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Flensburger Tageblatt

21. August 2017 | 22:04 Uhr

Versatel, 3. OG, ade

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Was in Flensburger Hochschulkreisen vor Jahresfrist diskutiert wurde, darf heute als wissenschaftlich erwiesen gelten: Es ist technisch ausgeschlossen, von Jürgensby einigermaßen entspannt über die Kieler Förde zu blicken. Da hilft weder Physik noch Materialwissenschaft. Das kann nicht einmal der Präsident der Fachhochschule – auch wenn er an der FH Kiel gelernt hat. Nicht einmal aus dem dritten Stock des Versatel-Gebäudes.

Seit gestern residieren die ersten Fachhochschulprofessoren offiziell im Versatel-Komplex an der Nordstraße, einen Steinwurf vom Flensburger Hafen entfernt: die beiden Wind-Professoren und das Gesundheitsmanagement. Für FH-Präsident Herbert Zickfeld, dessen Lieblingsprojekt der Umzug des Präsidiums ans Wasser einst war und dessen Versprecher vom herrlichen Blick über die „Kieler“ Förde mittlerweile auf dem Campus legendär ist, hat der Umzug seinen Zauber allerdings verloren. Die Brandschutzbestimmungen haben ihn mürbe gemacht. Die Vorschrift „F30“ zum Beispiel: Sie besagt, dass jede Wand einem Feuer 30 Minuten standhalten muss. Problem: Das ursprünglich vorgesehene Präsidenten-Büro im dritten OG hat keine Fenster mit Hafenblick, sondern Richtung Kapitänsviertel. Was ja für einen FH-Kapitän auch irgendwie passt. Die Idee: Eine Wand durch Glas ersetzen – dann könnte man aus der Präsidentensuite durch den Sitzungssaal wenigstens auf den Flensburger Hafen gucken. Das Blöde: So ein spezielles Glas nach Brandschutzkriterien F30 hätte 20 000 Euro gekostet. Oder mehr. Und mit so einem Projekt wollte sich der FH-Präsident ganz bestimmt nicht Anfang 2015 in Rente verabschieden. Der Mann, der allerlei seltsame Eskapaden von Alt-Kanzler Arnold bekämpfte, als Geldverschwender? Das wollte Herbert Zickfeld bestimmt nicht. Womit der FH-Präsident auf dem Campus bleibt. Und seien wir ehrlich: Dort gehört er ja auch hin.

Dass dieser Arbeitsplatz einmal so unglaublich sicher werden würde, hatte die junge Reinigungskraft nicht zu hoffen gewagt. Schließlich war der Einstieg beim Arbeitgeber TBZ ziemlich holprig. Das Technische Betriebszentrum der Stadt – auch zuständig, die Reinigung kommunaler Immobilien vom Rathaus bis zu den rund 30 Schulgebäuden Flensburgs zu organisieren – hatte sich auf die Bewerbung zunächst wochenlang bitten lassen, bis endlich Resonanz kam. Darauf folgte eine Woche Probearbeiten – leider völlig unentgeltlich. Putzen im Praktikum, sozusagen, kurz PP. Aber was tut man nicht alles für einen festen Job. Fürs erste reichte es aber nur zu einem befristeten Arbeitsverhältnis. Nicht so schlimm – als Neuling im öffentlichen Dienst darf man nicht zu viel erwarten. Doch jetzt ist der Reinigungskraft die ganze Dimension eines festen Arbeitsverhältnis beim kommunalen Arbeitgeber deutlich geworden. Per Post. Aus der Schleswiger Straße. Das TBZ ließ schon mal den Termin des 25-jährigen Dienstjubiläums vormerken: 20. März 2038. Nur gut, dass die Reinigungskraft an dem Tag noch nichts vorhat.

Einen kleinen Wermutstropfen hat der Putzjob, der fast so fest wie Krupp-Stahl ist, doch: Die Reinigungskraft ist schon über 30 Jahre alt, was bedeutet: Mit dem im Schreiben des TBZ schon angekündigten 40-jährigen Dienstjubiläum 2053 wird’s aus Altersgründen nix mehr...

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erstellt am 31.Jan.2014 | 11:34 Uhr

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