handewitt : Viel Applaus für Kaj Clausen

Kaj Clausen (l., mit Ehefrau Ute) verabschiedete sich jetzt nach 35 Jahren ehrenamtlicher Arbeit aus der Handewitter Gemeindevertretung.
Kaj Clausen (l., mit Ehefrau Ute) verabschiedete sich jetzt nach 35 Jahren ehrenamtlicher Arbeit aus der Handewitter Gemeindevertretung.

SSW-Urgestein verlässt den Gemeinderat Handewitt nach 35 Jahren. Obwohl der Haushalt nur ein zartes Plus von 35 000 Euro aufweist, investiert die Geestgemeinde Millionen.

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21. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Für den Handewitter Gemeinderat war der Haushalt 2018 so etwas wie das Weihnachtsgeschenk, das von allen – also einstimmig – „ausgepackt“ wurde. Erstmals seit 2010 gab es für den Finanzplan des kommenden Jahres grünes Licht in der letzten Sitzung vor Weihnachten. Die Zahlen sind imposant: Das Volumen umfasst 22 Millionen Euro. Die Investitionen betragen fünf Millionen Euro und sollen für Kita-Plätze, Brandschutz und neue Gewerbeflächen verwendet werden. Und das alles bei einem zarten Plus von 35 000 Euro. Nicht nur SSW-Fraktionschef Per Wietz zeigte sich „stolz, dass wir so einen Haushalt hingekriegt haben und dafür die Hebesätze nicht anfassen mussten“.

Einige kritische Bürger aus dem Ortsteil Jarplund stiegen tiefer in die Materie ein und zweifelten an der rosigen Lage Handewitts. Eine Verschuldung von 8,5 Millionen Euro bei rund 11 000 Einwohnern – das sei bedenklich. „Wir liegen bei der Verschuldung unterhalb von Kreis- und Landesschnitt“, erklärte Kämmerer Uwe Hansen. Gerhard Beirer, der Vorsitzende des Finanz- und Wirtschaftsausschusses, setzte die Netto-Neuverschuldung (1,1 Millionen Euro) mit den Investitionen (5 Millionen Euro) in Verbindung. „80 Prozent erwirtschaften wir selbst, wir haben eine solide Eigenfinanzierung.“ Er hob allerdings auch den mahnenden Zeigefinger, da in Zukunft der Breitbandausbau, ein neues Wohngebiet und Vorhaben im Schulbereich anstünden.

„Schön, dass so viel nach Jarplund fließen wird“, versuchte Marx Plagemann (CDU) die notorischen Kritiker zu besänftigen, erntete aber den Protest von Helga Knaack. „Ich habe das Gefühl, dass ich Pest und Cholera habe, weil ich aus Jarplund komme“, sagte die Grünen-Chefin. „Mich stört es, dass immer wieder betont wird, was doch alles in Jarplund investiert wird.“

Widerspruch provozierte auch der KWG-Fraktionsvorsitzende Dieter Neugebauer, als er seinen KWG-Kollegen Gerhard Beirer auf eine eher ungewöhnliche Art lobte: „Die anderen Fraktionen“, sagte er, „können sich beglückwünschen, dass sie den Finanzausschuss in die Hände der KWG gegeben haben.“ Dieses „Wahlkampf-Gerede“ wollte Helga Knaack so nicht stehen lassen und kündigte eine „fachliche sowie sachliche Arbeit bis zum letzten Tag vor der Kommunalwahl“ an.

Die in den letzten Monaten häufiger angesprochene Innenbereichsverdichtung ist nicht im Handumdrehen umsetzbar, wie ein aktueller Fall zeigt. In der Handewitter Siedlungsstraße soll eine Lücke in der zweiten Reihe bebaut werden. Es herrschen zwischen Investor und Anwohnern allerdings unterschiedliche Auffassungen über den Grad der Bebauung. So waren die kommunalen Gremien schon mehrmals mit dem Projekt beschäftigt. Jetzt lag im Gemeinderat ein Entwurf mit fünf Wohneinheiten und sechs Stellplätzen vor. Die Kommunalpolitiker stimmten für den Einstieg ins Bauleitverfahren. „Wir sehen ein ausgewogenes Maß, das die Zentralität berücksichtigt“, sagte Helga Knaack als Vorsitzende des Planungsausschusses.

Im Februar hatte der Gemeinderat eine Resolution verfasst, um Forderungen von Kreisverkehren in Haurup-Hoffnung und Jarplund Nachdruck zu verleihen. Der damalige Verkehrsminister Reinhard Meyer äußerte sich ausweichend. Nun gibt es in Kiel eine neue Regierung. Deshalb überprüft Bürgermeister Thomas Rasmussen, ob man „die Resolution mit neuen Daten und Argumenten unterfüttern“ und einen neuen Anlauf nehmen solle.

Kaj Clausen, langjähriger SSW-Gemeinderat, wurde offiziell verabschiedet und erhielt einen Bildband sowie einen Gasthof-Gutschein. „35 Jahre kommunales Ehrenamt – das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen“, sagte Thomas Rasmussen. Der Bürgermeister kennzeichnete das Urgestein als sozial engagierten Überzeugungstäter, der dänisch und deutsch gehandelt und dabei stets Ecken und Kanten gezeigt hätte. Kaj Clausen sagte: „Die Karawane zieht weiter, und ich bleibe in der Oase.“ Den Namen seiner Gemeinde Handewitt nannte er nicht, aber die Zuhörer dachten sich ihn dazu.

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