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Stadtwerke Flensburg : Verhärtete Fronten im Pipeline-Streit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es ging schon wieder um die geplante Gasleitung durch das Wohngebiet von Klues. Der Erörterungstermin offenbart die tiefe Kluft zwischen Stadtwerken und den betroffenen Bürgern.

2015 wollen die Stadtwerke am Ziel sein. Dann soll die Ende August begonnene Gas- und Dampfturbinenanlage fertig sein, und vor allem eines: die zwölf  Kilometer lange Pipeline, die Kessel 12 mit der bei Ellund verlaufenden Deudan-Erdgasleitung verbindet.  Auf dem Weg zum Ziel gibt es   aber eine Hürde. Die Stadtwerke möchten die Pipeline  im Stadtteil Klues unterirdisch durch eng besiedeltes Gebiet führen. Und da regt sich schon seit  Bekanntwerden der Pläne starker Widerstand.   Auf dem im Planungsverfahren vorgeschriebenen Erörterungstermin  im Rathaus wurde überdeutlich: Die Fronten sind verhärtet.

Karsten Müller-Janßen,  bei den Stadtwerken Leiter des Projektes Kessel 12, war zum Scheitern verurteilt. In der Bürgerhalle des Rathauses  führte das Druckgefälle  zwischen dem Anspruch der    Beherrschbarkeit technischer Risiken durch  Ingenieure   und dem zweifelnden Bauchgefühl des Bürgers nicht zum Ausgleich. Stefan Dautwiz, der für das Landesamt für Planfeststellung den im Verfahren vorgeschriebenen mündlichen Erörterungstermin über die schriftlichen Einwendungen leitete, konnte nach zweieinhalb Stunden Diskussion nur feststellen: „Die Einwendungen sind in keinem Punkt als erledigt anzusehen und bleiben im vollen Umfang aufrechterhalten.“ Alle wissen: Sollte die Landesbehörde dem Antrag der Stadtwerke stattgeben und die Planung absegnen, geht es weiter. „Stellen Sie sich darauf ein,  dass wir  durch alle Instanzen gehen“, kündigte eine Betroffene an.

Dort wird  es um die Belastbarkeit der Grundlagen gehen, die Müller-Janßen für die Trassenentscheidung herangezogen hat; um  den Abwägungsprozess der Stadtwerke und der von ihnen beauftragten Planungsbüros, der bei der Trassenführung durchs Wohngebiet landete, einen von den Anwohnern ins Spiel gebrachten Verlauf  durch den Wald und dann entlang der Ostseeküste aber aus Gründen des Naturschutzes nicht berücksichtigte. Das hätte 2,5 Hektar geschützten Auenwald  vernichtet, so der Projektleiter, die Grundwasserströme verändert und dauerhaft eine sechs Meter breite Schneise im Wald erforderlich gemacht. Wirklich? Ein Bewohner wies darauf hin, im Teutoburger Wald gebe es einen Präzedenzfall, in dem man die Trasse nicht wild durchs Gehölz, sondern unter den Wanderwegen verlegt habe. Dieser Fall war Janßen nicht bekannt. Kam aber mit zu den Akten.

Dort befinden sich auch die  zahlreichen Einwände, die in Kiel abgearbeitet und beschieden werden müssen, weil in der Flensburger Bürgerhalle in keinem Punkt Einigkeit erzielt wurde, außer vielleicht  in dem einen, dass eine so wichtige Veranstaltung an einem Wochentag um 14 Uhr für berufstätige Menschen schwer zu erreichen ist. Unausgeräumt ist die Sorge, die tonnenschweren Panzer der FFG könnten einen Riss in die Leitung vibrieren. Die Sorge ein mikroskopischer Riss könne in eine unkontrollierbare Situation führen.

Die Tatsache, dass die Gasleitung ein riesiger Tank mit 100000 Kubikmetern hochkomprimiertem Gas ist,  die Bestätigung, dass im schlimmsten aller Fälle ein 100 Meter breiter Bereich um die Pipeline eine unzugängliche Todeszone sein wird. Da mochte Janßen noch so sehr ausschließen, dass die FFG-Panzer auf das Edelstahlrohr einwirken können.  Da mochte er  von doppelten Schweißnähten sprechen, von  doppelter Sicherheit dank Röntgen- und Ultraschall, da mochte Janßen ein ums andere Mal sein Mantra aufsagen: „Die Anlage ist sicher!“

Da lief am Ende alles auf den  Einwand hinaus, der den Unterschied  zwischen der  Sicherheit des Ingenieurs und dem Sicherheitsbedürfnis  des Bürgers umschreibt:  „Ihre Sicherheit nützt uns nichts in dem Moment, in dem es knallt. Fukushima galt auch als sicher.“

Holger Ohlsen

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erstellt am 14.Sep.2013 | 06:56 Uhr

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