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Flensburger Tageblatt

21. November 2017 | 07:38 Uhr

Flensburg : Vergisst die Klimastadt ihre Radler?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während bis 2030 rund 50 Millionen in die Straßen fließen sollen, sind es für Radwege nur rund 16 Millionen – die Hälfte davon für den Bahndamm

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 06:09 Uhr

Rund 133 Millionen Euro will die Stadt Flensburg in den zwölf Jahren zwischen 2019 und 2030 in Straßen, Radwege und den ÖPNV stecken. In die Rad- und Fußwege will die Stadt davon 16,35 Millionen Euro investieren. Davon sollen in den ersten drei Jahren zusammen 7,7 Millionen Euro in das Großprojekt Radeln auf dem Bahndamm investiert werden. In den neun folgenden Jahren bis 2030 sind dagegen jedes Jahr nur noch 960 000 Euro für die Radinfrastruktur vorgesehen. In das Flensburger Straßennetz fließen demnach im gleichen Zeitraum rund 49,5 Millionen Millionen Euro, jedes Jahr zwischen vier und fünf Millionen (ohne Brücken und größere neue Tiefbaumaßnahmen wie zum Beispiel die K8). Dies geht aus dem Zahlenwerk zur „Strategischen Investitionsplanung“ hervor, die der Rat jetzt bei einer Gegenstimme verabschiedet hat.

Tim Meyer-König, der gerade eine Untersuchung über die Hauptradrouten der Flensburger Radfahrer vorgelegt hat, und der Fahrradclub ADFC halten das für die Stadt des Klimapakts für zu wenig. „Das ist ein Trauerspiel, der Bund empfiehlt inzwischen 19 Euro pro Einwohner in die Radinfrastruktur zu stecken, das wären also knapp zwei Millionen Euro. In Kopenhagen sind es sogar 40 Euro pro Einwohner“, schimpft Meyer-König. Die Rückmeldungen zu seiner Umfrage von diesem Jahr schätzt er vielmehr so ein: „Radfahrer möchten lieber vernünftige Wege als ein Leuchtturmprojekt wie den Bahndamm.“

Kämmerer Henning Brüggemann gibt zu bedenken, dass die Zahlen nicht immer trennscharf sind: „Wenn wir Straßen und Stadtsanierung machen, ist da immer auch ein Rad- und Fußweganteil drin.“ Er wünsche sich angesichts der vorgelegten Zahlen auch durchaus eine kritische Diskussion, ob das der richtige Weg ist. Und auch beim Thema Bahndamm, bei dem es seit dem vergangenen Jahr konkret die Überlegungen der Umwidmung gibt, wünsche er sich in den nächsten Jahren eine Klärung. Insgesamt ist für Brüggemann, der Vorsitzender des Klimapakts ist, klar: „Es ist mehr auf der Agenda, als finanzierbar ist.“

Oberbürgermeisterin Simone Lange weist daraufhin, dass zum ersten Mal überhaupt in Flensburg eine solche Planung über Legislaturperioden hinaus vorgelegt wird: „Das hat es noch nie gegeben. Auch ich habe noch Fragen dazu.“

Dass die Planungen gerade im Verkehrsbereich nicht endgültig sein können, liege an einem weiteren Umstand: „Offen ist der Masterplan Mobilität.“

Natürlich leide die Stadt, die jedes Jahr um mehr als 1000 Einwohner wachse und 14 000 Berufspendler zähle, unter dem zunehmenden Individualverkehr. Auf der Suche nach der Mobilität von morgen müssten unter anderem Fragen von Parken und Umstieg in den Bus behandelt werden: „Nicht jeder kann mit dem Auto vor die Tür fahren“, sagt Lange. „Und wenn ich auf der Exe parken soll, brauche ich eine verlässliche Taktung in die Innenstadt.“


Heute Abend findet auf dem Museumsberg (Hans Christiansen-Haus, 2. Stock), von 18 bis 20 Uhr die Abschlussveranstaltung der „Flensburger Fahrradwochen“ des Klimapakts statt. Der Fachvortrag hat den Titel „Zukunft des Radverkehrs“.

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