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Haderslev/Hadersleben : Video: Dänemarks einziges deutsch-dänisches Ortsschild

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bürgermeister Hans Peter Geil ließ heimlich ein zweisprachiges Ortsschild aufstellen – das stieß auf Zustimmung und Kritik. shz.de zeigt ein Video.

In der langen Diskussion um deutsche Namen auf dänischen Ortsschildern bewegen sich die Fronten. Völlig überraschend und ohne jede Ankündigung hat Hadersleben den ersten Schritt getan. Die Kommune Tondern bereitet sich darauf vor, während aus Apenrade Kritik am Vorgehen in Hadersleben kommt, wie auch an der deutschen Minderheit, die deutsche Ortsnamen immer wieder gefordert hatte.

Es gab in Hadersleben vorab keine Diskussion in den städtischen Gremien, es gab keine Ankündigung – plötzlich stand es an der Umgehungsstraße an der Sankt-Severinskirche. Kenner der Diskussion glaubten an einen Aprilscherz.

Haderslebens Bürgermeister H. P. Geil hatte einen sogenannten Bürgermeisterbeschluss gefasst und das Schild vor einer Woche aufstellen lassen – dabei niemandem etwas davon verraten: „Ich wollte sehen, wie lange es dauert, bis man es bemerkt – und wie die Reaktionen der Leute darauf sind“, so Geil. Er verweist auf die anhaltende öffentliche Debatte über zweisprachige Ortsschilder, vor allem in den sozialen Medien.

Doch auch in Dänemark gibt es Vorschriften, über die sich ein Bürgermeister nicht hinwegsetzen kann: „Es ist gut möglich, dass wir eine Genehmigung des Straßendirektorats brauchen, damit das zweisprachige Schild dort bleiben kann. Wir werden sehen“, so Geil.

Und auch Tondern nähert sich dem Thema an: Der Ökonomieausschuss wird über drei verschiedene Modelle beraten, die im Auftrag von Bürgermeister Laurids Rudebeck berechnet wurden. Würden nur in Tondern-Stadt zweisprachige Ortsschilder aufgestellt, kostet das demnach 65.000 Kronen (knapp 9000 Euro). Variante 2: In allen Orten der alten Kommune Tondern werden die Schilder aufgestellt. Kostenpunkt 245.000 Kronen (gut 33.000 Euro). Und drittens: In Orten mit deutschen Institutionen werden zweisprachige Ortsschilder aufgestellt. Die Kosten hierfür: 195.000 Kronen (26.000 Euro) – alle ohne Mehrwertsteuer.

Kritik kommt vom Verwaltungschef der Kommune Apenrade: Bürgermeister Thomas Andresen hält die Entscheidung seines Kollegen für einen nicht so klugen Schachzug. „Es ärgert mich, dass ich mich aufgrund der Debatte zwangsläufig mit einem Thema befassen muss, dem ich keine Relevanz beimesse. Das Thema Deutsch-Dänisch spielt für mich keine Rolle, sondern ich interessiere mich für die Belange der Kommune.“

Andresen fordert die Vertreter der deutschen Minderheit auf: „Ich finde, sie sollten endlich Nägel mit Köpfen machen, zum Beispiel indem sie einen konkreten Antrag stellen, den wir dann im Stadtrat politisch behandeln können. Noch besser aber fände ich es, wenn sie dafür sorgen könnten, dass die Debatte beendet wird.“ Denn sie sei dem guten Klima nicht dienlich. Sollte es tatsächlich zu einem Mehrheitsbeschluss für zweisprachige Ortsschilder in der Kommune Apenrade kommen, würde ihm dies nicht den Nachtschlaf rauben. „Ich kann damit leben“, sagte Andresen.

Der Hauptvorsitzende des Bundes deutscher Nordschleswiger (BdN), Hinrich Jürgensen, bezeichnet die Eigeninitiative von Bürgermeister Geil als mutige Entscheidung und als einen ersten Schritt in die richtige Richtung, die besondere Geschichte der Grenzregion sichtbar zu machen. Und: Es gehe hier nicht darum, betont er, dass Besucher der Region sich ohne deutsche Beschilderung nicht zurechtfinden würden, sondern auch um das Signal, dass Gäste willkommen sind. 

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erstellt am 24.Apr.2015 | 14:38 Uhr

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