Bilderbuch-Schwangerschaft, wie beide betonen. „Der Termin war exakt so berechnet worden“, sagt Yvonne, die ihren Mann an Silvester vor drei Jahren kennengelernt hat. „Nach der Geburt“, sagt sie, „waren wir sprachlos – und das Baby hat geschrien.“

Ihr Wunschkind ist 50 Zentimeter groß und wiegt 3470 Gramm. Es guckt noch etwas skeptisch in die Welt, „aber das ändert sich hoffentlich noch“, sagt der stolze Papa augenzwinkernd. Und die Mama lobt: „Er war mir bei der Geburt eine große Hilfe.“ Sie habe sich die Entbindung des ersten Kindes wesentlich schmerzhafter vorgestellt. Aber nach etwa fünf Stunden war es geschafft. „Wenn man den richtigen Mann an der Seite hat, ist alles halb so schlimm.“ Das gilt sicherlich auch für das Krankenhauspersonal, das die turbulente Nacht routiniert über die Bühne brachte.

René und Yvonne Stäcker werden nun ausreichend Zeit haben, ihren Nachwuchs intensiv zu umsorgen – wohl wissend, dass ihnen die eine oder andere schlaflose Nacht bevorsteht. René, der als Schweißer in der Produktion von Offshore-Windkraftanlagen in Dänemark beschäftigt ist, hat sich zwei Monate Urlaub genommen. Kein Problem im Nachbarland. „Dort“, stellt er fest, „ist eben alles viel kinderfreundlicher.“

Das schnellste Neujahrsbaby des Landes kam am 1. Januar übrigens in Kiel auf die Welt. Der kleine Omar Ege wurde um 0.01 Uhr geboren – unschlagbar.

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