Flensburger Förde : Verschwörungstheorien um Fahrensodde

Die IG Fahrensodde darf heute vermutlich ihre Vision eines Dienstleistungszentrums begraben.  Das Verhalten von Politik und Verwaltung hält man dort für zirkusreif.
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Die IG Fahrensodde darf heute vermutlich ihre Vision eines Dienstleistungszentrums begraben. Das Verhalten von Politik und Verwaltung hält man dort für zirkusreif.

Das Tauziehen um die Zukunft der Liegenschaft treibt seltsame Blüten. Eine erste Entscheidung könnte heute der Finanzausschuss treffen.

shz.de von
05. Juni 2014, 07:24 Uhr

Eines ist sicher: Im Finanzausschuss wird heute einmal mehr munter über die Zukunft des Projektes maritimes Dienstleistungszentrum Fahrensodde debattiert werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden heute zwei Anträge den Bach runtergehen: Der eine will das aktuelle Konzept retten, das die IG Fahrensodde auf der Basis eines einstimmigen Ratsbeschlusses mit ihrem Mitglied Mathias Hartmann als Vorhabenträger verfolgt (gemeinsamer Antrag WiF, Linke, FDP), der andere will konträr dazu den Ausstieg aus dem Ratsbeschluss und einen Neubeginn – möglichst mit Ferienwohnungen zwecks Quersubventionierung von allerlei Dreingaben – und stammt ebenfalls von der FDP.

Die Freidemokraten sind damit am breitesten von allen aufgestellt, denn die Unterschrift des Fraktionsvorsitzenden Kay Richert steht auch noch auf einem weiteren Antrag, in dem die FDP mit den Fraktionen der Grünen, der SPD und der CDU einen Ausstieg aus der aktuellen Planung und einen Neubeginn fordert – nur eben ohne Ferienwohnungen. Dieser Antrag hat die Ausschussebene schon verlassen und steht in der nächsten Ratsversammlung zur Abstimmung an. Man sieht, ist die Sachlage nur hinreichend unübersichtlich, wird es auch die Politik.

Die hat das Thema Fahrensodde mittlerweile in zwei Lager gespalten. In dem einen halten SSW, WiF und Linke dem Ratsbeschluss vom Januar 2013 die Treue, der die Entwicklung des Maritimen Dienstleistungszentrums innerhalb eines Vorhaben-bezogenen Bebauungsplans zum Inhalt hatte. Hartmann mit seiner Firma Dantronik war darin der Vorhabenträger, mit dem die Verwaltung die vertraglichen und später baulichen Grundlagen gemeinsam entwickeln sollte. Doch so weit kam es nie. Hartmann, die IG und die drei Fraktionen werfen Teilen der Verwaltung vor, das Projekt durch Beharren auf unrealistischen Planungsgrößen (Pachtzins, Erschließungs- und Herstellungskosten etc.) torpediert zu haben. Das andere Lager bildete am 27. Mai eine Ausstiegsmehrheit. Die FDP hatte für diesen Schritt die Vorlage geliefert. „Wir hatten den Eindruck, die Konflikte waren am Ende zu personalisiert“, sagt Kay Richert.

Dumm ist nur: Aus der Personenfalle kommt im Moment keiner raus. Um Fahrensodde wabern längst die Verschwörungstheorien. In der Tat sind einige Auffälligkeiten vorhanden, in deren Zentrum Birte Wrede steht. Bis Ende 2013 war sie mit Lee Sails Mieterin in Fahrensodde. Sie profilierte sich im Endlos-Drama um das Dienstleistungszentrum als Hartmann-Kritikerin, sie brachte auch ein eigenes (später zurückgezogenes), auf Ferienwohnungen gestütztes Konzept mit in die Diskussion ein. Gezeichnet wurde es von einem Architekturbüro in Mürwik, in dem Martin Keil arbeitet, bürgerschaftliches Mitglied der CDU im Planungsausschuss. Keil teilt zu diesem Thema mit, dass zwischen seinem Büro und Birte Wrede ein Vertragsverhältnis nie bestand und nicht besteht. Man habe letztes Jahr lediglich einmal eine Hilfestellung gegeben. Als die FDP Ende April die Idee einer Quersubventionierung durch Ferienhäuser in die Diskussion einbringt und bekannt wird, dass Wrede nicht nur FDP-Mitglied ist, sondern seit knapp drei Monaten auch Mitarbeiterin der Fraktion, beginnt die Gerüchteküche nach Skandal zu müffeln.

Allerdings rührt die Segelmacherin in dieser Suppe nicht mit. „Ich verfolge in Fahrensodde keinerlei Interessen“, sagt Wrede entsetzt. „Ich will in Ruhe meine Segel verkaufen.“ Und zwar im neuen Betriebsstandort in Kauslund, wo sie ihr ganzes Geld investiert hat. Nach wie vor und jenseits aller Meinungsverschiedenheiten mit Hartmann hält sie das ursprüngliche Fahrensodde-Konzept übrigens für eine gute Sache und Kritik an der Verwaltung teilweise für berechtigt. „Zu den angebotenen Bedingungen war das Projekt unwirtschaftlich“, sagt die Nicht-Verschwörerin.

Sollten heute wie erwartet die Weichen auf Neuplanung gestellt werden, droht Fahrensodde eine lange Warteschleife. Allein für den Bebauungsplan sei ein Jahr zu veranschlagen, teilt Verwaltungssprecher Thomas Kuchel mit. „Häufig dauert es auch länger.“ Mit den noch vorhandenen Mietern werde die Stadt dann bis zum Baubeginn wieder befristete Einzelverträge abschließen.

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