Wasserturm : Verschönerungskur für Flensburgs Blumenvase

Hüter des Turms:  Peter Straßburg ist seit drei Jahren dabei. Foto: Borm
Hüter des Turms: Peter Straßburg ist seit drei Jahren dabei. Foto: Borm

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01. Juni 2010, 05:06 Uhr

Flensburg | Blumenvase - so nennen viele Flensburger den Wasserturm im Volkspark. Dieses Jahr wird er nicht wie gewöhnlich Anfang Mai, sondern erst am 1. Juli eröffnen. Grund sind Bauarbeiten: Die Glasscheiben müssen ersetzt werden, auf der Außenplattform wird der Boden saniert und auch der türkisfarbene Anstrich muss entfernt und erneuert werden. "Wir haben die Bauarbeiten auf zwei Jahre verteilt. Die Kosten belaufen sich auf einen sechstelligen Betrag", sagt Peer Holdensen, Pressesprecher der Stadtwerke.

Eigentlich sollten die Bauarbeiten schon früher beginnen, "doch das ging wegen des harten Winters nicht", erklärt Turmaufseher Peter Straßburg. Bis Anfang Oktober hat der Wasserturm geöffnet. Peter Straßburg ist dafür zuständig, dass der Turm mit seiner prächtigen Aussicht über Flensburg bis nach Dänemark täglich bestiegen werden kann.

"Je nach Wetter kommen mal mehr, mal weniger Besucher. Meistens sind es um die zehn bis 20, an Wochenenden noch mehr." Familien, Schulklassen und Kindergärten seien oft hier. Auch Hochzeitspärchen kommen auf den Turm: "Viele Paare kommen hierher, ein Ehepaar trinkt zum Beispiel jedes Jahr an seinem Hochzeitstag ein Glas Sekt auf der Aussichtsplattform", erzählt der 69-Jährige. Während der warmen Monate arbeitet Peter Straßburg fast jeden Tag hier: Dienstags bis Sonntags von zehn bis 18 Uhr ist der Turm geöffnet.

Der ehemalige Seefahrer und spätere Mitarbeiter der Stadtwerke verkauft unten im Wasserturm auch Eis. Sein Job macht ihm großen Spaß: "Langweilig ist es hier nie, ich kenne viele regelmäßige Spaziergänger und viele Leute aus der Nachbarschaft. Und im Turm ist immer etwas zu tun." Die Plattform kann zu Fuß und mit dem Fahrstuhl erreicht werden. Manche Leute mit Höhenangst seien auch schon mal auf der Treppe umgekehrt und wollten doch nicht auf die 26 Meter hohe Aussichtsplattform. "Es sieht auch ein ganzes Stück höher aus, weil unter einem ja nichts ist. Viele sagen es sehe doppelt so hoch aus", sagt Peter Straßburg. 145 Wassertürme gibt es in Schleswig-Holstein, doch der Flensburger ragt allein dadurch heraus, dass er der einzige noch betriebene mit Außenplattform ist. Und er hat auch einen berühmten "Vater". Entworfen hat ihn Fritz Trautwein, der mit dem Hamburger Fernsehturm eine weiteres markantes Bauwerk geschaffen hat.

1500 Kubikmeter Wasser sind konstant in dem Turm, damit werde der ganze östliche Teil Flensburgs mit Wasser versorgt. Der Rentner aus Sörup schwärmt auch von dem Leitungswasser der Umgebung. Das sei "bestes, weiches Wasser". Auch Leute aus Hamburg oder Berlin hätten das schon gesagt.

Seit drei Jahren ist Straßburg nun der Aufseher. Während der Wintermonate lenkt er sich mit Schiffsmodellbau ab. Er ist früher viele Jahre zur See gefahren, war in Australien, Afrika und Amerika.

Wasserturm Volkspark, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, Montag ist Ruhetag. Eintritt für Erwachsene: 1 Euro, Kinder ab sechs Jahren: 0,50 Euro

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