Vier musikalische Antworten und eine Uraufführung

Astrid von Feder rezitiert mit dem Hochschulorchester unter Leitung von Theo Saye Abraham Lincolns Ansichten über die Demokratie.
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Astrid von Feder rezitiert mit dem Hochschulorchester unter Leitung von Theo Saye Abraham Lincolns Ansichten über die Demokratie.

Das Hochschulorchester Flensburg tauchte ein in verschiedenste Facetten der Musikgeschichte

shz.de von
07. Juli 2015, 18:40 Uhr

„Was erwartet, was will man von der Musik?“ Das Hochschulorchester Flensburg unter der Leitung von Theo Saye versuchte am Freitagabend, Antworten aus vier verschiedenen Blickrichtungen zu geben. In der gut besuchten Aula der Waldorfschule Flensburg hörten die Zuhörer als erste Antwort Musik mit einer politisch-patriotischen Aussage. Mit Aaron Coplands „Lincoln Portrait“ aus dem Jahr 1942 war eine Musik zu hören, die, trotz positiver und demokratischer, von Astrid von Feder rezitierter Botschaft des 16. US-Präsidenten grenzwertig pathetisch und verherrlichend daherkam. Musik, die indes auch Diktatoren in jener Zeit als Vehikel ihrer Ideologien für sich beanspruchten.

Die zweite Antwort, dass Musik gefällig und wohlklingend sein müsse, traf ihren Kern schon näher, insbesondere wenn man an die „klassische“ Betrachtung der Musik denkt – wie E.T.A. Hoffmanns Forderung, wonach sie nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht habe, dem Menschen eine angenehme Unterhaltung zu verschaffen.


Kein Grund, den Saal zu verlassen


Dennoch erfüllte die jugendliche „Serenade für 13 Blasinstrumente op. 7“ von Richard Strauss diese Forderung nur zum Teil. Sie ist als einsätziges Stück dafür zu aussageschlank, da der erst 17-jährige Richard es für die „Wilde Gung’l“ komponierte, einen Münchner Orchesterverein, in dem er als Geiger aktiv mitspielte. Die Oboistin Jule Bass hatte die Serenade mit den anderen Bläsern übrigens sehr hübsch und überzeugend einstudiert.

Jeffrey Chings „Broken Madrigals für Streichorchester“ war „Brücke zwischen den Kulturen“: eine mit traditionell chinesischen sowie mit avantgardistischen Elementen versehene Komposition des in Berlin wirkenden Tonkünstlers, welche er eigens für das Orchester umgeschrieben hat. Zugleich ein Novum, da es erstmals der Ehre zuteil wurde, ein Stück aus der Taufe zu heben. Es ist eine Vertonung dreier Schimpftiraden aus Shakespeares König Lear. Die Sopranistin Andión Fernández übernahm den Solopart in dem nur achtminütigen Stück mit zorniger Stimme, dem eine etwa zwölfminütige Einführung voranging.

Es gestaltete sich indessen als eher unverfänglich mit leisen Schlagwerkgeräuschen, schneidenden Clustern und anderen bekannten Effekten wie Bogenschlagen mit einer intensiven Steigerung zum Ende hin: Eigentlich kein Grund, den Saal fluchtartig zu verlassen, wie es einige taten.

Schließlich huldigte als letzte Antwort die „Serenade Nr. 1 für großes Orchester op. 11“ von Johannes Brahms den „Riesen der Vergangenheit“. Brahms hatte in jungen Jahren großen Gefallen für solch leichte und pastorale Musik und komponierte 1858 in hörbarer Anlehnung an Joseph Haydn und Beethoven ein zunächst viersätziges Nonett, welches er um zwei kurze Sätze erweiterte und später für Orchester instrumentierte.



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