Ärger mit Telefonanbietern : Verloren zwischen Versatel und Telekom

Abgehängt: Rainer Schubert muss sein Telefon beruflich nutzen.
Abgehängt: Rainer Schubert muss sein Telefon beruflich nutzen.

Rainer Schubert aus Handewitt wollte den Telefonanbieter wechseln – seit zwei Monaten ist seine Leitung jetzt schon tot.

shz.de von
21. Juni 2014, 10:08 Uhr

Handewitt | Es erinnert an ein Katz-und-Maus-Spiel. Rainer Schubert möchte von der Versatel zur Telekom wechseln und scheint nun ein Opfer der beiden Telefonanbieter zu werden, die der Kommunikation untereinander am liebsten aus dem Weg gehen. Für den Kunden und seine Familie, die seit drei Jahrzehnten im Handewitter Ortsteil Timmersiek leben, hat das dramatische Folgen: Ihr Telefon ist seit zwei Monaten tot, für den Internet-Anschluss besteht noch eine Gnadenfrist.

Rainer Schubert gehört zu den vielen Versatel-Kunden, die nach Übernahme der Flensburger KomTel dem Unternehmen treu blieben – auch wenn die vertraglich zugesicherten sechs Megabits laut eigenen Messungen nicht erreicht wurden.

Ein Werbe-Flyer der Telekom, die häufiger ins Haus flatterten, weckte dann das Interesse der Familie. „Entertain ist mehr“, versprach der Anbieter. Schubert setzte am 25. Januar ein Kündigungsschreiben auf – mit der Vorgabe: „schnellstmöglich“. Die Versatel sträubte sich zunächst, wollte einen Ausstieg erst zum 31. Oktober akzeptieren. Schubert machte jedoch wegen der geringeren Megabits ein Sonder-Kündigungsrecht geltend. Das Kommunikations-Unternehmen gab Ende März nach. Zum 30. April sollten die bestehenden Rufnummern an die Telekom übergehen.

Es kam der Tag – und die Telefonleitung blieb tot. Auch am folgenden Tag keine Verbesserung. Da rief der 54-Jährige bei der Störungsstelle der Telekom an. Die Auskunft verblüffte ihn: „Wieso? Wir schließen sie doch erst zum 31. Oktober an“, hieß es. Im Computer war noch das alte Datum registriert. Das Versatel-Schreiben, das Schubert in den Händen hielt, half nicht. Die Telekom brauchte für die Umstellung eine direkte Bestätigung von der Versatel. Es folgte eine Geduldsprobe mit unzähligen Anrufen bei Telefon-Hotlines, während sich die beiden Unternehmen gegenseitig den „schwarzen Peter“ zuschoben. Ende Mai hieß es von der Telekom: „Die Versatel hat Ihre Leitung belegt, wir können nichts machen.“ Die Versatel indes versicherte, das von ihrer Seite alles in Ordnung sei und die Telekom loslegen könne.

Rainer Schubert nützte es wenig, dass er darauf pochte, den Telefon-Anschluss aus beruflichen Gründen zu benötigen. Als Beamter im Strafvollzug muss er in Bereitschaft erreichbar sein, und das Handy-Netz ist in Timmersiek nicht immer stabil. In seiner Verzweiflung dachte er schon an eine Rückkehr zur Versatel. Doch die lehnte ab: Die Rufnummern lägen bei der Telekom.

„Im Falle von Herrn Schubert haben verschiedene fest definierte Prozesse beim abgebenden Netzanbieter Versatel nicht ordnungsgemäß funktioniert: Weder die Leitungsfreigabe noch die Weiterversorgung des Kunden waren gewährleistet“, teilte nun die Pressestelle der Telekom mit. Man werde – wie mit dem Kunden besprochen – den Anschluss zum 24. Juni übernehmen und freischalten. Die Versatel ihrerseits versprach einen Rückruf, aber auf den wartet Schubert seit Tagen vergebens. Ihm wurde zuletzt häufiger empfohlen, einen Anwalt einzuschalten. Und wie es aussieht, hat er auch keine andere Möglichkeit, das Katz-und-Maus-Spiel zu beenden.

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