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Nächtliche Raserei in Flensburg : Verfolgungsjagd: Flucht mit Funkenflug

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

26-Jähriger ohne Führerschein flieht im Seat vor Polizeikontrolle mit Vollgas durch verkehrsberuhigte Zonen

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 04:06 Uhr

In dieser Nacht sollte sich für drei Streifenwagenbesatzungen das Sicherheits- und Fahrtraining auszahlen, das Polizeibeamte regelmäßig absolvieren müssen. Ein 26-Jähriger aus dem Landkreis nötigte sie zu einer halsbrecherischen Verfolgungsfahrt einmal quer durch Flensburg und zurück.

Ein Blick auf den völlig platt gefahrenen grünen Seat Arosa lässt so halbwegs ahnen, was sich gestern ab 4.15 Uhr entwickelte. Um diese Zeit wollte eine Polizeistreife an der Kreuzung Bahnhofstraße/Friedrich-Ebert-Straße ein mit zwei jungen Leuten besetztes Auto kontrollieren. Doch so weit ließ es der Fahrer nicht kommen. Er gab Vollgas, beschleunigte den Kleinstwagen in Richtung Neumarkt. Bei Rot – und das war nicht der erste und schon gar nicht der letzte Regelverstoß auf der jetzt beginnenden Verfolgungsjagd.

Die Polizei schickte drei Einsatzwagen auf die Straße – die mit Blaulicht und Martinshorn erstens alle anderen nächtlichen Verkehrsteilnehmer sichern und warnen und zweitens den Amokfahrer möglichst unfallfrei ausschalten sollten.

Vom Neumarkt bog der Seat ins Pferdewasser ab, von da raste er mit Tempo 130 über die Friesische Straße in Richtung Marienallee – mit der Polizei im Nacken. Dort wendete er den Wagen auf dem Gelände eines Supermarkt-Parkplatzes um 180 Grad, bretterte zurück in die Innenstadt. Wieder die Friesische Straße hinunter, gegen die Fahrtrichtung in die verkehrsberuhigte Angelburger Straße, mit Vollgas über die Süderhofenden in die obere Angelburger Straße hinein, am Hafermarkt dann scharf links und gleich wieder scharf rechts in die Glücksburger Straße – und erneut mit Höchstgeschwindigkeit durch Tempo-30-Zonen halsbrecherisch Kurs Engelsby. Zwischenzeitlich drohte der Fahrer die Kontrolle zu verlieren, geriet auf die Gegenfahrbahn, fing das Auto aber wieder ein.

In der Merkurstraße hatte sich ein Polizei-Passat quer gestellt, der flüchtende Fahrer riss das Lenkrad kurz vor dem Zusammenprall nach links, setzte hart auf dem Kantstein des Bürgersteigs auf, fuhr Richtung Richard-Wagner-Straße weiter – im stiebenden Funkenregen. Der linke Vorderreifen hatte sich bei dem harten Aufprall verabschiedet, das Gefährt des Flüchtenden war bedenklich instabil geworden. Aber Schluss war trotzdem noch nicht. An der Kreuzung mit dem Trögelsbyer Weg raste er geradeaus in die Sackgasse, durchbrach die beiden Absperrungen der Fußgängerunterführung unter der Osttangente, fuhr weiter über den Adelbyer Kirchenweg. Erst in der Bismarckstraße ging der Wahnsinn zu Ende. Der mittlerweile schrottreife Seat geriet noch in den Gegenverkehr, es gab gefährliche Momente mit anderen Verkehrsteilnehmern, ehe ihn ein Streifenwagen nach rechts abdrängte und ausbremste.

Fahrer und Beifahrer flüchteten aus dem noch rollenden Auto, der Fahrer wurde nach kurzer Verfolgung festgenommen.

Die Überprüfung ergab: Er hatte keinen Führerschein, gegen ihn bestand Haftbefehl. Nennenswert alkoholisiert war er nach Polizeiangaben nicht, die Untersuchung einer Blutprobe soll jetzt klären, ob er unter Drogeneinfluss stand. Die Ermittlungen nach dem zweiten Mann und dem Fahrzeugeigentümer dauerten gestern Nachmittag noch an. Der Seat war nach der Verfolgungsfahrt mit seinem total zerstörten Fahrwerk und waagerecht abstehenden Rädern ein Totalschaden.

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