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Nordmeer-Expedition : Versöhnliches Ende der Winterreise

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Expeditionssegler Arved Fuchs macht nach 6000 Meilen und 278 Reisetagen im Museumshafen fest

Natürlich hielten nicht wenige sie für bescheuert. Normale Menschen konservieren an einem 28. Dezember die wohlige Festtagsstimmung für das Neujahrsfest, Arved Fuchs aber und seine Crew warfen am 28. Dezember letzten Jahres im Museumshafen Leinen los für eine Expeditionsreise in den rauen Nordatlantik und Arktischen Ozean. Gestern um 12 Uhr war das zum Flensburger Museumshafen gehörende Expeditionsschiff „Dagmar Aaen“ nach 278 Tagen wieder zu Hause. Ende einer denkwürdigen Reise.

Im Schifffahrtsmuseum ließ der 60-jährige Expeditionsleiter gestern einige Momente der Fahrt über 6000 kalte Meilen Revue passieren. Der (teils stürmische) Aufgalopp aus der Feiertags-Lethargie heraus führte die „Dagmar Aaen“ zu den Lofoten im Norden Norwegens. Dies einer literarischen Anregung folgend, nämlich dem Buch „Den siste viking“ des norwegischen Schriftstellers Joan Bojer, der darin das harte Leben der Lofotenfischer um das Jahr 1900 herum beschreibt. Der Anreise in die Dunkelheit des arktischen Winters folgten einmalige Naturerlebnisse und beeindruckende Begegnungen mit den Lofotenfischern, die einem dramatischen Einbruch der Bestände um die Jahrtausendwende mit nachhaltiger Fischerei erfolgreich begegnen. „In diesen Regionen zu segeln ist kein Zuckerschlecken. Immer, wenn uns das Wetter ein bisschen zu schlecht erschien, haben wir uns einfach an die Lofotenfischer erinnert.“

Dazu bestand noch öfters Gelegenheit – zumal vor Murmansk. Die russische Stadt sollte eigentlich Startrampe für eine Expedition auf das Franz-Josef-Land sein, doch zunächst einmal ließen die Behörden die „Dagmar Aaen“ stundenlang nachts in aufgewühlter See warten. Auftakt zu einem Tauziehen, in dem die Deutschen schließlich die Segel streichen mussten. Zuletzt hatte Fuchs die Inselgruppe 1991 besucht. 22 Jahre später wollte er den Rückgang des Eises vermessen – doch dazu kam es nicht. In Murmansk fand Arved Fuchs in schikanöser Behördenwillkür seinen Meister. „Ich gebe mich ungern geschlagen.Wenn sich Eis und Sturm gegen dich stellen, muss man akzeptieren, dass die Natur dich nicht lässt.“ Davon konnte in Murmansk kaum die Rede sein. Alle notwendigen Papiere waren vorhanden, das Schiff auf die Herausforderungen bestens vorbereitet. Trotzdem, so Fuchs, fand sich immer wieder ein Anlass, die Expeditionscrew von ihrem Ziel fernzuhalten. „Glauben Sie mir. Es gibt schönere Plätze als den Kohlenhafen von Murmansk. Er ist schwarz. Nach 13 Tagen war das Schiff schwarz, wir waren schwarz.“ Fuchs entschied sich, die „Mission Impossible“ zu beenden und ersatzweise das etwas südlicher gelegene Spitzbergen anzulaufen.

Die Ursache hat für ihn klar umweltpolitische Gründe. Russland hat weite Teile der nordpolaren Welt zu seinem wirtschaftlichen Interessensgebiet erklärt. „Man möchte keine externen Beobachter dort!“ Er sieht eine Parallele zum Entern des Greenpeace-Schiffes „Arctic Sunrise“ durch die russische Küstenwache. „Offenkundig befürchtet man, dass Expeditionen Umweltsünden oder Aktivitäten dokumentieren könnten, die man vor der Öffentlichkeit verbergen möchte.“

Es gibt einen zweiten Erfolg der Reise. Die siebte Auflage des internationalen Camps „Ice Climate Education“ mit Jugendlichen aus acht Nationen – unter anderem aus so polarfernen Ländern wie Uganda und Nigeria. Auf der segelnden Forschungsstation – dem Flensburger Logger „Ryvar“ ging es im Søgnefjord um den Klimawandel, dargelegt von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts oder der Universität Innsbruck. Projektleiter Ulrich Jordan hat herausgefunden, dass dieses seit 2007 bestehende Projekt die Basis für manch eine wissenschaftliche Karriere legt. „Das war für fast alle Teilnehmer das Erlebnis ihres Lebens.“

 

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erstellt am 02.Okt.2013 | 08:00 Uhr

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