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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 22:45 Uhr

Am Hafen : Verführerisches Last-Minute-Angebot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Investoren wollen das Haus Schiffbrücke 40 für das Schifffahrtsmuseum kaufen. Für die Stadt kommt die Offerte zu spät.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Ein Haus mit ziemlich viel Reparaturstau bringt an der Flensburger Westküste zur Zeit etliche Menschen in Wallung. Die chronisch finanzschwache Stadt hat das Haus Schiffbrücke 40 zum Verkauf frei gegeben, ein potenzieller Käufer verhandelt mit dem Fachbereich Vermögen schon über Details. Die Sorge, der Verkauf des Gebäudes in private Hände könnte den weiteren Ausbau des Schifffahrtsmuseums und des Historischen Hafens irgendwann blockieren, rief kurzfristig neue Investoren und die Ratsfraktion der Linken auf den Plan.

Die hat für den heutigen Finanzausschuss (16 Uhr, Europazimmer) eine Vorlage vorbereitet, die für die Verkaufsverhandlungen zwei Details regelt: Ein Rückkaufsrecht der Stadt, falls das Gebäude weiterverkauft werden soll und die Festschreibung der Nutzung durch maritime Gastronomie, einen einfachen Beherbergungsbetrieb und andere den Gedanken des „Historischen Hafens“ unterstützende Nutzungen. Ein Antrag, getragen vom Gedanken, zu retten, was zu retten ist. Denn Thomas Overdick, Direktor des Schifffahrtsmuseums war ebenso wie der Vorsitzende des Fördervereins des Museums, Hans-Dieter Dockhorn, eher unglücklich über den Verkauf. Overdick sah über kurz oder lang Platzbedarf für sein Museum, Dockhorn sieht den Verkauf des Hauses als Beweis für das fehlende Gesamtkonzept im Historischen Hafen.

Ende letzter Woche keimten plötzlich große Hoffnungen auf. Ein verführerisches Angebot zwei alteingesessener Flensburger Unternehmer, das Gebäude zu kaufen, zu sanieren und weitestgehend kostenfrei dem Schifffahrtsmuseum zu überlassen. Von einem Gespräch mit Oberbürgermeister Simon Faber und Hafenkapitän Frank Petry vergangenen Freitag kehrte Dockhorn allerdings eher enttäuscht zurück. „Nach Auskunft der Stadt ist das Verfahren zu weit fortgeschritten. Angeblich ist das nichts mehr zu machen.“ Der Fördervereins-Vorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass diese Lösung in seinen Augen die Beste gewesen wäre, weil die den Akteuren des Historischen Hafens viel weitergehende Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand gegeben hätten. Dockhorn träumt von einer Hafenspelunke, von einem blechfreien Vorfläche am Museum, von einer Wiederbelebung der historischen Bahngleise, von einem Seitenwechsel des alten Hafenkrans – kurzum von einem bündigen Konzept für die Westseite. Der profane Verkauf der Schiffbrücke 40 zeigt ihm, dass sich das Interesse der Stadt wohl eher in Grenzen hält.

Thomas Kuchel kann da nur auf die Beschlusslage verweisen. Der Finanzausschuss habe dem Verkauf Ende März zugestimmt. Vorangegangen sei eine viermonatige Ausschreibung des Objektes zum Mindestgebot von 152  000 Euro. „Der Fachbereich hat unter mehreren Bewerbern mit unterschiedlichen Konzepten eine Auswahl getroffen, der im Ausschuss zugestimmt wurde“, so der Verwaltungssprecher. „Das jüngste Investorenangebot“, so Kuchel, „kam leider zu spät.“ Die Frist ist abgelaufen, der Ausschuss hat dem Verkauf zugestimmt, da kommen wir nicht mehr aus dem Geschirr, ohne uns rechtlich angreifbar zu machen.“ Er verweist aber darauf, dass die Investoren in dem Objekt mit Hostel und Gastronomie-Nutzung auf der Linie des Historischen Hafens liegen dürften. In den Verhandlungen gehe es genau darum. „Niemand will, dass dort auf einmal eine Disko aufmacht.“

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