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Flensburger Tageblatt

23. August 2017 | 08:56 Uhr

Versicherer machen Werkstätten Druck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dr. Frank Ochsendorf spricht beim Branchentreff der KFZ-Innung Flensburg Stadt und Land über Schadensrecht

Das Unternehmen Volkswagen hat mit seiner Technik, Fahrzeug-Emissionen künstlich zu senken, anscheinend nicht nur seine Kunden erschreckt. Beim Branchentreff der Kraftfahrzeuginnung Flensburg Stadt und Land versicherten mehrere Automechaniker und Autohausinhaber, nichts gewusst zu haben. „Das war völlig überraschend“, sagt Autohändler Peter Kaim aus Leck. Der Obermeister der KFZ-Innung Nordfriesland geht davon aus, dass es bei dem Prototypen EA 189 (2,0 l Dieselmotor) als dem täuschenden Element in Fahrzeugen von Volkswagen bleiben wird. „VW will restlos aufklären und Schaden begleichen.“ Möglichen Rückrufaktionen sehe er gelassen entgegen.

Dass die angeprangerte Technik auch in anderen Fabrikaten auf dem deutschen Markt zu finden ist, vermutet Martina Koswig von Autopartner Wees. Die Angestellte sagt: „Noch weiß man nicht, welche Kreise das ziehen wird.“

Ein Mitarbeiter einer Husumer Werkstatt rechnet damit, dass alle Marken und auch LKW betroffen sein werden. Zuvor hatte ein Angehöriger der LKW-Branche am Nachbartisch im Strandhotel Glücksburg gesagt, dieses Thema sei in seiner Branche keines. Der Kraftfahrzeugmechaniker aus Husum antwortet, nach den Verbesserungsmöglichkeiten befragt: „Sie können letztlich nur die Leistung drosseln, um den Ausstoß der Schadstoffe zu verringern.“

Günther Görrissen, Kreishandwerksmeister in Flensburg Stadt und Land will die Aufklärung abwarten. „Vorverurteilungen sind voll daneben.“ Doch diese Täuschung sei schon kriminell. „Die Schuldigen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Für den Tüv Nord ist Jens Staron, Mitglied der Geschäftsleitung, gekommen. Ob er schon vor Bekanntwerden der VW-Machenschaft davon gewusst habe? Der Diplom-Ingenieur Maschinenbau und Fahrzeugtechnik und Verantwortliche des operativen Geschäfts zeigt ein breites Lächeln und verweist in diesem Zusammenhang an den Pressesprecher.

Die Innung hatte zum Thema „Neuerungen, Gefahren und Strategien 2016 im Schadensrecht“ eingeladen. Über die Geschäftsleitung des Tüv Nord konnte Dr. Frank Ochsendorf, Anwalt für Verkehrsrecht, als Referent gewonnen werden. Der Jurist aus Hamburg gab den 140 Mitgliedern und Gästen Tipps zur sinnvollen Unfallabwicklung der Werkstatt. „Die Versicherer stehen unter einem wahnsinnigen Kostendruck. Sie machen Abzüge, die die Werkstatt treffen.“ Und das sei längst nicht immer rechtens.

Gekürzt werde gerne mal beim Berechnen eines Ersatzwagens, den die Werkstatt ihrem Kunden zur Verfügung stellt. Bei diesen Berechnungen helfe die sogenannte Frauenhofer Tabelle (regional bezogene Richtwerte zur Mietwagen-Berechnung). Auch notwendige Teilreparaturen würden nicht immer beglichen. Kreishandwerksmeister Görrissen bringt ein Beispiel. Einige Versicherungen zahlten nicht für Clips, die bei dem Wechsel einer Frontscheibe an der Verkleidung erneuert werden müssten. Auch der Ersatz der grünen Umweltplakette würde nicht immer beglichen. Was der Kunde bei den Versicherungsbeiträgen spart, müsste er im Schadensfall dann doch zahlen.

Der Jurist rät, bei fast jedem Unfall sofort einen Anwalt einzuschalten. Die Werkstätten selbst müssten sich in Rechtsfragen auf dem Laufenden halten. Bei der Beurteilung von Unfallschäden rät der Fachmann dazu, immer einen unabhängigen Sachverständigen hinzuzuziehen. Görrissen dazu: „Den Werkstätten wird ja immer unterstellt, dass sie Gewinne machen wollen, deshalb ist die Beweissicherung durch einen unabhängigen Gutachter sinnvoll.“

Die Innung dankte ihrem stellvertretenden Obermeister und Pressesprecher Reimer Offenborn für dessen Engagement in der Innung mit der Verleihung der Ehrennadel samt Urkunde.

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erstellt am 26.Sep.2015 | 12:09 Uhr

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