Verkehrstraining für Kinder mit echten Mini-Autos

Björn Höller bei der Einweisung: Seit zwei Jahren hat er die Lizenz für das nördliche Schleswig-Holstein
Björn Höller bei der Einweisung: Seit zwei Jahren hat er die Lizenz für das nördliche Schleswig-Holstein

„Jumicar“: Handewitter Björn Höller holt Geschäftsidee aus Finnland nach Flensburg

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17. Juni 2015, 18:03 Uhr

Ein kleines Geburtstagskind und seine Party-Gäste stehen auf dem Parkplatz eines Flensburger Möbelgeschäfts. Direkt vor ihnen dehnt sich der 600 Quadratmeter große Verkehrssicherheitsplatz von „Jumicar“ – kurz für „Junior-Mini-Car“ – aus. „Was machen wir zuerst, wenn wir in ein Auto einsteigen?“, fragt das Personal. Die meisten der Jungen und Mädchen schnallen sich dann mit Begeisterung an. Dann düsen die kleinen Fahrzeuge mit einem Vier-Takt-Honda-Motor los, die laut Hersteller nur 0,3 Liter pro Stunde verbrauchen.

Die sieben- bis 14-jährigen Piloten betätigen Gas und Bremse. Das Tempo ist auf 15 Stundenkilometer gedrosselt. Neben dem Fahr-Spaß steht ein ernster Hintergrund. Das signalisieren auch die zahlreichen Schilder, die den Parcours flankieren. „Man ist ja selbst Vater“, erzählt Inhaber Björn Höller. „Auf diese Weise kann man den Kindern spielerisch auch eine Verkehrserziehung mitgeben und den Nachwuchs für den Verkehr sensibilisieren.“ Schon jetzt gibt es in Kooperation mit einer Fahrschule einen „Kinder-Führerschein“, der in gut einer Stunde zu schaffen ist.

Der Handewitter Björn Höller hat seit gut einer Dekade Erfahrungen im Freizeit-Segment. Bei seinem eigenen Sohn erlebt er praktisch täglich, dass das Thema „Mobilität“ für Kinder hochinteressant ist. Ende 2012 stieß er im Internet auf eine Idee, die seit einem Vierteljahrhundert in Finnland Furore macht: „Jumicar“. Inzwischen expandiert das Konzept von Leena Nappari über alle Landesgrenzen. „Bei Veranstaltungen gibt es meist eine Hüpfburg oder einen Clown“, dachte sich Höller. „Das wäre doch mal etwas anderes für die Region.“

Bald stieg der 40-Jährige in die Planungen ein, besuchte in Hamburg einen stationären „Jumicar“-Platz, um konkrete Tipps zu erhalten. Für eine GmbH & Co. KG fanden sich ein paar Geldgeber, die Potenzial in der Idee sahen, und für die Karosserien der kleinen Fahrzeuge einige Sponsoren. Im April 2013 sicherte sich Höller die „Jumicar“-Lizenz für das nördliche Schleswig-Holstein. Vorerst befristet auf fünf Jahre, aber mit Option für Dänemark.

Im August 2013 holte Björn Höller das Equipment ab. Nun lagern in einer Flensburger Halle 25 Schilder, Streckenführung, Poller und fünf Autos. Bald darauf wurde die kleine Attraktion für Stadtfeste, Betriebsfeiern oder Geschäftseröffnungen gebucht. Seit dem letzten Frühjahr etablierte sich ein fester Standort mit Betrieb von Freitag bis Sonntag sowie in den Schulferien. Björn Höller hat auch die Schulen im Visier. „Für eine Projektwoche zum Thema Verkehrssicherheit wäre Jumicar doch eine tolle Untermalung“, denkt er. Im letzten Herbst gab es bereits einen Ortstermin mit Polizei, Schulrat und Bildungs-Manager.

Für Teenager und Erwachsene hat „Jumicar Flensburg“ sein Repertoire um sogenannte Personal-Transporter bereichert. Das sind einachsige Vehikel, die entweder über die Arme, die Knie oder – der neueste Schrei – den ganzen Körper gesteuert werden. „In Frankreich und Österreich ist diese Fortbewegungsart schon sehr populär, diese Welle schwappt jetzt zu uns rüber“, ist sich Björn Höller sicher. Beliebt ist die „Flensburg-Tour“ über Marienhölzung, Hafen und Rote Straße.

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