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125 Jahre Bier-Geschichte : Vier Millionen Ziegel für die Brauerei

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ziegeleien der Region waren mit dem Flensburger Großauftrag überfordert, bevor das Munkebräu vom Munketoft Premiere feierte.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2013 | 12:45 Uhr

125 Jahre Flensburger Brauerei – das ehrwürdige Gebäude am Munketoft in Flensburg gehört zur Stadt wie der herbe Pilsgeschmack des Flensburger Bieres und der unverwechselbare Bügelverschluss, der so schön ploppt. In der deutschen Brauerei-Landschaft ist eine weit über hundert Jahre alte Brauerei eine absolute Ausnahme. Anlass, die Geschichte des Familienunternehmens im zu Ende gehenden Jubiläumsjahr in einer mehrteiligen Serie nachzuzeichnen.

Nach Begutachtung des Munketoft-Geländes einschließlich des Mühlenteiches durch den Ober-Ingenieur Neubronner aus Berlin konnten die Baumaßnahmen anlaufen. Erster Schritt war eine Besichtigung von vier Brauereien im Raum Hamburg: „Hansa, Elbschloss bei Altona, Bahrenfelder und Marienthaler in Wandsbek“ ergaben sich als „sehr lehrreich und nutzbringend für unser Unternehmen und die Realisierung der Pläne.“ Die „Germania – Maschinenfabrik“ von J S Schwalbe & Sohn in Chemnitz erhielt Ende September 1888 den Auftrag, ein „neues Projekt“ auszuarbeiten. Bereits am 8. Oktober trafen die Zeichnungen für den Bau ein; zehn Tage später hatte die städtische Baukommission sie genehmigt. Nachdem Stadtbaumeister Fielitz am 16. Oktober das Baugelände besichtigt hatte und die Baulinien festgelegt waren, konnten die Bauarbeiten beginnen. Prinzip war es, die Arbeiten an heimische Firmen zu vergeben. Am 24. November 1888 erfolgt die Grundsteinlegung.

Wer sich die Mühe macht, die Fassade des Brauereikomplexes zu betrachten, dem fällt die schmuckvolle und sehr detaillierte Ziegelfront auf. Die Fähigkeiten der Maurer von einst sind Lichtjahre entfernt von den Fähigkeiten und der Freude an der Gestaltung in der Gegenwart. Die Beschaffung von Ziegeln wurde für das Vorhaben allerdings zum Problem. Historiker Dieter Pust recherchierte, dass vier Millionen Ziegel verbaut wurden. Diese Masse sollte in mehreren Teilen eingekauft werden. Allerdings: Die Ausschreibung der ersten 2,5 Millionen Ziegel hat die Brennereien rund um Flensburg offenbar überfordert – es ging kein Gebot ein. Der Vorstand entschloss sich, das Material direkt in Ekensund einzukaufen. Dann ging es Schlag auf Schlag: Innerhalb eines halben Jahres, vom 3. Oktober 1888 bis zum 11. April 1889, wurden alle Ziegeleien des Flensburger Raumes eingespannt: Harrislee, Fröslee, Neustadt, Osbek, Moos, Mürwik, Solitüde, Schmedeby, Gammelbymoor, Wassersleben und vor allem Ekensund.

Die verschiedensten Sorten der Ziegelsteine wurden verwendet: Maschinensteine, im Kieler und Flensburger Format; Mund-, Brunnen-, Bleich-, Werkland- und Vermauersteine – geflammte, voll-, gut- und hartgebrannte, rote, gute weiße handgestrichene und hellgelbe; schließlich ergab sich eine Summe von vier Millionen Steinen. Etwas Besonderes waren die Fliesen – für alle Häuser wurden Magdeburger Fliesen eingekauft, die Diele zur Malztenne erhielt sogar Solnhofener Fliesen.

Die Aufsicht über die Arbeiten hatte der Maurermeister und Architekt Heinrich Franz Valentin Flügel. 1844 war der Handwerker Flensburger Bürger geworden. Dr. Pust zeigt auf, dass Flügel verantwortlich ist für eine Reihe von Industriebauten in der Stadt. Als Katholik entwarf er die Pläne für die katholische Kirche im Nordergraben.

Schon zehn Monate nach der Grundsteinlegung wird das erste Bier präsentiert: helles Pilsener und dunkles, „nach bayrischer Art Gebrautes“. Am 19. November 1889, vier Wochen vor der öffentlichen Bierprobe, wurden die Namen für das neue Bier festgelegt: „Exportbräu“ für das helle Pilsener und „Munkebräu“ für das dunkle Bier, offenbar angelehnt an den Straßennamen „Munketoft“. Der Flurname bedeutet: Mönchsfeld; es war zeitweise im Besitz der Franziskanermönche (Kloster zum heiligen Geist). Der Munketoftweg wurde ursprünglich für den Amtmann Peter Rantzau, 1571/90, angelegt, damit er über die enge Stelle des Mühlenteiches sein Angelgebiet auf Amtsgrund erreichen konnte. Damit war der Teich in Großen und Kleinen Mühlenteich geteilt.

In den Unterlagen der Brauerei finden sich die Namenslisten der kompletten ersten Belegschaft: vom Vorstand bis zum Bierkutscher. Und auch auf solch ein niedliches Aperçu wie diesen Vermerk stieß Pust: „Haustrunk an Freibier fürs ganze Personal: Beschluss 19.2.1892: höchstens 1 Hl; der Direktor hat dieses durch Marken zu regulieren; außer der Brauerei darf solches nicht getrunken werden.“

 

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