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Flensburger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 13:16 Uhr

Flensburg : Video: Ein Hirsch unter Kühen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf einer Weide bei Flensburg hat sich ein Rothirsch einer Herde Galloways angeschlossen – und begeistert Spaziergänger.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2017 | 18:01 Uhr

Flensburg | Gemütlich ziehen die zotteligen Rinder durch die mit Dornensträuchern übersäte Ebene bei Flensburg. Nur wer genau hinsieht, bemerkt die Geweihspitzen, die hinter den massigen Leibern herausgucken. Ein Rothirsch blickt interessiert zu den Spaziergängern herüber – völlig entspannt.

Seit zwei Jahren lebt „Sven“, wie ihn die Flensburger getauft haben, im Stiftungsland Schäferhaus mit einer Herde Galloways. „Er hält sich mittlerweile wohl selbst für ein Rind“, meint Gerd Kämmer, der als Geschäftsführer des Vereins Bunde Wischen den 250 Hekatar großen ehemaligen Truppenübungsplatz zwischen der B199 und der dänischen Grenze betreut. Im März 2015 hat Kämmer „Sven“ das erste Mal gesehen. „Da dachte ich noch, dass er nach ein paar Wochen oder Monaten weiterzieht, und im Sommer war er tatsächlich verschwunden“, sagt Kämmer. „Aber im Herbst war er wieder zurück.“

Seitdem bleibt er immer länger bei der Herde mit seiner Lieblingskuh, der blonden „Sarina“ – und lässt sich ganz bequem von den Wanderwegen rund um das Gelände beobachten. „Manche Besucher erzählen mir, dass sie ihn fast jeden Tag sehen, andere haben ihn erst beim 20. Versuch entdeckt“, sagt Kämmer. Die hier weidenden Rinder und Konik-Pferde halten den Besuchs als natürliche Landschaftspfleger das ganze Jahr über zwar überwiegend kurz, verschwinden aber gerne mal zwischen den an manchen Stellen recht dicht wachsenden Dornenbüschen.

Die blonde „Sarina“ ist „Svens“ Lieblings-Kuh – meist ist er in ihrer Nähe zu finden.
Die blonde „Sarina“ ist „Svens“ Lieblings-Kuh – meist ist er in ihrer Nähe zu finden. Foto: Matthias Kirsch
 

Im Laufe der Zeit hat „Sven“ sich den Rindern immer mehr angepasst. Wie sie zeigt er mittlerweile kaum Scheu vor Spaziergängern, lässt sie manchmal auf 20 bis 30 Meter an sich herankommen, obwohl Rotwild sonst extrem schreckhaft ist – „er hat gelernt, dass er hier sicher ist und auf den Naturschutzflächen nicht gejagt wird“, hat Kämmer bemerkt. Dass man den „ungeraden“ Zwölfender – der etwa fünf Jahre alte Hirsch hat elf Geweihspitzen – bei Tageslicht überhaupt zu Gesicht bekommt, ist ebenfalls eher ungewöhnlich: „Damit ist er zur natürlichen Verhaltensweise der Rothirsche zurückgekommen: Ursprünglich waren sie in tagaktiv.“ Heute ziehen sie sich im dicht besiedelten Deutschland tagsüber in Wälder zurück „und knabbern dort zum Ärger der Förster aus Langeweile an den jungen Bäumen“, sagt Biologe Kämmer.

Um Kahlfraß zu vermeiden wird das Rotwild, das in den vergangenen Jahren immer stärker aus Dänemark über die Grenze zieht, von den Jägern kurz gehalten. Die Flinte droht während der Jagdsaison also auch „Sven“, der immer wieder für einige Tage aus dem Stiftungsland verschwindet. Darum soll der Hirsch in Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz möglichst bald einen Funksender verpasst bekommen. „So können wir seine Wege besser verfolgen – und ‚Sven‘ nebenbei auch bekannter machen und so vielleicht einen Abschuss verhindern“, hofft Kämmer.

Wie lange es „Sven“ noch bei seiner Herde hält, kann Kämmer natürlich nicht sagen. Auf Brautschau war er zur Brunftzeit im Herbst aber offenbar nicht. Aber wenn er sich etwas wünschen dürfte, dann dies: „Ein Traum wäre, dass ihm weiteres Rotwild folgt und wir vielleicht einmal ein ganzes Rudel im Stiftungsland haben.“

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