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Frustrierter Verkäufer : Verwirrung um einen Brillantring

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie ein Flensburger ein Erbstück für 200 Euro verkaufte – und es wenig später für ein Vielfaches in einem Schmuckgeschäft wiederentdeckte

Johann Katzbach* ist mit seinen Nerven am Ende. Seit Jahrzehnten hütet er einen mit Brillanten besetzten Weißgoldring wie einen Schatz. Im März entschließt er sich, das Erbstück seiner Großmutter zu verkaufen. Offenbar weit unter Wert. Denn wenige Wochen später meint er, das gute Stück in der Auslage eines Schmuckgeschäfts wiederzuentdecken – für das fast Zwanzigfache dessen, was er selbst dafür bekommen hat. „Das hat mich fix und fertig gemacht“, sagt der 59-Jährige, „und es nagt noch immer an mir.“

Anfangs noch meint Johann Katzbach, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Denn ein erstes Angebot in einem Leihhaus an der Toosbüystraße lautet: 80 Euro. „Die Verkäuferin war der Ansicht, mit den Steinen könne man nichts anfangen, sie könne lediglich den reinen Goldpreis zahlen und riet mir, doch lieber einen Juwelier aufzusuchen.“

Gesagt, getan. Der Flensburger steuert die Dr.-Todsen-Straße an. Dort residiert die Schmuckvitrine – Juwelier und Goldschmiede. Dort sei er zunächst nach seiner Preisvorstellung gefragt worden. Katzbach, ganz clever, schlägt 150 Euro vor. Katzbach, gar nicht mehr so clever, wird keineswegs misstrauisch, als man ihm nach Rücksprache mit der Werkstatt freiwillig noch einmal 50 Euro drauflegen will. Katzbach, nun freudig erregt, geht mit 200 Euro nach Hause.

Drei Wochen später. Der glückliche Verkäufer geht mit seiner Freundin zufällig an dem Schmuckgeschäft vorbei. Dann glaubt er seinen Augen nicht zu trauen. „Mich traf der Schlag, und ich war augenblicklich wie am Boden zerstört“, schildert Katzbach seine Gemütsverfassung. „Da lag mein Ring in der Auslage, ausgepreist mit 3850 Euro!“ Er zögert nicht, den Besitzer zur Rede zu stellen. „Der sagte mir nun, der Ring habe noch ausgebessert werden müssen und sei im Verkaufspreis vielleicht auch etwas hoch angesetzt.“ Er bietet dem frustrierten Flensburger weitere 150 Euro an. Damit möge dieser die Sache aber auch auf sich beruhen lassen. Katzbach akzeptiert.

Die Tageblatt-Recherche fördert nun eine ganz andere Version zutage. Dieter Schmidtke, Inhaber der Schmuck-Vitrine, zu deren Schwerpunkten der An- und Verkauf von Gold- und Silberwaren sowie Zahngold zählt, holt das vermeintliche Corpus Delicti zum Preis von 3850 Euro aus der Auslage. „Das hier“, deklamiert er, „ist nicht der Ring des Kunden!“ Das Schmuckstück, 750er Gold, habe er ausweislich schon im Jahr 2011 erworben. Er greift erneut in die Auslage. Und hält einen täuschend ähnlichen, funkelnden Ring in die Höhe. „Um den hier geht es.“ Das Preisschild weist exakt 1450 Euro aus. Immer noch eine bemerkenswerte Differenz zum Ankaufspreis. „Mit den klitzekleinen Brillanten kann man die Straße pflastern“, rechtfertigt sich jedoch Schmidtke, „und den Mittelstein habe ich ersetzen müssen.“ Alle Vorgänge seien vertraglich, numerisch und fotografisch dokumentiert. Vom Kunden erwarte man keine Vorwürfe, sondern eine Entschuldigung.

Johann Katzbach hat zwischenzeitlich beide Ringe noch einmal genau inspiziert. Und ist etwas kleinlauter geworden. „Es könnte tatsächlich sein, dass ich da etwas verwechselt habe“, räumt er ein. „Aber irgendwie habe ich mich verschaukelt gefühlt.“

 

 

*Name geändert

 

 

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